In der Rubrik Pflanze des Monats stellen wir in den Vegetationsmonaten von März bis Oktober interessante Pflanzen und Pflanzenarten aus unserem Garten vor. Jede Pflanze kann im Botanischen Garten Leipzig vor Ort aufgesucht und ihre Besonderheit entdeckt werden.

2024

Alle unsere Bäume blühen! Die Nadelbäume oft schon im Dezember/Januar, Hasel, Erle und Pappel meist im März/April. Dann erst erscheinen die Blüten unserer wichtigsten Waldbäume wie Buche und Eiche. Deren Blüten werden jedoch gleichzeitig mit dem Laub ausgebildet und zudem zu einer Zeit, wo auch vieles andere bereits blüht. Ihre winzigen Blüten, v.a. die weiblichen, fallen dann kaum auf. Zugegebenermaßen sind sie zudem noch recht winzig wie der Vergleich mit einem Streichholzkopf verdeutlicht. Doch aus diesen Winzlingen entwickeln sich im Laufe des Sommers dann die allseits bekannten Eicheln, die schließlich im Herbst reif werden. Auch die deutlich größeren männlichen Kätzchen fallen kaum auf, denn sie sind ähnlich gefärbt wie die jungen Blätter. Die bekommen erst innerhalb einiger Tage ihre volle Chlorophyllausstattung und sind zu Beginn des Austreibens daher noch rötlich gefärbt.
 

Die Ästhetik der verborgenen Eichenblüten hängt natürlich auch damit zussammen, dass sie meist in vielen Metern Höhe weit entfernt vom Betrachter hängen. Die hier gezeigten Bilder stammten vom Versuchsarboretum in Großpösna. Hier sind die Bäume erst wenige Jahre alt und stehen einzeln. Manche Zweige hängen dort so tief, dass und eine problemlose Betrachtung (also ohne Leiter) gerade noch möglich ist.


Übrigens haben die jüngsten Fröste auch hier zugeschlagen und die zarten jungen Triebe arg in Mitleidenschaft genommen.
 

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Amerikanische Roteiche (Quercus rubra), Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Blattaustrieb der Amerikanischen Roteiche (Quercus rubra), Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Blattaustrieb der Amerikanischen Roteiche (Quercus rubra), Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Weibliche Blüte der Amerikanischen Roteiche (Quercus rubra), Foto: Wolfgang Teschner

Die Gattung Moraea gehört zu den Schwertliliengewächsen und ist eng mit der auch in Europa weitverbreiteten Gattung Iris (Schwertlilie) verwandt. Moraea bildet allerdings echte Zwiebeln aus, während Iris Rhizome bildet. Auch die Blätter sind anders aufgebaut und angeordnet.

Es gibt aber auch einige Gemeinsamkeiten. So besitzen beide Gattungen Blüten, die aus drei Blumen bestehen: um eine komplette Moraea-Blüte zu bestäuben müssen die dafür zuständigen Bienen dreimal anfliegen.

Die größte Diversität hat Moraea in Südafrika, insbesondere in der Westkapprovinz. Hier ist sie häufig im Fynbos zu finden, am ehestens auffällig, wenn sie im September/Oktober blüht. Manche Arten blühen auch erst nach Feuer.

Viele sind nur an ganz wenigen Standorten zu finden, ihr Verbreitungsgebiet beträgt nur wenige Quadratkilometer. Ihre Unterscheidung ist nicht immer ganz einfach, da innerhalb einer Art große Variabilitäten auftauchen können, v.a. was die Blütenfarbe betrifft. Die meisten Arten sind blau oder gelb, es gibt aber auch welche, die zwischen komplett gelb und fast schwarz alle Übergänge aufweisen.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Moraea fugax; Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Moraea lurida-Varianten; Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Moraea spec.; Foto: Wolfgang Teschner

Die Kätzchenblüher

Die Kätzchenblüher gehören zu den allerersten, die in einem Jahr ihre Blüten präsentieren. Bei warmem Wetter kann dies schon vor Weihnachten passieren. Zu den bekanntesten gehört die Haselnuss. Die eigentlichen Kätzchen sind die männlichen Blütenstände, die in langen Trauben von den Zweigen hängen. Die nur maximal einen halben Zentimeter groß werdenden weiblichen Blüten sind weitaus weniger auffällig, an ihren knallroten Narbenästen aber gut zu erkennen. In ihnen können sich, nach erfolgreicher Bestäubung, im späten Sommer bis zum Herbst die Haselnüsse entwickeln – immer nur genau eine pro Blüte. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Pollenkorn vom Wind verdriftet tatsächlich auf eine Narbe trifft ist nicht sehr groß. Da macht das Anlegen mehrerer Samenanlagen keinen Sinn. Erhöht wird die Wahrscheinlichkeit aber durch die enorme Menge an Pollen die die Kätzchen produzieren, sowie die weit in den Luftraum hineinragenden Narbenäste. Auch Blätter wären beim Pollenflug nur hinderlich, so dass die Kätzchenblüher ihre Blüten bereits lange vor dem Laubaustrieb entfalten.

Zur morphologischen Gruppe der Kätzchenblüher zählen ebenfalls die Birken, welche in der Blühabfolge als nächstes dran sind. Auch die Buchen, Eichen und Hainbuchen gehören dazu. Bei ihnen werden die Kätzchen allerdings fast gleichzeitig mit den ersten Blättern entfaltet und sind dann optisch weit weniger auffällig.

Klassischerweise werden auch die Weiden (Salix) und die Pappeln (Populus) zu den Kätzchenblühern gezählt. Während die bisher genannten Bäume jedoch alle in die Verwandtschaftgruppe der Buchenartigen (Fagales) gehöhren, sind die Weiden eher mit Stiefmütterchen und Passionsblumen verwandt. Tatsächlich geht man davon aus, dass Weiden und Pappeln erst vor wenigen Millionen Jahren die kalten Gebiete der Welt erobert haben – und die Blüten als Reste dieser Zeit auch noch ein kleines bischen an Pollenkit produzieren. Das macht gerade die Weiden auch für tierische Besucher wie Hummeln interessant, denen es so etwas leichter fällt, den Pollen für sich zu sammeln. An Haseln oder Birken haben sie, trotz der großen Pollenmengen, i.d.R. kein Interesse, denn der Pollen kann praktisch nicht effektiv eingesammelt werden, das wäre so, als würde man eine Suppe mit der Gabel essen.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Gemeine Hasel (Corylus avellana) im Sommer, Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Blühende Gemeine Hasel (Corylus avellana), Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Männliche Blüte der blühenden Gemeinen Hasel (Corylus avellana), Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Weibliche Blüte der Gemeinen Hasel (Corylus avellana), Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Frucht der Gemeinen Hasel (Corylus_avellana), Foto: Wolfgang Teschner

2023

Wolliges Froschmäulchen (Philydrum lanuginosum)

Dem Wolligen Froschmäulchen (Philydrum lanuginosum) aus den Tropen und Subtropen Ostasiens und Nordaustraliens geht es in diesem Jahr im Botanischen Garten recht gut. Es blüht noch immer und ist in der Systematischen Abteilung „rechts neben den Palmen“ zu bewundern. Im nicht-blühenden Zustand kann diese kleine Sumpfpflanze auch schon mal mit Binsen verwechselt werden, ihre Blüten sind jedoch unverwechselbar. Sie leuchten gelb und sitzen an langen aufrechten Ähren. Im Gegensatz zu fast allen anderen einkeimblättrigen Pflanzen mit 6 Blütenblättern sind bei ihr nur 2 äußere und ein paar kleinere innere verschrumpelte zu sehen. Tatsächlich sind die Blütenblätter jedoch so stark untereinander verwachsen, dass ihre ursprüngliche Zahl nicht mehr erkennbar ist.

Die Verwachsung ist eine häufige Konsequenz aus einem Symmetriewechsel der Blüte von Radiär- zu Spiegelsymmetrie. So ist die Blüte besser den ebenfalls spiegelsymmetrischen Bestäubern wie Bienen angepasst. Auch hat diese Symmetrie zum Namen Froschmäulchen geführt – dem Namensgeber hat die Blüte offenbar an ein aufgerissenes Froschmaul erinnert. Die leicht wollige Behaarung stand Pate für den Beinamen „Wollig“.

Philydrum lanuginosum mag es warm und feucht und überwintert bei uns in den Gewächshäusern, vielleicht auch bald im gerade im Aufbau befindllichen Australienbeet.

Vom Menschen nach Nordamerika gebracht, ist die Pflanze im Südosten der USA bereits in die freie Natur ausgebüchst. Noch scheint sie dort keine ernsthafte Bedrohung für die heimische Vegetation zu sein. Doch auch bei uns steht die Art unter Beobachtung. Bei den immer wärmer werdenden Wintern könnte sie sich leicht z.B. am Oberrheingraben ansiedeln.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Wolliges Froschmäulchen (Philydrum lanuginosum); Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Blüte des Wolligen Froschmäulchens (Philydrum lanuginosum); Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Blüte des Wolligen Froschmäulchens (Philydrum lanuginosum); Foto: Wolfgang Teschner

Edelkastanie (Castanea sativa)

Die Edelkastanie (Castanea sativa) wurde bereits von den Römern sehr geschätzt, auf die auch der deutsche Name Kastanie zurückgeht. Die Edelkastanie gehört zu den Buchengewächsen. Sie unterscheidet sich zwar von der heimischen Rotbuche durch etliche Merkmale, wie ein viel späteres Blühen, auffälligere männliche Blütenkätzchen oder durch die sehr viel derberen Blätter. Ihre Früchte sind jedoch – bei genauerem Hinsehen - recht ähnlich aufgebaut, denn sie sind von ziemlich stacheligen Hochblättern eingehüllt. Bei der Rotbuche halten diese in der Regel 2 dreikantige Nüsse fest, während bei der Edelkastanie meist nur eine fast kugelförmige und sehr viele größere Nuss ummantelt wird.


Die Nüsse der Kastanien sind eßbar und gelten in gerösteter Form als Delikatesse. In der der Vergangenheit waren sie in manchen südeuropäischen Gegenden sogar Grundnahrungsmittel, denn der Baum wächst auch auf sehr nährstoffarmen Böden, auf denen Weizen zum Beispiel nicht mehr gedeiht. Auch ist der kleine Baum sehr viel unempfindlicher gegenüber langen und heißen Trockenperioden im Sommer, als zum Beispiel die feuchteliebende Eiche. Gerade dieses Klima wird in der Zukunft des öfteren erwartet, so dass der Kastanie eine wachsende Bedeutung in der Forstwirtschaft zukommt.

Die für Menschen ungenießbare Roßkastanie (Aesculus) aus der Familie der Seifenbaumgewächse hat - verwandtschaftlich gesehen - mit der Edelkastanie nichts gemein.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Edelkastanie (Castanea sativa), Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Blütenstand der Edelkastanie (Castanea sativa), Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Früchte der Edelkastanie (Castanea sativa), Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Früchte der Edelkastanie (Castanea sativa), Foto: Wolfgang Teschner

Honigesche (Tetradium daniellii)

Die Honigesche (Tetradium daniellii) gehört zu den Rautengewächsen (Rutaceae) und steht im Botanischen Garten im System bei den Seerosengewächsen - eigentlich am falschen Platz. Das recht alte Exemplar hat als attraktive Bienenweide jedoch auch eine Bedeutung für die zahlreichen Wildbienen im Garten.

Mit der heimischen Esche hat die Honigesche tatsächlich einige gemeinsame Merkmale, etwa die gegenständigen, gefiederten Blätter. Jedoch sind bei der heimischen Esche die Fiederchen leicht gekerbt, bei der Honigesche sind sie ganzrandig. Deutlich unterscheidbar sind auch im Herbst und Winter die Knospen. Außerdem blüht die Honigesche jetzt im Hochsommer, die heimische Esche hingegen ist windbestäubt und blüht bereits im März.

Der Namensbestandteil „Honig“ nimmt auf die sehr angenehm süßlich duftenden Blüten Bezug. Gerade jetzt summt und brummt es pausenlos im Baum. Nicht selten drehen sich Besucher fragend auf der Suche nach der Summquelle unter dem Baum herum – denn die kleinen Blüten befinden sich oben im Baum und werden dort wohl oft nicht vermutet. Die dicht mit Blüten bepackten Blütenstände verleihen dem Baum von Ferne jedoch sogar ein weißliches Erscheinungsbild.

Die Honigesche stammt ursprünglich aus China und wird bei uns als Parkbaum oder sogar als Bienenweide angepflanzt.  Er löst als nektarproduzierender Baum die zumeist schon Mitte Juli verblühte Sommerlinde ab. Alle anderen heimischen Bäume sind windbestäubt, bereits im April verblüht und für Bienen völlig uninteressant.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Honigesche (Tetradium daniellii) in der Totalansicht; Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Blütenstand der Honigesche (Tetradium daniellii), Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Detailaufnahme einer Blüte der Honigesche (Tetradium daniellii), Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Blattunterseite der Honigesche (Tetradium daniellii), Foto: Wolfgang Teschner

Damaszener-Rosen, Rosa × damascena

Rosenöl ist fast so teuer wie Gold und äußerst vielfältig einsetzbar – in der Kosmetik und als Parfüm ebenso wie in der Lebensmittelbranche oder wegen seiner antiseptischen Wirkung zur Bekämpfung von Zahnfleischleiden. Rosenöl wird aus den Blütenblättern von Rosen gewonnen, die dazu manuell eingesammelt und anschließend dann destilliert werden müssen.

Natürliche Rosen besitzen nur 5 Blütenblätter. Da das Rosenöl bereits im Altertum sehr geschätzt wurde, begann man früh, die Anzahl der Blütenblätter durch Zucht zu erhöhen. Das geht verhältnismäßig einfach, denn Blütenblätter sind aus Sicht der Evolution nichts anderes als umgewandelte und stark vergrößerte Filamente – das ist der sterile untere Bereich eines Staubblattes, auch Staubfaden genannt. Rosen besitzen eigentlich sehr viele Staubblätter. Schaut man sich heutige Rosensorten genauer an, indem man die einzelnen Rosenblätter vom Blütenboden zupft, so wird man zumindest an den inneren Blütenblättern noch Reste des ursprünglich gebildeten Staublattes in Form von gelben Markierungen finden.

Die Bestäuber werden auch vom Duft des Rosenöls angelockt, für diese produzieren die Rosen ja schließlich das Öl.  Davon angelockt und im Dienste der Pollenverbreitung, erwarten die Bestäuber – zumeist Bienen und Hummeln – aber auch eine Belohnung, und zwar in Form von Pollen. Gerade dieser Pollen wurde jedochweggezüchtet,um mehr Blütenblätter zu haben. Oftmals verausgaben sich die Hummeln kräftemäßig regelrecht an den Blüten, denn mit viel Kraft und Aufwand krabbeln sie hinein, um sich die vermeintliche Belohnung abzuholen, die es aber nicht mehr gibt. In einem Privatgarten haben daher vollgefüllte Rosen nichts zu suchen. Wenn man unbedingt Rosen pflanzen möchte, dann sollte man auf Wildarten oder zumindest auf nur halbgefüllte Züchtungen zurückgreifen, denn in denen sind wenigstens noch ein paar Pollenkörner erhalten geblieben.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Damaszener-Rosen (Rosa × damascena) in voller Blüte, Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Einzelne Blüte einer Damaszener-Rosen (Rosa × damascena), Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Blick in das innere einer Damaszener-Rosen-Blüte (Rosa × damascena), Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Innere einer Damaszener-Rosen-Blüte (Rosa × damascena), Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Reste des ursprünglich gebildeten Staublattes mit der gelben Markierung, Foto: Wolfgang Teschner

Die Schachtelhalme (Equisetum)

Die Schachtelhalme stellen eine ganz eigene, unabhängige Gruppe innerhalb der Gefäßpflanzen dar. Sie werden zwar oft zu den Farnen gezählt, sind mit diesen aber genausowenig verwandt wie mit den Bärlappen oder den Samenpflanzen. Im weiteren Sinne könnte man den Schachtelhalmen sogar die Ausbildung von Blüten zuschreiben, denn der Spross, an dessen Spitze sich die Sporophyllstände ausbilden, wächst nach Abgabe der Sporen nicht weiter. Er entspricht somit einem Kurzspross und wäre demnach per Definition eine Blüte – allerdings ohne Blütenblätter.

Auch die eigentlichen Blätter der Schachtelhalme entsprechen nicht dem, was man sich landläufig unter einem Blatt vorstellt: sie sind auf winzig kleine, quirlig angeordnete Schuppen reduziert. Die eigentliche Photosynthese wird mit den Sprossen durchgeführt.

Schachtelhalme können im Garten sehr lästig werden. Zumindest der Ackerschachtelhalm verfügt über ein außerordentlich gutes vegetatives Vermehrungspotenzial: aus kleinsten Rhizomstücken kann sich eine ganze Pflanze regenerieren. Es gibt aber durchaus auch nützliche Schachtelhalme: manche von ihnen lagern als Fraßschutz Silikatkristalle in ihre Epidermis ein. Wer solche Arten frißt, nutzt innerhalb kurzer Zeit seine Zähne ab. Und das Gute daran? Mit diesen als Zinnkraut bekannten Pflanzen haben Knappen im Mittelalter die Rüstungen ihrer Ritter polieren dürfen!

Sechs sehr unterschiedliche der weltweit bekannten 41 Arten der Gattung Schachtelhalm (Equisetum) kultivieren wir im Botanischen Garten. Sie sind in der systematischen Abteilung bei den Farnen unter der alten Blutbuche zu finden.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Teich-Schachtelhalm (Equisetum fluviatile), Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Teich-Schachtelhalm (Equisetum fluviatile), Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Blüte des Teich-Schachtelhalm (Equisetum fluviatile), Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Detail Teich-Schachtelhalm (Equisetum fluviatile), Foto: Wolfgang Teschner

Der Königsfarn (Osmunda regalis)

Der Königsfarn (Osmunda regalis) ist zwar in Deutschland heimisch und sollte eigentlich regelmäßig auf torfigen, sauren Böden vorkommen. Seine Bestände sind jedoch sehr stark zurückgegangen und so gilt dieser imposante Farn als stark gefährdet. Und das hängt nicht nur damit zusammen, dass seine Lieblingsstandorte wie Bruchwälder und Niedermoore für die Landwirtschaft entwässert oder abgeholzt wurden. Tatsächlich liegt hier ein wichtiger Grund bei anderen „Pflanzenliebhabern“, nämlich den Orchideenfreunden. Die Substrate für Orchideen sollten nur langsam verrotten und möglichst luftdurchlässig sein. Statt auf Kork oder Kokosfasern zurückzugreifen, haben sich viele in der Vergangenheit mit den ähnlichen Eigenschaften aufwartenden Wurzelgeflechten des Königsfarnes bedient! Seit die Pflanze unter Schutz steht, ist das zwar nicht mehr der Fall, doch wächst Osmunda so langsam, dass sich seine wenigen Bestände ebenfalls nur ganz langsam erholen können.

Zur Zeit schiebt Osmunda seine neuen Blattwedel mit den für Farne charakteristisch eingerollten Blattspitzen. In Kürze wird man auch die vegetativen, rein der Photosynthese dienenden Wedel von den dicht mit Sporen besetzten Wedeln unterscheiden können. Diese sogenannten „Sporophylle“ erinnern an mit Pilz-Rost befallenen Zweige und Blätter. Sie sind jedoch nicht nur völlig harmlos und können auch Pollenallergikern nichts anhaben, sondern dienen der Fortpflanzung und sollten auch im Garten nicht entfernt werden.

Ein kleineres Exemplar Osmunda steht in der Systematischen Abteilung der Farne unterhalb der alten Blutbuche. Das größere steht nahe dem Teich in der Mitteleuropa-Abteilung. Aufgrund der Teichbauarbeiten ist dieses Exemplar zur Zeit aber nicht zugänglich (Stand Mai 2023).

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Königsfarn (Osmunda regalis), Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Königsfarn (Osmunda regalis), Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Königsfarn (Osmunda regalis), Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Königsfarn (Osmunda regalis), Foto: Wolfgang Teschner

Die Schuppenwurz

Parasitische Pflanzen sind recht eigenwillig. Sie treten an Stellen auf, wo man sie nicht haben möchte – und an gewollten Stellen verweigern sie ihre Kultivierung. Schon mehrfach haben wir versucht, die Schuppenwurz (Lathraea squamaria) an ihrem zugewiesenen Platz bei den Sommerwurzgewächsen in der Systematischen Abteilung anzusiedeln – ohne Erfolg. Dennoch können wir die Pflanzen präsentieren.

Die Schuppenwurz parasitiert auf einigen heimischen Waldbäumen, bevorzugt an Hasel, Weißbuche und Birke. Per Zufall entdeckten wir einen Bestand im östlichen Nordamerika-Revier an der Mauer zur Physik nahe der Kompostierungsanlage. Sehr unscheinbar bricht sie dort in diesen Tagen aus dem Erdboden hervor, oft noch von viel Laub bedeckt und blüht in einer Farbmischung zwischen rosa und lila. Der rachenblütenförmige Blütenschlund wird gerne von Hummeln und Bienen aufgesucht, die gerade im Vorfrühling mit Nahrungsknappheit zu kämpfen haben. Bald nach der Blüte verschwindet die Pflanze oberirdisch auch schon wieder. Die Samen mit ihren kleinen Anhängseln aus Fett werden später im Jahr von Ameisen ausgebreitet. Chlorophyll besitzt die Pflanze überhaupt nicht. Ungeübte Augen mögen sie von weitem vielleicht sogar als Pilz bezeichnen.

Und wie stark schädigt die Pflanze ihren Wirt? Sie entnimmt ihm schließlich Wasser, Nährstoffe und auch Zucker. Tatsächlich kann die Schuppenwurz – die ihren Namen von den schuppenbedeckten Rhizomen unter der Erde erhalten hat – als Zeiger für besonders gute Böden bezeichnet werden. Denn nur wenn der Boden locker, nährstoffreich und feucht genug ist und die Wirtspflanzen ausreichend ernähren kann, nur dann kann auch die Schuppenwurz gedeihen.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Blüten des Schuppenwurz (Lathraea squamaria), Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Blüten des Schuppenwurz (Lathraea squamaria), Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Detail der Blüte des Schuppenwurz (Lathraea squamaria), Foto: Wolfgang Teschner

Forsythien - gelb blühender Frühlingsgruß

Forsythien werden bald das Landschaftsbild unserer Vorgärten bestimmen. Man wird kaum einen Garten finden, in dem nicht mindestens an einer Ecke ein Forsythienstrauch blüht, manchmal werden ganze Hecken gepflanzt. Die große Attraktivität rührt sicher von der außerordentlich großen Blühfreudigkeit der Forsythien – und der extrem leichten Vermehrbarkeit. Ein paar abgeschnittene Zweige in eine Vase gestellt und schon nach zwei bis drei Wochen werden neue Würzelchen ausgebildet. Die so bewurzelte Pflanze muss dann nur noch ausgepflanzt werden.

Leider nicht für heimische Bestäuber geeignet

Aber Vorsicht: Forsythien sind nicht heimisch und nahezu alle sind gärtnerische Hybriden. Unsere heimischen Bestäuber haben von Forsythien keinerlei Vorteil: Bestäuber werden bei dieser Gattung durch winzig kleine Öltröpfchen belohnt, die unsere aus dem Winterschlaf aufwachenden Wildbienen nicht nutzen können. Auch mit dem wenigen Pollen können sie nichts anfangen, denn der wird erst später im Jahr zur Verköstigung der Brut gebraucht – die gibt es aber jetzt noch nicht. Unsere Wildbienen brauchen jetzt Nektar – und der ist in Forsythien nicht vorhanden. Ökologisch wertvolle Gärten, die durch gelbblühende Vorfrühlingsblüher dekoriert werden sollen, sollten auf die heimische Kornelkirsche (Cornus mas) ausweichen. Auch die blüht überaus reichlich, bietet jede Menge Nektar an und zudem kann aus den Früchten im Spätherbst eine leckere Marmelade gekocht werden.

Blühfreudigkeit erhalten

Forsythien sind Sträucher, also holzige Gewächse, die sich von Natur aus von der Basis her verjüngen. Diese Verjüngung wird durch den allgegenwärtigen „Heckentopfschnitt“ verhindert: An den „abgeschnittenen Köpfen“, also oben an der Hecke, wird diese sehr dicht, an der Basis bleiben nur ein paar Stämmchen zurück. Stattdessen sollten die alten Stämme direkt nahe dem Boden abgeschnitten werden. Das regt das Wachstum von der Basis her an, und die Pflanzen bewahren ihren typischen Wuchs.

Ein Ölbaumgewächs

Forsythien gehören übrigens zu den Ölbaumgewächsen, in deren Familie sich neben der Olive auch der Liguster, der Flieder und die Eschen befinden. Allen gemein sind die nur 4 Blütenblätter, ein Merkmal, das vergleichsweise wenige heimische Pflanzen charakterisiert.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Forsythia im Botanischen Garten Leipzig, Foto: W. Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Blüte der Forsythia giraldiana mit Neuschnee, Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Blüte der Forsythia europaea, Foto: W. Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Forsythia spec. als typische Hecke, Foto: Foto: W. Teschner

2022

Kiwifrüchte - Strahlengriffelgewächse (Actinidiaceae)

Die Kiwifrucht stammt ursprünglich aus China. Ihr eigentlicher Name „míhóutáo“ bedeutet so viel wie „Makakkenbeere“. In den 1940er Jahren in Neusseeland eingeführt wurde sie dort schnell zu einem Exportschlager – der jedoch noch eines typischen Namens bedurfte. Nicht ohne Selbstironie vermarkteten die Neuseeländern, die von den Australien gerne als „Kiwis“ bezeichnet werden, die „míhóutáo“ unter dem Namen Kiwifrucht. So oder als Kiwibeere sollte diese Frucht auch in Deutschland bezeichnet werden, denn der Name Kiwi allein bezeichnet den flugunfähigen Wappenvogel Neuseelands.

Kiwipflanzen in Deutschland kultivieren

Die Kiwifrucht gehört zur Gattung Actinidia und ist mit mehreren Arten auch in Deutschland winterhart. Die bei uns angebotenen Kiwifrüchte werden allerdings fast alle importiert. Für den Hobbygärtner eignet sich jedoch durchaus Actinidia arguta oder Actinidia deliciosa. Diese kleinen Kiwipflanzen blühen im Mai und ihre etwa stachelbeergroßen Früchten werden im Oktober reif, fast schon wenn sich ihr Laub gelb zu färben beginnt.

Strahlengriffelgewächse

Actinidia ist die namensgebende Gattung der Actinidiaceae oder Strahlengriffelgewächse. Der Name rührt von den vielen Griffeln her, von denen jeweils einer ein Fruchtblatt versorgt. Im Querschnitt erscheinen die kleinen Samen dann strahlenförmig angeordnet.

Achtung: etliche Actinidia-Arten sind zweihäusig, d.h. es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Nur die weiblichen machen Früchte  - aber auch nur wenn eine männliche Pflanzen in der Nähe für Pollen und somit Bestäubung sorgen kann!

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Früchte der Kiwibeere (Actinidia arguta), Foto: W. Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Frucht der Kiwibeere auch Honigbeere, Kokuwa, Kiwai oder Kleinfruchtige Kiwi genannt (Actinidia arguta), Foto: Dr. M. Freiberg
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Im deutschen Kiwi, Chinesische Stachelbeere oder Chinesischer Strahlengriffel genannt , Actinidia deliciosa, Foto: W. Teschner

Common button bush - übersetzt ins Deutsche "Knopfbusch" (Berzelia lanuginosa)

Die Pflanzenreiche der Welt werden in die Holarktis, Neotropis, Palaeotropis, Australis, Antarktis und Capensis untergliedert. Die Capensis ist dabei das kleinste und umfasst nur die Provinz „Western Cape“ in Südafrika. Die Capensis hat sich sehr lange völlig unabhängig von allen anderen Reichen entwickelt, ein Austausch von Samen und Früchten ist nämlich nahezu unmöglich: Die Region ist im Westen, Süden und Osten vom Atlantischen und Indischen Ozean umgeben und im Norden befindet sich mit der Namib und der Kalahari für viele Pflanzen eine nahezu unüberwindbare Wüstenzone. Auch die Drakensberge im Osten stellen eine natürliche Barriere dar.

Dementsprechend entwickelten sich in der Capensis einige endemische Familien, also solche, die ausschließlich hier vorkommen. Dazu gehören die Geissolomataceae, Penaeaceae, Stilbaceae, Grubbiaceae und Bruniaceae. Letztere sind mit Berzelia lanuginosa im Foto dargestellt. Die Bruniaceae bilden als einzige Vertreter die Ordnung Bruniales, die wiederum den Asterales (z.B. mit Asteraceae und Campanulaceae) relativ nahe stehen. Wie diese bilden die Bruniaceae komplexe Blütenköpfchen aus, allerdings ohne das den Asteraceae typischen Involucrum. Die Einzelblüten sind winzig und werden gerne von Käfern aufgesucht. Berzelia ist häufig mit verschiedenen Ericaceae zu finden. Beide haben in der Capensis zusammen mit Familien wie die Rhamnaceae oder Rutaceae sehr feine, kleine nadelige Blätter, weshalb die Capensis in Südafrika auch als „Fynbos“ (etwa Feinblatt) bezeichnet wird.

Im neuen Südafrikabeet des Botanischen Gartens ist ebenfalls eine Bruniaceae zu finden.

Alle Bilder stammen von Wolfgang Teschner

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Berzelia lanuginosa; Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Berzelia lanuginosa; Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Berzelia lanuginosa; Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Berzelia lanuginosa; Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Berzelia lanuginosa; Foto: Wolfgang Teschner

Die durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum)

Die durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum) hat ihren Namen aufgrund der sehr charakteristischen Blätter bekommen. Die Blätter sind gegenständig und ohne deutlichen Blattstiel. Die Gegenblätter sind quasi gegenüberliegend miteinander verwachsen. Die Verwachsung ist sehr dicht und bildet eine kleine Mulde, in der sich gut Regenwasser ansammeln kann. Solche dichten Blattgründe sind sonst vor allem von den dichten Bromelienrosetten bekannt. In ihnen können sich kleine Teiche bilden, die in Südamerika Lebensraum für viele kleine Tiere wie auch die Pfeilgiftfrösche bieten.


Die Silphie blüht zu einer Zeit, in der die meisten anderen Pflanzen schon verblüht sind und kann somit eine Lücke im Nektarangebot für viele Insekten schließen. Allerdings ist die Silphie nicht heimisch, sie kommt ursprünglich aus Nordamerika. Ihre enorme Wuchsleistung – sie erreicht innerhalb eines Jahres locker Höhen von über 3 m – macht sie zu einer interessanten Energiepflanze, z.B. für die Herstellung von Bioethanol. Da die Silphie anders als der oft hierfür genutzte Mais auch Nektar anbietet, ist sie aus ökologischer Sicht vorzuziehen.


Die Silphie gehört in die nähere Verwandtschaft der Sonnenblumen und hat ebenso gelbe Blüten. Im Botanischen Garten ist sie sowohl in der systematischen Abteilung als auch in der Nordamerika-Abteilung zu finden.

 

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Die durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum), Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Die durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum), Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Blattansätze der durchwachsenen Silphie (Silphium perfoliatum), Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Einzelne Blüte der durchwachsenen Silphie (Silphium perfoliatum), Foto: Wolfgang Teschner

Rosaceae vs. Ranunculaceae

Manche Pflanzen sehen von weitem einander ganz ähnlich, gehören jedoch ganz unterschiedlichen Pflanzenfamilien an. Besonders deutlich wird dies, wenn wir uns Vertreter der Rosaceae und der Ranunculaceae genauer anschauen. So blühend sowohl die meisten Hahnenfüße (Ranunculus) und die Fingerkräuter (Potentilla) wie auch die mit ihr nah verwandten Erdbeeren (Fragaria) leuchtend gelb und haben auch in etwa die gleiche Größe sowie jeweils 5 Blütenblätter. Unterscheiden kann man die beiden Gattungen wie auch die Familien selbst an einem wichtigen Detail ihrer Blätter: Die Rosengewächse und so auch die Erdbeere haben immer Nebenblätter, die Hahnenfüße aber niemals.

Nebenblätter sind kleine, paarige und oftmals grüne Auswüchse an der Basis des Blattstieles. Mit anderen Worten: das Fehlen eines Merkmales ist dennoch ein Merkmal. Mithilfe von Fotos Pflanzen bestimmen ist sehr schwierig und führt oftmals in die Irre. Fotos von Pflanzen ohne die Blattbasis sind entsprechend kaum zu gebrauchen.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Chile-Erdbeere (Fragaria chiloensis), Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Einzelne gelbe Blüte der Fragaria chiloensis.
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Gelbe Blüte des Acker-Hahnenfuß (Ranunculus arvensis).
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Blattbasis des Acker-Hahnenfuß (Ranunculus arvensis), Foto: Wolfgang Teschner

Berberitzen (Berberis)

Auf die Frage, welche Unterschiede es zwischen Pflanzen und Tieren gibt, bekommt man manchmal die Antwort, Pflanzen wären festgewachsen, Tiere nicht. Das stimmt zwar in den meisten Fällen, aber es gibt auch viele festgewachsene Tiere – etwa die Seeanemonen – und freibewegliche Pflanzen, z.B. die Entengrütze auf Teichen. Und wie sieht es mit der Bewegung aus? Auch das ist die einhellige Antwort, Tiere bewegen sich, Pflanzen nicht.

Schaut man jedoch genauer hin, dann bewegen sich alle Pflanzen – allerdings für die zeitliche Dimension, in der die Menschen leben, kaum wahrnehmbar. Oft können erst Zeitrafferaufnahmen die Bewegung der Pflanzen für uns sichtbar machen. Viele dieser Bewegungen gehen mit Wachstum einher. Doch es gibt auch spektakuläre Ausnahmen, etwa bei der Sinnpflanze (Mimosa pudica) oder der insektenfressenden Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula).

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Gelbblühende Gewöhnliche Mahonie (Mahonia aquifolium) am Standort im System des Botanischen Garten Leipzig
Gewöhnliche Berberitze (Berberis aquifolium) Standort im System des Botanischen Garten Leipzig. Foto: W. Teschner

Dies sind allerdings nicht-heimische Exoten, und wie sieht es in unserer heimischen Flora aus? Tatsächlich gibt es bei der normalen Berberitze dazu ein bemerkenswertes Beispiel. Ihre leuchtend gelben Blüten locken viele Insekten an, die sich an ihrem Nektar laben wollen. Aber nicht einfach so: Die Blütenbesucher sollen eben auch bestäuben, also mitgebrachten Pollen auf die Narbe übertragen und dann auch wieder welchen für die nächste Blüte mitnehmen. Je länger sich die Bestäuber, etwa kleine Bienen und Fliegen, in der Blüte aufhalten, desto wahrscheinlicher kommt es zur Pollenübertragung.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Gelber Blütenstand der Gewöhnliche Berberitze (Berberis vulgaris)
Blütenstand der Gewöhnliche Berberitze (Berberis vulgaris), Foto: W. Teschner

Und das erzwingen die Blüten mit einem Trick: berührt ein Beinchen die Basis der Nektarblätter, so registrieren die das und klappen augenblicklich zusammen. Sie halten die Beinchen der verdutzten, manchmal sogar in Panik geratenen Bestäuber ein paar Sekunden fest, ehe diese sich (unversehrt) befreien können und weiterfliegen.

Mit einer Bleistiftspitze oder einer kleinen Nadel läßt sich ein Blütenbesuch simulieren. Allerdings dauert das Zuschnappen nur Sekundenbruchteile, und auch unser Fotograf Wolfgang Teschner hatte seine liebe Mühe, dieselbe Blüte vor und nach einer Berührung im Bild festzuhalten – es ist ihm aber super gelungen!

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Zugeklapptes Necktarblatt der Berberis aquifolium der Gewöhnlichen Mahonie (Berberis aquifolium).
Zugeklapptes Necktarblatt der Berberis aquifolium. Foto: W. Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Zugeklapptes Necktarblatt der Gewöhnlichen Mahonie (Berberis aquifolium), Foto: W. Teschner
Zugeklapptes Necktarblatt der Gewöhnlichen Mahonie (Berberis aquifolium), Foto: W. Teschner

Die Blütezeit der Berberitzen beginnt bereits Mitte April, zieht sich aber auch noch lange in den Mai hinein. Im Botanischen Garten Leipzig sind sie im System und im asiatischen Bereich zu finden.

(P.S.: Die im Herbst reifenden Steinfrüchte der Gewöhnlichen Berberitze  – Berberis vulgaris  – enthalten viel Vitamin C und können zu exklusiver Marmelade verarbeitet werden.)

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Gelb blühnde Gewöhnliche Berberitze (Berberis vulgaris) im Botanischen Garten der universität Leipzig.
Blühende Gewöhnliche Berberitze (Berberis vulgaris), Foto: W. Teschner

Der asiatische Lebkuchenbaum (Cercidophyllum japonicum)

Der asiatische Lebkuchenbaum (Cercidophyllum japonicum) wächst auch im Botanischen Garten im asiatischen Bereich der geographischen Abteilung. Er wird vom Wind bestäubt und so zeigt auch er standesgemäß das Phänomen der Zweihäusigkeit: es gibt männliche und weibliche Individuen. Das verhindert sehr effektiv die Selbstbestäubung: da die weibliche Pflanze nur weibliche Organe besitzt, können so auch keine Pollen von ihr selbst auf die eigenen Narben gelangen. Da der Wind weder schmecken noch sehen oder riechen kann, sind die Blüten windbestäubter Arten eher unscheinbar, denn es werden weder Kelch- noch Blütenblätter ausgebildet. Die würden bei der Bestäubung nur stören: Der im Wind verwehte Pollen würde von den Blütenblättern aufgefangen und könnte dann nicht mehr das Empfängnisorgan der Blüte, die Narbe erreichen. Die allermeisten windbestäubten Arten blühen daher sogar vor dem eigentlichen Laubaustrieb, etwa die Buchen, Eichen, Birken oder Haseln.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Ein männliches Exemplar des asiatischen Lebkuchenbaumes (Cercidophyllum japonicum); Foto: Wolfgang Teschner
Ein männliches Exemplar des asiatischen Lebkuchenbaumes (Cercidophyllum japonicum); Foto: Wolfgang Teschner

So fehlen auch dem Lebkuchenbaum die Blütenblätter. Dennoch sind die langen, weit in den Luftraum hineinragenden Narben leuchtend rot gefärbt. Ob diese Farbe vielleicht doch ein paar Insekten anlockt, oder die Farbe möglichen Fressfeinden nur welkes Laubwerk suggerieren soll ist bisher noch nicht geklärt.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Männliche Blüte des asiatischen Lebkuchenbaumes (Cercidophyllum japonicum); Foto: Wolfgang Teschner
Männliche Blüte des asiatischen Lebkuchenbaumes (Cercidophyllum japonicum); Foto: Wolfgang Teschner

Übrigens sind auch Ulmen windbestäubt, aber einhäusig. Sie vermeiden Selbstbestäubung, indem die männlichen und die weiblichen Blüten um einige Wochen versetzt blühen – sogar mit einer kleinen Blühpause dazwischen.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Weibliche Blüte des asiatischen Lebkuchenbaumes (Cercidophyllum japonicum); Foto: Wolfgang Teschner
Weibliche Blüte des asiatischen Lebkuchenbaumes (Cercidophyllum japonicum); Foto: Wolfgang Teschner

Achten sie also in diesen Tagen auf die unscheinbaren Blüte unserer Bäume, auch wenn sie ein nicht so spektakuläres Blütenmeer abgeben wie die unter ihnen blühenden Frühlingsblüher!

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Weibliche Blüte des asiatischen Lebkuchenbaumes (Cercidophyllum japonicum); Foto: Wolfgang Teschner
Weibliche Blüte des asiatischen Lebkuchenbaumes (Cercidophyllum japonicum); Foto: Wolfgang Teschner

Ansichten von Pflanzen

Das Pflanzenleben wird gerade wieder sichtbar und lockt viele Fotografen in die Natur – und in den Botanischen Garten. Vielleicht ist das gerade der richtige Zeitpunkt, einmal darüber zu reflektieren, aus welcher Sicht man da eigentlich fotografiert. Denn wir würden uns sehr freuen, wenn der oder die eine oder andere uns ihre Fotos auch für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung stellt, zum Beispiel im neuen LifeGate-Projekt des Botanischen Gartens unter lifegate.idiv.de

Wir Menschen haben eine Vorderseite (Bauch) und eine Rückseite (Rücken). Blüten auch. Wissenschaftlich spricht man da von der Ventralseite (Bauch) und der Dorsalseite (Rücken), denn vorne und hinten wäre aus der Sicht des Betrachters unterschiedlich. An der Dorsalseite setzt der Blütenstiel an.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Kleines Schneeglöckchen (Galanthus nivalis); Foto: Wolfgang Teschner
Kleines Schneeglöckchen (Galanthus nivalis); Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Märzenbecher (Leucojum vernum); Foto: Wolfgang Teschner
Märzenbecher (Leucojum vernum); Foto: Wolfgang Teschner

Unsere Frühlingsboten Märzenbecher und Schneeglöckchen machen dies eindrucksvoll deutlich:  Die Vorder- bzw. Ventralseite der Blüte ist bei beiden nach unten geöffnet. Um diese Seite im Bild festzuhalten, muss man die Blüte entweder mit der Hand umdrehen oder man muss sich entsprechend tief bücken. Leider tut dies kaum jemand, so dass man im Internet hunderttausende Bilder von Schneeglöckchen und Märzenbecher in allen möglichen Ansichten von oben bis seitlich findet, aber eben nicht von vorne.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Kleines Schneeglöckchen (Galanthus nivalis); Foto: Wolfgang Teschner
Kleines Schneeglöckchen (Galanthus nivalis); Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Märzenbecher (Leucojum vernum); Foto: Wolfgang Teschner
Märzenbecher (Leucojum vernum); Foto: Wolfgang Teschner

Die Blüten der Krokusse oder des Scharbockskrautes öffnen sich nach oben, so dass man von oben betrachtet direkt die Ventralseite anschaut. Hier fehlen auf Fotos oftmals die seitlichen (Lateral-) Ansichten, welche für die eindeutige Bestimmung einer Pflanze unbedingt erforderlich sind: Besitzt die Pflanze Kelchblätter? Wie sehen die aus? Wie viele sind es?

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Elfenkrokus (Crocus tommasinianus); Foto: Wolfgang Teschner
Elfenkrokus (Crocus tommasinianus); Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Scharbockskraut (Ficaria verna) im Stötteritzer Wäldchen; Foto: Wolfgang Teschner
Scharbockskraut (Ficaria verna) im Stötteritzer Wäldchen; Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Elfenkrokus (Crocus tommasinianus); Foto: Wolfgang Teschner
Elfenkrokus (Crocus tommasinianus); Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Scharbockskraut (Ficaria verna) im Stötteritzer Wäldchen; Foto: Wolfgang Teschner
Scharbockskraut (Ficaria verna) im Stötteritzer Wäldchen; Foto: Wolfgang Teschner

Ein weiteres Problem bei der Dokumentation von Pflanzenarten betrifft die Begriffe Blüte und Blütenstand. Schneeglöckchen, Märzenbecher und Krokusse besitzen einzelne Blüten. Später im Jahr finden sich immer mehr Arten, bei denen mehrere Blüten zu einem mehrblütigen Blütenstand zusammengefasst sind. Typische Beispiele wären hier bei den Selleriegewächse oder den Asterngewächse zu finden.

Zu letzterer Familie zählt auch der Huflattich (Tussilago farfara), der bereits jetzt zahlreich zu sehen ist. Von oben (also ventral) betrachtet, besitzt der Huflattich ca. 25 fertile Einzelblüten in der Mitte und um die 100 sterile Blüten am Außenrand seines Blütenstandes. Mit anderen Worten: das „Blütenbild“ des Huflattichs ist gar kein Bild EINER Blüte, sondern von mindestens 25 einzelnen. Um ein Foto einer einzelnen Blüte von der Seite aufzunehmen, müsste man das Köpfchen aufschneiden und zerlegen, denn seitlich betrachtet sind die einzelnen fertilen Blüten nicht nur von den sterilen verdeckt, sondern zusätzlich von grünlich-bräunlichen Hüllblättchen. Diese Hüllblättchen wiederum sind ebenfalls unabdingbar, um so bekannte Gattungen wie die Flockenblumen (Centaurea) oder Disteln (Cirsium und Carduus) genau bestimmen zu können.

Archiv der letzten Jahre

Sie haben eine Pflanze des Monats verpasst? Oder möchten sich noch einmal über besonders spannende Pflanzen der vergangenen Monate informieren? Hier finden sie noch einmal unsere Schätze im Archiv:

2021

Frühlingslichtblume (Colchium bulbocodium)

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Blüte der Frühlingslichtblume
Blüte der Frühlingslichtblume (Colchium bulbocodium), Foto: Wolfgang Teschner

Im Vorfrühling blühen nicht nur Schneeglöckchen, Märzenbecher, Narzissen und Krokusse! Darunter mischt sich auch ein Pflanze, deren bekanntester Verwandter die Herbstzeitlose ist – die Frühlingslichtblume. Sie ist weit weniger bekannt, aber genauso giftig – wie übrigens die meisten Zwiebelblumen. Schließlich müssen sie ja die wertvollen Reservestoffe in ihren Zwiebeln verteidigen.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Blüte der Frühlingslichtblume
Blüte der Frühlingslichtblume (Colchium bulbocodium), Foto: Wolfgang Teschner

Die Frühlingslichtblume ähnelt einem großen Krokus. Der Krokus gehört jedoch in die Familie der Schwertliliengewächse, die stets nur 3 Staubblätter besitzen, während Colchicum aus der Familie der Zeitlosengewächse (Colchicaceae) 6 Staubblätter ausbildet. Heimisch ist die Frühlingslichtblume bei uns übrigens nicht. Die nicht sehr häufige Pflanze wächst in größeren Beständen nur noch in der Schweiz und einigen Gebieten der Karpaten. Die Zwiebeln sind bei uns aber in gut sortierten Gärtnereien zu kaufen und können besondere Akzente gerade auch in Steingärten setzen.

Schachbrettblume (Fritillaria michailovskyi)

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Mehrere Blüten von Michailovsykyi’s Schachblume (Fritillaria michailovskyi)
Michailovsykyi’s Schachblume (Fritillaria michailovskyi), Foto: Wolfgang Teschner

Die Schachbrettblumen der Gattung Fritillaria der Familie der Liliengewächse gehört zu den komplexesten und größten Gattungen der Familie überhaupt. Sie sind relativ nahe mit den Tulpen (Tulipa) verwandt, unterscheiden sich von diesen aber durch meist hängende statt aufrechte Blüten. Die meisten Arten sind in den Gebirgen zwischen der Türkei und dem Iran beheimatet. Da sie damit auch einer kalten Winterjahreszeit ausgesetzt sind, können viele Fritillarien auch bei uns problemlos im Freien überwintern.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Einzelnes Exemplar der Michailovsykyi’s Schachblume (Fritillaria michailovskyi)
Michailovsykyi’s Schachblume (Fritillaria michailovskyi), Foto: Wolfgang Teschner

Neben der eigentlichen Schachbrettblume (Fritillaria meleagris, von lat. fritillo=Schachbrett), dem Namengeber der Gattung wegen der Musterung der Blütenblätter, sind in unseren Gärten auch häufig die imposanten Kaiserkronen in allen möglichen Farbvarianten zu finden.

Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera)

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Mehrere Exemplare des Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera)
Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera), Foto: Wolfgang Teschner

Orchideen waren und sind noch immer eine der ästhetisch besonders ansprechenden Pflanzen.  Gerade im Winter zieren sie viele unserer Wohnzimmer-Fensterbänke. Doch bei diesen Orchideen handelt es sich fast ausschließlich um Exoten aus den tropischen Regenwäldern. Aber wussten Sie, dass auch etwa 80 Orchideenarten in Deutschland heimisch sind? Sie haben ganz spezielle Ansprüche an ihren Wuchsort, sind allesamt selten und vom Aussterben bedroht und streng geschützt. Die Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) und die Insekten-Ragwurz (Ophrys insectifera), besser bekannt und dem Namen Fliegen-Ragwurz, gehören dazu und stehen schon in den Startlöchern zum Beginn ihrer Blüte – zumindest in den Toten Tälern bei Freyburg.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Blüte des Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera)
Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera), Foto: Wolfgang Teschner

Auch der Botanische Garten Leipzig würde gerne mit ein paar Exemplaren aufwarten, denn sie sind Teil des Beziehungspfades und wären an Position 12 zu finden – doch bisher schlug ihre Kultivierung trotz aufopferungsvoller Geduld, Wissen und viel Liebe unserer Gärtner fehl.  Trotzdem: Ragwurzen gehören – nach meiner eigenen Statistik von über 12 Millionen gesammelten Fotos von fast 2000 Fotografen – zu den am häufigsten abgelichteten Pflanzen überhaupt. Der Laie jedoch mag enttäuscht sein: die wundervollen und oft formatfüllenden Bilder täuschen über die Größe der einzelnen Blüten hinweg. Eine einzelne Blüte ist selten größer als einen halben Zentimeter im Durchmesser! Geduld, genaues Hinsehen und auch ein bisschen Glück gehören zum Auffinden der Blüten dazu.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Großaufnahme einer Blüte des Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera)
Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera), Foto: Wolfgang Teschner

Das Glück lässt sich manchmal ein wenig überrumpeln, wenn man eine vorbeifliegende Biene verfolgen kann, die zu einer Blüte unterwegs ist und einen quasi unfreiwillig hinführt. Übrigens sind es in der Regel Männchen, die die Bestäubung durchführen, da sie sich vom Aussehen und dem Duft der Ragwurzenblüten haben täuschen lassen: Denn die Blüten duften nach Weibchen, sehen ihnen recht ähnlich – und auch die Behaarung fühlt sich für sie an wie die vermeintlichen Weibchen.

Der Wildkohl (Brassica oleracea var. oleracea)

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Blüten des Wildkohls (Brassica oleracea var. oleracea)
Wildkohl (Brassica oleracea var. oleracea), Foto: Wolfgang Teschner

Der Wildkohl (Brassica oleracea var. oleracea) ist die Stammform sämtlicher Kohlsorten – also von Kohlrabi, Wirsing, Weißkohl, Broccoli, Rosenkohl, Rotkohl, Romanesco etc. Einige dieser Zuchtformen sind noch recht jung, andere waren den Römern bereits bekannt. Und hier liegt auch die Heimat des Wildkohls, denn er kommt entlang der Mittelmeerküsten vor. Der Kohl gehört zu den Kohlgewächsen (Brassicaceae), zu denen etwa auch der Meerrettich, das Radieschen, der Senf oder der Raps gehören. Sie alle zeichnen sich durch eine gewisse Schärfe aus, die von den Inhaltsstoffen der Senfölglycoside herrührt. Diese sind schwefelhaltig und zersetzen sich im Darm letztlich zu Schwefelwasserstoff (H2S), einem der geruchintensivsten Stoffe überhaupt. H2S ist extrem giftig, so dass diesem Stoff gegenüber eine angeborene Sensitivität besteht, die auch nach längerer Exposition nicht vergeht.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Blätter des Wildkohls (Brassica oleracea var. oleracea)
Wildkohl (Brassica oleracea var. oleracea), Foto: Wolfgang Teschner

Die Kohlgewächse werden manchmal auch als Kreuzblütler bezeichnet. Dieser Name bezieht sich auf die senkrecht kreuzweise angeordneten Blütenblätter. Oftmals spiegelt sich die Anzahl der Blütenblätter in der Anzahl der Staubblätter wider. Nicht so bei den Kreuzblütlern: sie besitzen 6 davon. Schaut man noch genauer hin – dazu sollte man eine Lupe hinzuziehen – dann stellt man fest, dass die 6 Staubblätter in 2 Kreisen angeordnet sind. Einem inneren aus 4 und einem äußeren aus 2 Staubblättern.  Schaut man noch genauer hin und entfernt dazu die Kelch- und Kronblättern, so entdeckt man an der Basis zwischen den beiden äußeren Staubblättern 2 winzig kleine Pünktchen. Dabei handelt es sich um Nektardrüsen zur Ernährung der Bestäuber. Evolutiv betrachtet sind diese beiden Drüsen aus den ursprünglich an diesen Stellen einmal vorhandenen Staubblättern hervorgegangen. Damit stimmt auch das Weltbild wieder: eigentlich besitzen die Kohlgewächse 8 Staubblätter – von denen 2 nicht mehr offensichtlich als solche erkennbar sind. Dank an dieser Stelle an unser Freundeskreismitglied Wolfgang Teschner, der mit viel Aufwand dieses oftmals übersehene Detail mit seiner Kamera liebevoll dokumentiert hat!

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Detailaufnahme einer Blüte des Wildkohls (Brassica oleracea var. oleracea)
Wildkohl (Brassica oleracea var. oleracea), Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Detailaufnahme der Staubblätter des Wildkohls (Brassica oleracea var. oleracea)
Staubblätter des Wildkohls (Brassica oleracea var. oleracea), Foto: Wolfgang Teschner

Distel (Carduus spp.)

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Kleiner Kohlweißling auf der Blüte einer Distel
Kleiner Kohlweißling (Pieris rapae) auf einer Distel, Foto: Gabriel Flöter

Disteln sind so gut wie komplett aus unserer Umwelt verbannt worden. Durch ihr riesiges Potenzial, sich vegetativ über Wurzelrhizome zu vermehren, sind sie gerade in der Landwirtschaft alles andere als beliebt. Zurückdrängen durch Unterpflügen geht nicht – da werden sie nur noch zahlreicher. Da hilft nur die chemische Keule. Auch auf den noch verbliebenen Viehweiden sind sie nicht gerne gesehen, denn eine weiche Rinderschnauze frisst nicht freiwillig unsere reichlich bestachelten Disteln. Und selbst die Garteninhaber tun alles, um Disteln loszuwerden.

Streng genommen handelt es sich bei Disteln nur um Verteter der Gattung Carduus. Umgangssprachlich werden aber auch andere  Verwandschaftskreise als Disteln bezeichnet. So beispielsweise die Verteter der Kratzdisteln (Gattung Cirsium). Daneben gibt es bei uns noch weitere Verwandtschaftsgruppen wie die zum Beispiel die Silber- und Golddisteln (Carlina spp.), die Kugeldisteln (Echinops spp.) oder die Eselsdistel (Onopordum acanthium).

Aber Disteln sind eine der wenigen Nahrungsquellen für unsere Tagfalter. Gerade die nach ihrer Wanderung aus Südeuropa zu uns kommenden Wanderfalter wie der Distelfalter dürstet es nach Nektar. Da wären die Disteln genau das Richtige: von den Farben sehr attraktiv (rot, violett, magenta) locken sie schon von weitem die Falter an. Der winzige Zugang zu ihrem Nektar ist für die Falter gut erreichbar – und wenige andere Insekten sind da Konkurrenz.

Lassen Sie ein paar heimische Disteln in ihren Gärten stehen! Mit Wurzelschranken lässt sich das unkontrollierbare Ausbreiten in Grenzen halten. Überzeugen Sie auch ihre Nachbarn. Gemeinsam kann man am besten gegen Vorurteile vorgehen. Die erschöpften Tagfalter werden es Ihnen danken!

Mais (Zea mays)

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Ein ausgewachsener Maiskolben, umschlossen von Blättern, direkt an der Pflanze
Maiskolben (Zea mays); Foto: Wolfgang Teschner

So wie wir ihn kennen, ist der Mais (Zea mays) eine äußerst ungewöhnliche Pflanze, denn er kommt in der Natur gar nicht vor. Stattdessen handelt es sich um eine Kulturpflanze par excellence, denn nur der Mensch garantiert sein Überleben. Im Zweig der Biologie, in der es um die verschiedensten Ausbreitungsstrategien der Pflanzen geht, spricht man auch von Anthropochorie, der Ausbreitung durch den Menschen. Aber warum kommt der Mais nicht in der Natur vor? Haben Sie sich kurz vor der Erntezeit einmal einen Maiskolben näher angeschaut? Die dicke Spindel, auf der fest eingebettet die einzelnen Maiskörner sitzen, ist von großen Hüllblättern oder Lieschblättern umgeben. Würde der Mais nicht vom Menschen geerntet, so würde der Kolben mit seinen Samen auf dem Ackerboden einfach verfaulen – die Lieschblätter verhindern ein selbständiges Loslösen der Samen ebenso wie der feste Sitz auf dem Kolben. Der Mensch hat diese Eigenschaften durch seine jahrtausendealten Züchtungsbemühungen erreicht, denn so lassen sich die einzelnen Kolben mit den anhaftenden Körnern sehr einfach ernten und bis zur Weiterverarbeitung lagern.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Ein junger Maiskolben sprießt zwischen Blatt und Stengel hervor.
Junger Maiskolben (Teosinthe zea mexicana); Foto: Wolfgang Teschner

Bereits vor über 9000 Jahren haben die Einwohner des nördlichen Mittelamerikas begonnen, aus der Naturform des Mais (Teosinte oder Zea mexicana) die heutige Kulturform zu züchten. Mittlerweile existieren unzählige Züchtungsformen und Sorten, wobei die an der Spitze der Pflanzen befindlichen männlichen Blüten der „Urform“ noch recht ähnlich sehen. Große Unterschiede gibt es v.a. bei den weiblichen Blüten und den sich daraus entwickelnden Früchten, die von gelb bis fast schwarz sehr viele Farbvarianten aufweisen, manchmal sogar innerhalb eines einzelnen Kolbens.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Die männliche Blüte einer Maispflanze
Männliche Blüten des Mais (Zea mays); Foto: Wolfgang Teschner

In Lateinamerika ist Mais eines der Hauptnahrungsmittel und entspricht in Form von Tortillas unserem Brot. Die Sorten des Mais auf unseren Äckern eignen sich aufgrund des ungünstigen Klimas hingegen kaum für den menschlichen Verzehr. Er wird entweder als komplette Pflanze mit Milchsäurebakterien versetzt und silagiert dann dem Nutzvieh verfüttert, oder als Biomasse zu Bioethanol vergoren und landet dann im Tank der Automobile. Die zu „Cornflakes“ umgewandelten Maiskörner enthalten keinerlei Ballaststoffe, Vitamine, Mineralien oder irgendetwas anderes Wichtiges für die Ernährung außer Kohlenhydrate (Zucker). Hingegen sind sie extrem billig herzustellen und führen bei übermäßigem oder gar ausschließlichem Genuß zu Mangelerscheinungen. Dazu hat man in großem Stil die nordamerikanischen Ureinwohner gezwungen, um ihre Dezimierung weiter voranzutreiben.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Die männliche Blüte des Mais an einer Maispflanze
Männliche Blüten des Mais (Teosinthe zea mexicana); Foto: Wolfgang Teschner

Mais ist übrigens eine Pflanze mit C4 Photosyntheseweg, der bei ausreichender Energieversorgung (Sonnenschein) und genug Wasser besonders effektiv ist. Während der Sonnenschein in unseren Breiten im Sommer oft ausreicht, hapert es mit der Wasserversorgung, so dass in Dürrejahren wie 2020 der Maisanbau ohne künstliche Bewässerung eigentlich keinen Sinn macht.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Zwei Maiskolben, links mit Hüllblättern und rechts ohne Hüllblätter
Maiskolben (Teosinthe) mit und ohne Hüllblätter; Foto: Wolfgang Teschner

Die Pflanzen finden Sie in der systematischen Abteilung bei den Gräsern.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Zwei Maiskolben, links mit heruntergrollten Hülblättern und recht ohne Hülblättern
Maiskolben (Tesinthe) ohne Hüllblätter und mit entfernten Hüllblättern; Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Pflanze des Monats September: die Schwarzen Tollkirsche (Atropa belladonna) mit ihren schwarzen Früchten
Früchte der Tollkirsche (Atropa belladonna), Foto: W.Teschner

Die Tollkirsche (Atropa bella-donna)

Die Tollkirsche, ist einer der Klassiker unter den Giftpflanzen. Das nach ihr benannte Alkaloide Atropin wirkt pupillenerweiternd. Es wird zwar heute noch in der Augenheilkunde genutzt, allerdings aufgrund seiner lang andauernden Giftigkeit nicht in der Diagnostik. In der Renaissance träufelten sich Frauen den Saft der Tollkirsche in die Augen, denn die größeren Pupillen sollten die Augen insgesamt größer erscheinen lassen und die Frauen somit attraktiver.
Von solchen Praktiken ist allerdings dringendst abzuraten. Die Giftigkeit der Pflanzen und ihrer Beeren schwankt stark und es kann leicht zu starken Vergiftungserscheinungen kommen.

 

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Pflanze des Monats September 2021: die Tollkirsche (Atropa belladonna), W. Teschner
Pflanze des Monats September 2021: die Tollkirsche (Atropa belladonna), Foto: W.Teschner

Eine der giftigsten Pflanze Deutschlands

In der Tat zählt die Tollkirsche zu den giftigsten Pflanzen Deutschlands überhaupt, denn Vergiftungen sind gar nicht so selten. Normalerweise schmecken giftige Pflanzen ekelig, denn sie wollen ja nicht gefressen werden. Etwas an einer Pflanze geknabbert und schon spuckt man das Kaugut wieder aus. Nicht so bei der Tollkirsche: ihre Früchte schmecken angenehm süßlich, also schluckt man das gekaute und fr(isst) weiter. Doch dann kommt meist jede Hilfe zu spät. Gerade Kinder sind besonders gefährdet und sollten dementsprechend früh aufgeklärt werden. Vögeln macht das Gift nichts aus und sind die legitimen Ausbreiter.

 

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Die braunen glockenförmigen Blüten der Tollkirsche (Atropa belladonna)
Blüten der Tollkirsche (Atropa belladonna), Foto: W.Teschner

Die Blüten

Die Tollkirsche produziert glockenförmige Blüten in der Farbe braun – nur ganze wenige Pflanzen in Deutschland tun dies. Bestäubt wird sie von Bienen und Hummeln. Im Botanischen Garten steht sie in der Systematischen Abteilung mit den ihr verwandten Solanaceae im Zentrum des Systems nahe der Kornelkirsche. Die Tollkirsche wächst besonders gerne auf kalkhaltigen Böden und ist dieses Jahr das erste mal richtig prächtig gewachsen.

Der Amerikanische Baumwürger (Celastrus scandens)

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zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Der Amerikanische Baumwürger (Celastrus scandens) im Botanischen Garten Leipzig, Foto: Wolfgang Teschner
Der Amerikanische Baumwürger (Celastrus scandens) im Botanischen Garten Leipzig, Foto: Wolfgang Teschner

Der Amerikanische Baumwürger (Celastrus scandens) windet sich mit seinen Sprossen im Uhrzeigersinn um geeignete Stämme, Zweige und Äste. Seinen martialischen Namen – er wird manchmal auch als Baummörder bezeichnet – rührt daher, dass das Umschlungene an den berührten Stellen manchmal etwas langsamer wächst als an den nicht umschlungenen Stellen. Diese Stellen sehen dann wie eingeschnürt aus.

 

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Wundervolle Herbstfärbung des Amerikanischen Baumwürgers (Celastrus scandens)
Wundervolle Herbstfärbung des Amerikanischen Baumwürgers (Celastrus scandens), Foto: Wolfgang Teschner

Tatsächlich wächst der „Baumwürger“ aber stetig mit seinem Substrat mit und beschädigt es nicht. Es wäre auch völlig unlogisch, wenn der Baumwürger sein Substrat beschädigen oder sogar zum Absterben bringen würde: Er würde damit seine eigene Lebensgrundlage zerstören!

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Kleine Blüten des Amerikanischen Baumwürgers (Celastrus scandens), Foto: Wolfgang Teschner
Blüten des Amerikanischen Baumwürgers (Celastrus scandens), Foto: Wolfgang Teschner

Celastrus scandens ist bei uns voll winterhart und eignet sich sehr gut zur Begrünung von Fassaden, Gerüsten, Pergolen o.ä. Seine Blüten sind eher klein und wenig attraktiv, seine volle Pracht entfaltet die Liane erst im Herbst durch seine leuchtend gelbe Färbung. Und auch die Vögel kommen nicht zu kurz: In charakteristischem gelb-rot Kontrast platzen die fleischigen Kapseln im Herbst auf und werden gerne von Vögeln gefressen.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Rote Früchte des Amerikanischen Baumwürgers (Celastrus scandens)
Früchte des Amerikanischen Baumwürgers (Celastrus scandens), Foto: Wolfgang Teschner

2020

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Eine Gruppe violetter Alpenveilchen
Alpenveilchen (Cyclamen coum var. coum); Foto: Wolfgang Teschner

Alpenveilchen (Cyclamen spp.)

In der Pflanzenwelt unserer Heimat gibt es eine Menge Frühjahrsboten. Die bekanntesten dürften das Schneeglöckchen, der Märzenbecher oder die Krokusse sein.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Viele violette Alpenveilchen, gruppiert um den Stamm der Kornelle
Alpenveilchen (Cyclamen coum var. coum); Foto: Wolfgang Teschner

Nicht weniger spannend und mit besonders knackigen Farben gibt es jedoch noch einen weiteren: das Alpenveilchen. Die leuchtend magenta-farbigen Blüten ziehen jeden Besucher in seinen Bann. Kaum jemand geht im Februar und März an ihnen einfach so vorbei. Allerdings ist Alpenveilchen nicht gleich Alpenveilchen. Wir kultivieren 2 ähnliche Arten, die sich aber in zwei Dingen deutlich unterscheiden: Im Frühjahr blüht Cyclamen coum, und zwar zusammen mit Laub. Im Herbst hingegen blüht Cyclamen hederifolium – nachdem sein Laub am Ende des Hochsommers bereits verschwunden ist.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Eine Gruppe zartrosa Alpenveilchen am Stamm der Schwarznuss
Alpenveilchen (Cyclamen hederifolium); Foto: Wolfgang Teschner

Die Blütezeit der Alpenveilchen liegt genau dann, wenn sonst wenig blüht. Auch Bestäuber sind dann eher selten – gerade auch an ihren natürlichen, felsigen Standorten in den Alpen. Umso mehr bemühen sich die Alpenveilchen um ihre Nachkommen: Nach erfolgreicher Bestäubung und Befruchtung wachsen die Blütenstiele mit der Frucht aktiv in den Boden ein, sie pflanzen sich quasi selbst und sind so hervorragend vor Wind und Wetter geschützt.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Alpenveilchen sprießen gerade frisch aus der Erde
Alpenveilchen (Cyclamen hederifolium); Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Eine Gruppe weißer Buschwindröschen
Buschwindröschen (Anemone sylvestris); Foto: Wolfgang Teschner

Buschwindröschen (Anemone nemorosa)

Von etwa Mitte März bis April blüht in ausgedehnten Beständen des Leipziger Auwaldes das Buschwindröschen (Anemone nemorosa).  Weit weniger bekannt und sehr viel seltener ist das Wald- oder Große Windröschen (Anemone sylvestris). Es blüht etwas später, oft sogar bis in den Mai hinein, wird um einiges höher und wächst nicht in so dichten Beständen. Das Große Windröschen ist auch insgesamt stark behaart und seine Blüten werden doppelt so groß wie die des Buschwindröschens, sind aber genauso weiss. Auch in den Früchten gibt es deutliche Unterschiede. Beide Arten produzieren zwar kleine Nüsschen, während die des Buschwindröschens aber nur kleine hakige Griffelreste zum Festhalten im Fell von Tieren ausbilden,  so produziert das Große zudem wollige Haare. So können die Früchte auch durch Wind verdriftet werden. Im Zustand der Fruchtreife sieht man auch deutlich die nahe Verwandtschaft zu den Kuhschellen (Pulsatilla). Von manchen Wissenschaftlern werden die Kuhschellen sogar mit den Anemonen in einer Gattung vereinigt.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Eine Gruppe weißer Buschwindröschen
Buschwindröschen (Anemone sylvestris); Foto: Wolfgang Teschner

Das Wald- oder Große Windröschen wächst bevorzugt auf kalkreichen Böden und meidet – anders als es der Name „Wald“ suggeriert – sogar eher die tiefschattigen Standorte des Waldes.  Am ehesten ist es auf ungedüngtem, trockenen Magerrasen zu finden. Im Norden Deutschland und insbesondere im Tiefland fehlt es ganz und ist in ganz Europa mittlerweile gefährdet.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Eine Großaufnahme einer einzelenen weißen Blüte des Buschwindröchens
Buschwindröschen (Anemone sylvestris); Foto: Wolfgang Teschner

Im Botanischen Garten Leipzig finden sie einen kleineren Bestand im Mitteleuropäischen Revier gegenüber des Moores bzw. des Teiches zwischen Weg und Mauer. Hier finden sich auch weitere Arten, die mit dem Großen Windröschen oft zusammenwachsen, wie der Diptam, die Weinraute oder der Blutrote Storchschnabel.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Pflanze mit lila-farbener Blüte
Die Rocky Mountain Ackelei (Aquilegia saximontana), Foto: Wolfgang Teschner

Die Niedrige Akelei (Aquilegia saximontana)

Die Heimat der Niedrigen Akelei (Aquilegia saximontana) liegt in den Rocky Mountains Nordamerika über der Baumgrenze, oberhalb von ca. 3000m üNN. Sie gehört mit etwa 70 weiteren Arten in die Gattung Akelei, die in Nordamerika, Europa und Asien vorwiegend in den Gebirgen vorkommt. In unseren Wäldern ist ab und zu eine ebenfalls blaublütige Art, Aquilegia vulgaris, zu finden, die allerdings bis zu 1,5m hoch wird. Die Niedrige Akelei hingegen bleibt recht klein und bewohnt typischerweise Felsschutthänge. Dort schmiegt sie sich in den Windschatten der Felsen und wartet zur Blütezeit ab Juni (im Botanischen Garten Leipzig ab Mai) auf langrüsselige Bestäuber wie Hummeln, die sich an ihrem reichlich vorhandenen Nektar laben. Der sammelt sich in Aussackungen besonders groß ausgebildeter und ebenfalls blau gefärbter Honigblätter, die oft auch als Sporn bezeichnet werden. Die sind in der seitlichen Ansicht besonders gut zu sehen.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Die blau-violetten Blüten der Rocky Mountain Ackelei
Die blau-violetten Blüten der Rocky Mountain Ackelei (Aquilegia saximontana), Foto: Wolfgang Teschner

Die Niedrige Akelei ist sehr nah mit der Rocky-Mountain Akelei verwandt, mit der sie gemeinsam vorkommt. Beide lassen sich gut durch die Sporenlänge unterscheiden: bei der niedrigen Akelei sind diese ungefähr einen Zentimeter lang, während der der Rocky-Mountain Akelei ungefähr 3 bis viermal so lang werden kann.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Großaufnahme einer Blüte der Rocky Mountain Ackelei
Die Blüte der Rocky Mountain Ackelei (Aquilegia saximontana), Foto: Wolfgang Teschner

Unser Exemplar hat sein Quartier ebenfalls in den Rocky Mountains, einem erst kürzlich hinzugekommenen neuen Beetbereich im Alpinum nahe des Mitteleuropäischen Teiches.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Gesamtaufnahme des Steinbeetes nahe des Inspektorenhauses
Steinbeet nahe des Inspektorenhauses; Foto: Wolfgang Teschner

Steinbrechgewächse (Saxifragaceae) und Dickblattgewächse (Crassulaceae)

Nach neueren Erkenntnissen sind Steinbrechgewächse (Saxifragaceae) und Dickblattgewächse (Crassulaceae) näher miteinander verwandt als bisher geglaubt. Dem Rechnung tragend haben wir in der Systematischen Abteilung ein neues Beet für diese Familien nahe des Inspektorenhauses angelegt.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Prometheum pilosum mit kräftig pinken Blüten
Prometheum pilosum, Foto: Wolfgang Teschner

In beiden Familien sind viele Felsspaltenbewohner zu finden. Bei den Steinbrechgewächsen kommen die allermeisten Arten in Höhen über der Baumgrenze vor, also z.B. in den Alpen. Zu den Crassulaceen gehören viele dickfleischige Arten die mit hohen Temperaturen und wenig Wasser noch gut zurecht kommen. Dementsprechend sind besonders viele Arten in den Halbwüsten Südafrikas zu finden, aber die Hauswurzen (Sempervivum) und die Mauerpfeffer (Sedum) wachsen auch bei uns – z.B. in Mauerritzen oder auf besonders steinigem Untergrund.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Großaufnahme eines sedum palmeri mit gelben Blüten
Sedum palmeri, Foto: Wolfgang Teschner

Vertreter beiden Familien eignen sich vorzüglich für Steingärten, aber auch für die extensive Begrünung von Flachdächern. Die Vertreter beider Familien werden vorwiegend von Bienen bestäubt und bieten diesen auch reichlich Nektar.

Anders als es der Namen vielleicht suggeriert, brechen die Steinbreche nicht den Stein. Sie siedeln vielmehr in bereits vorhandenen Ritzen im Fels. Im Gegenteil: Ihr Wurzelsystem vermag lockeren Schotter zu stabilisieren.

Die abgebildeten Pflanzen sind aus der Familie der Dickblattgewächse, die Steinbreche wachsen sehr langsam - wir erwarten die ersten Blüten frühestens nächstes Jahr.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Umbilicus rupestris mit Blütenknospen
Umbilicus rupestris; Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Leuchtend pinke Nelken im Topf
Nelke (Dianthus caryophyllus); Foto: Wolfgang Teschner

Die Nelken (Dianthus spp.)

Die Nelken (Gattung Dianthus) gehören in den Garten jedes Schmetterlingsfreundes. Die Blüten bilden eine sogenannte Stieltellerblume, bei der dem Tagschmetterling eine große Landeplattform angeboten wird. Der Nektar ist unter einem winzigen Zugang versteckt, aber gut für den dünnen Rüssel eines Schmetterlings erreichbar. Konkurrenten wie Fliegen oder Hummeln können den Netar nicht erreichen. Zudem ist die Farbe rot für Tagschmetterlinge besonders attraktiv.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: einzelne Blüten einer leuchten pinken Nelkenart
Nelke (Dianthus seguieri); Foto: Wolfgang Teschner

Aber Vorsicht: Die „Standardnelke“, die oft auch als Schnittblume verkauft wird, ist für den heimischen Garten nicht geeignet: Die Staubgefäße sind zu weiteren Blütenblättern umgezüchtet, Nektar fehlt – Qualzüchtungen gibt es also nicht nur bei Hund und Katze!

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: einzelne Blüte einer leuchtend pinken Nelkenart im Profil
Nelke (Dianthus seguieri); Foto: Wolfgang Teschner

Abgebildet ist die heimische Dianthus seguieri, die im System des Botanischen Gartrens zu finden ist.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Große Gruppe des Großen Flohkrauts mit gelben Blüten
Großes Flohkraut (Pulicaria dysenterica); Foto: Wolfgang Teschner

Große Flohkraut (Pulicaria dysenterica)

Erst im Hochsommer offenbart sich die große Vielfalt der Asterngewächse bzw. Korbblütler in unserer Flora. Viele andere Wiesenpflanzen tragen schon längst Früchte oder sind oberirdisch kaum mehr erkennbar. In der systematischen Abteilung des Botanischen Gartens wird dies auch sehr deutlich. Das Große Flohkraut (Pulicaria dysenterica) mag es allerdings viel feuchter als es unser System bieten kann. Es wächst entlang des Mitteleuropäischen Teiches und in den benachbarten Waldabschnitten.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Zwei gelbe Blüten des Großen Flohkrauts im Profil
Großes Flohkraut (Pulicaria dysenterica); Foto: Wolfgang Teschner

Grob werden die Asterngewächse in zwei Gruppen eingeteilt: diejenigen mit Milchssaft und entweder nur Röhren- oder nur Zungenblüten (Unterfamilie Lactucoideae) oder diejenigen mit sowohl Röhren- als auch Zungenblüten (Unterfamilie Asteroideae). Letztere haben nie Milchsaft, dafür aber eine Vielzahl an ätherischen Ölen. Am bekanntesten dürfte hier die Arnika sein. Auch das Flohkraut gehört in diese Gruppe – das manchmal sogar mit der Arnika verwechselt wird, aber viel kleinere Blütenköpfchen besitzt.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Einzelne gelbe Blüte des Großen Flohkrauts, darauf sitzt ein Insekt
Großes Flohkraut (Pulicaria dysenterica); Foto: Wolfgang Teschner

Die Inhaltsstoffe des Flohkrautes scheinen eine gewisse Wirkung gegen die Amöbenruhr zu haben, woher auch ihr weiterer Name „Ruhrkraut“ abzuleiten ist.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Aufrecht stehende Blütenrispe einer Dichorisandra reginae. Die Blüten sind violett bis lilafarben.
Blüte der Dichorisandra reginae, Foto: Wolfgang Teschner

"Blauer Ingwer" (Dichorisandra thyrsiflora)

"Blauer Ingwer" (Dichorisandra thyrsiflora) nennt man im Deutschen eine Pflanze, die allerdings mit Ingwer nichts zu tun hat, denn sie gehört zur Familie der Tagblumengewächse (Commelinaceae). Sie ist damit eher verwandt mit den Dreimasterblumen, den Tradeskantien, die viele Gartenliebhaber in ihren Staudenbeeten kultivieren oder als Ampelpflanze in Wohnzimmer und Wintergarten pflegen.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: In der Mitte von fünf sternförmig angeordnete Blättern, ist die Blütenknospe zu finden.
Blüte der Dichorisandra reginae, Foto: Wolfgang Teschner

Die Gattung Dichorisandra ist mit ihren etwa 38 Arten vom südlichen Nordamerika über das gesamte tropische Südamerika verbreitet. 

Dichorisandra thyrsiflora, der »Blaue Ingwer«, der seine ursprüngliche Heimat in Brasilien hat, besticht durch seine langen, dem Ingwer ähnlichen Blätter, vor allem aber mit seinem attraktiven Blütenstand mit vielen blauvioletten Blüten, die über einen langen Zeitraum von unten nach oben aufblühen. Als Kübelpflanze ist sie für den Wintergarten geeignet. Sie liebt es hell ohne direkte Sonneneinstrahlung in einem feuchtwarmen Klima.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Detail einer Blüte der Dichorisandra reginae, Foto: Wolfgang Teschner
Detail einer Blüte der Dichorisandra reginae, Foto: Wolfgang Teschner

In unserem Gewächshaus »Regenwälder der Neuen Welt« haben wir zwei eng verwandte Arten des »Blauen Ingwers«, die jetzt im September, wenn auf der Südhalbkugel der Frühling beginnt, in Blüte stehen: Dichorisandra reginae und Dichorisandra mosaica.

Dichorisandra reginae, Ursprungsheimat ist Peru, hat einen etwas gedrungeneren, aber nicht minder attraktiven Blütenstand, wie auf den Fotos zu sehen ist. Auch sie ist für die Zimmerhaltung gut geeignet. Steht sie allerdings zu dunkel, dann verlieren die Blätter ihre schöne Färbung.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Blüte der Dichorisandra mosaica
Blüte der Dichorisandra mosaica, Foto: Wolfgang Teschner

Auch Dichorisandra mosaica ist sowohl in Brasilien als auch in Peru zu Hause und steht bei uns normalerweise in den Sondersammlungen, ist aber jetzt zur Blütezeit im Schaugewächshaus der Neotropis zu bewundern.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Blätter der Dichorisandra mosaica
Blätter der Dichorisandra mosaica; Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Gruppe der Fackellilien mit aufrecht stehenden rot-gelben Blüten
Fackellilien (Kniphofia caulescens); Foto: Wolfgang Teschner

Fackellilien (Kniphofia spp.)

Die spektakulären Blütenstände der Fackellilien (Kniphofia spp.) leuchten schon von weitem in ihrer Heimat, dem Fynbos Südafrikas. Sie locken damit Nektarvögel an, die sich prima an den robusten Stielen festhalten können, um dann mit ihren langen Schnäbeln den reichlich vorhandenen Nektar aus den Blüten zu schlürfen.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Drei aufrecht stehende, rot-gelbe Blüten der Fackellilien
Fackellilien (Kniphofia caulescens); Foto: Wolfgang Teschner

Fackellilien sind bei uns einigermaßen winterhart, mögen es aber am liebsten warm und sonnig. Und sie blühen jetzt – zu Beginn des Herbstes. Auch in Südafrika blühen sie gerade jetzt – von Oktober bis Dezember.  Allerdings fängt in Südafrika gerade der Frühling an! Wie können die Pflanzen nur wissen, dass sie in ihrer Heimat jetzt blühen müßten – wo sie doch in Deutschland stehen? Einer der unzähligen Mysterien in der Biologie. Es mag aber einfach damit zusammenhängen, dass sie zum Beginn der Regenzeit blühen – und die setzt in Deutschland nach einer ausführlichen Trockenzeit gerade ein.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Aufrecht stehende, rot-gelbe Blüte der Fackellilie
Blüte der Fackellilien (Kniphofia uvaria oder caulescens); Foto: Wolfgang Teschner

Im Botanischen Garten Leipzig können die Fackellilien in der Systematischen Abteilung der Einkeimblättrigen südlich des Inspektorenhauses bewundert werden.

2019

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Drei weiße Blüten des Chinesischen Limonenbaumes
Cinesischer Limonenbaum (Schisandra chinensis); Foto: Wolfgang Teschner

In den ursprünglichen bedecktsamigen Samenpflanzen finden sich ungewöhnlich viele aromatisch duftende und schmeckende Vertreter, wie zum Beispiel die Muskatnuß, der Lorbeer oder Ylang-Ylang – Hauptbestandteil der Parfüms Chanel No. 5. Etwas weniger bekannt sein dürfte Wu Wei Zi aus China sein, ein bei uns winterharter, kleiner Kletterer, der mittlerweile auch einen deutschen Namen bekommen hat – zum Beispiel bezugnehmend auf seinen Duft „Chinesischer Limonenbaum“. Limonenliane wäre allerdings passender, denn die Pflanze benötigt Rankhilfen zum Klettern, ähnlich der ebenfalls auch China stammenden Kiwifrucht.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Zwei sich gerade öffnende Blüten des Chinesischen Limonenbaumes
Cinesischer Limonenbaum (Schisandra chinensis); Foto: Wolfgang Teschner

In China werden die Früchte wie auch andere Teile der Pflanze schon seit Jahrhunderten in der Pharmazie genutzt. Ihr werden alle möglichen Heilwirkungen nachgesagt, von Schlaflosigkeit bis zu Hepatitis, Diabetes und vorzeitigem Samenerguß. Während die physiologische Wirkung noch längst nicht aufgeklärt ist, können aus den Beeren der Pflanze – Reife im Spätsommer – für unseren Gaumen ungewöhnliche schmeckende Marmeladen hergestellt werden. Das Bouquet einer solchen umfaßt nahezu alles, von salzig und süß bis scharf und bitter, und ist kaum mit anderen Marmeladen vergleichbar.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Unreife Früchte des Chinesischen Limonenbaums
Cinesischer Limonenbaum (Schisandra chinensis); Foto: Wolfgang Teschner

Wer den „Limonenbaum“ in seinem Garten ranken lassen möchte, um auch die Früchte zu ernten, sollte daran denken, sowohl männliche als auch weibliche Exemplare zu pflanzen, sonst gibt es keine Früchte. Die abgebildeten Blüten sind männlich, gut daran zu erkennen, dass es nur Staubbeutel, aber keinen Fruchtknoten in der Blüte gibt. Im Botanischen Garten Leipzig sind die Pflanzen unweit der Linnéstatue im System gepflanzt.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Eine Gruppe weiß blühender Immergrüner Schleidenblumen am Boden
Immergrüne Schleifenblume (Iberis sempervirens); Foto: Wolfgang Teschner

Die Immergrüne Schleifenblume (Iberis sempervirens) verholzt an der Basis leicht und behält ihre Blätter den Winter über (=immergrün). Diese und ihre Blühfreude im Frühling machen sie zu einer beliebten und recht dekorativen Gartenpflanze. Sie kommt in den südlichen, mediterranen Ländern vor, ist aber dennoch frostunempfindlich. Einige Exemplare sind in unserem Garten sowohl in der Systematischen Abteilung als auch im Alpinum zu finden. Durch ihre ausdauernde Wuchsweise werden die einzelnen Triebe im Laufe der Jahre immer länger. Da diese zumeist herabliegen eignen sich die Pflanzen gut zum Begrünen von Mauern.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Weiße Blüten der Immergrünen Schleifenblume
Immergrüne Schleifenblume (Iberis sempervirens); Foto: Wolfgang Teschner

Die Schleifenblume gehört in die Familie der Kohlgewächse (Brassicaceae), die in der Regel ziemlich kleine Blüten haben. Die Schleifenblume hat jedoch recht große Blüten, so dass ein typisches Merkmal der Familie an ihr besonders gut zu erkennen ist: Sie hat zwar 4 Kelch- und 4 Blütenblätter, aber 6 Staubblätter! Normalerweise haben Blüten genauso viele Blüten wie Staubblätter, ein vielfaches davon oder sehr viel mehr. Tatsächlich haben die Kohlgewächse eigentlich 8 Staubblätter, was dann wieder in dieses Schema passte, jedoch sind 2 des äußeren Kreises im Laufe der Evolution zu Nektardrüsen umgewandelt. Deshalb sind nur 6 sichtbar. Schaut man tiefer in die Blüte hinein, so wird man die 2 Nektardrüsen gerade so mit bloßem Auge erkennen.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Nahaufnahme in die Blüte der Immergrünen Schleifenblume, in der Mitte sind die gelben Staubblätter gut zu erkennen
Immergrüne Schleifenblume (Iberis sempervirens); Foto: Wolfgang Teschner

Die Früchte der Brassicaceae sind trockene Öffnungsfrüchte bestehend aus 2 Fruchtblättern und einer falschen Scheidewand. Ist eine solche Frucht weniger als dreimal so lang wie breit, dann spricht man von einem Schötchen, wie bei der Schleifenblume. Ist sie mehr als dreimal so lang wie breit, so handelt es sich um eine Schote. Übrigens: die Paprikafrucht ist eine Beere (denn sie ist eine fleischige Schließfrucht und gehört zudem zum Obst, nicht zum Gemüse), die Vanillefrucht ist eine Kapsel (denn sie hat 3 Fruchtblätter).

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Blätter der Immergrünen Schleifenblume
Immergrüne Schleifenblume (Iberis sempervirens); Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Eine ganze Gruppe der violett blühenden Rehmannia im Beet.
Rehmannia elata; Foto: Wolfgang Teschner

Rehmannias Verwandtschaft ist recht klein. Die Gattung besteht aus nur 6 Arten und kommt in der Natur ausschließlich in China vor. Obwohl die Gattung außerordentlich farbenprächtige und große Blüten bildet ist selbst ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Pflanzenfamilie nicht ganz gesichert. Mit der Auflösung der Braunwurzgewächse oder Rachenblütler (Scrophulariaceae) in mehrere weitere Familien blieb Rehmannia noch bis zum Schluß übrig und wurde mal zu den Usambaraveilchengewächsen (Gesneriaceae) gestellt, mal zu den Sommerwurzgewächsen (Orobanchaceae). In letzteres wäre Rehmannia allerdings dann ein nicht-parasitischer Vertreter in einer ansonsten rein (hemi-) parasitischen Familie. Da sie aber auch nicht das familientypische Merkmal der postgenital verwachsenen Antheren der Gesneriaceae zeigt, und zudem gefiederte Blätter hat, ist es unserer Meinung nach gerechtfertigt, Rehmannia in eine eigene Familie, die Rehmanniaceae, zu stellen.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Eine einzlene, violette Blüte der Rehmannia
Rehmannia elata; Foto: Wolfgang Teschner

Die großen kräftig pink oder violett gefärbten Blüten sind hummelbestäubt und reflektieren bzw. absorbieren sicher im Ultravioletten. Die an sich mehrjährigen Stauden sind bei uns nicht winterhart und werden jedes Jahr aufs Neue aus Samen gezogen. Im Botanischen Garten stehen sie im System innerhalb der Ordnung der Plantaginales, grob ca. 30m nordöstlich des Blauglockenbaumes.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Eine einzelne Rehmannia mit drei violetten Blüten
Rehmannia piasezkii; Foto: Wolfgang Teschner
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Große Kapuzinerkresse im Beet mit vielen orangefarbenen Blüten
Große Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus); Foto: Wolfgang Teschner

Die Große Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) ist eine von vielen Vertretern der Kapuzinerkressengewächsen, die ursprünglich hauptsächlich in den Anden Mittel- und Südamerikas verbreitet war. Ihre großen, auffälligen Blüten haben aber v.a. die große Kapuzinerkresse schon sehr bald nach Entdeckung Amerikas zu einer weltweit beliebten Zierpflanze gemacht. Sie wird von Hummeln und Bienen bestäubt, auch in unserer Heimat, obwohl unsere Hummeln die Pflanze ja eigentlich gar nicht kennen können. Der große Nektarsporn ist jedenfalls immer reichlich gefüllt. Dieser zusammen mit der ganzen Blüte stand auch Pate für den Namen der Pflanze, denn sie erinnern an die Kapuzen von Mönchskutten.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Detailaufnahme von Blättern und einer orangefarbenen Blüte der Großen Kapuzinerkresse
Große Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus); Foto: Wolfgang Teschner

Die Kapuzinerkresse ist aber nicht nur schön anzuschauen, sondern kann auch gegessen werden. Die Blätter und Blüten enthalten eine Menge Senfölglycoside, die ihr ein scharfes, senfähnliches Aroma verleihen. Allerdings sind in den Blättern auch einige Bitterstoffe enthalten, weswegen man in Salaten vorwiegend die Blüten verwendet. Dieses Aroma zeichnet aller Vertreter der Kohlartigen aus, zu denen neben Kohl auch die Kapern oder die Papaya gehören. Im Botanischen Garten steht sie dementsprechend auch im System der Karpernartigen, nicht unweit des Einganges zu den Gewächshäusern.

Die Pflanze ist nicht winterhart und wird bei uns jedes Jahr aufs neue ausgesät, in Ecuador oder Peru kann die Pflanze auch mehrjährig gehalten werden. Kapuzinerkresse kann gut klettern und eignet sich besonders zur sommerlichen Verschönerung von Balkonen und ihrer Geländer.
Die Kapuzinerkresse zeigt übrigens auch den von der Lotosblume bekannten Lotoseffekt: Die Blätter sind mit Wasser praktisch nicht benetzbar, es zieht sich sofort zu Kugeln zusammen und perlt ab!

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Drei blaue, kugelförmige Blüten der Kugeldistel
Kugeldistel (Echinops humilis); Foto: Wolfgang Teschner

Innerhalb der an sich recht einheitlich blühenden Korbblütler (Asteraceae) bilden die Kugeldisteln (Echinops) eine Ausnahme: statt einen verbreiterten Blütenstandsboden auszubilden, auf dem eng an eng viele kleine Blüten wie in einem Körbchen sitzen, produzieren die Kugeldisteln nur eine einzige Blüte pro Körbchen. Diese einfachen Körbchen sind aber wiederum rings um eine kleine Kugel angeordnet, so dass der Blütenstand an sich ebenfalls kugelig wirkt – und Ähnlichkeiten mit Igeln (Erinaceus) erkennen läßt.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Blau blühende Kugeldisteln in der Steppe
Kugeldistel (Echinops humilis); Foto: Wolfgang Teschner

Es gibt etliche Arten an Kugeldisteln, die meisten kommen im mediterranen Klima und Zentralsien vor. Bei uns besonders häufig sind die ruthenische Kugeldistel aus Südosteuropa (Echinops ritro) und die niedrige Kugeldistel (Echinops humilis) aus Zentralasien. Beide wurden schon vor langer Zeit ihres Zierwertes wegen in Mitteleuropa eingeführt. Die großen stahlblauen Blumenköpfe ziehen Hummeln und Bienen magisch an, gerade auch am Ende des Hochsommers, wenn die Hochzeit der Blüten bereits überschritten ist.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Blaue, kugelförmige Blüte der Kugeldistel in Nahaufnahme
Kugeldistel (Echinops humilis); Foto: Wolfgang Teschner

Als ausdauernde und nur ganz langsam sich ausbreitende Staude sind sie ein ungewöhnlicher Schmuck in jedem Garten, im BGL zu finden im Systematischen Beet der Korbblütler, aber auch in der Asiatischen Steppenanlage. Ihre weißfilzige Blattunterseite macht sie auch im nicht-blühenden Zustand zu einem Hingucker.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Eine Einzelne Blaue Seidenblume mit blauen Blüten
Blaue Seidenblume (Tweedia caerulea); Foto: Wolfgang Teschner

Nahezu alle Vertreter der Unterfamilie der Schwalbenwurzgewächse (Asclepioideae) innerhalb der Familie Hundsgiftgewächse (Apocynaceae) besitzen Milchsaft. Eine kleine Verletzung der Pflanzen reicht aus und schon schießt der Milchsaft aus der Wunde. Es dickt mit der Zeit ein und verschließt die Wunde auf die gleiche Weise wie bei uns Säugetieren rotes Blut. Auf Kleidung ist dieser Milchsaft kaum wieder herauszuwaschen, also Vorsicht bei der Gartenarbeit.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Weißer Milchsaft tritt an einer Rissstelle am Blatt der Blauen Seidenblume aus
Milchsaft der Blauen Seidenblume (Tweedia caerulea); Foto: Wolfgang Teschner

Viele Vertreter der Familie haben ausgesprochen hübsche Blüten, werden gerne kultiviert und bieten den Insekten reichlich Nektar. Am bekanntesten dürfte der aus dem Mittelmeer stammende Oleander sein. Oxypetalum caeruleum (ehemals Tweedia caerulea) aus dem Süden Amerikas besitzt ungewöhnlich blau gefärbte Blüten mit einem Stich ins türkis. Sie erinnert damit auch an das bei uns heimische Kleine Immergrün (Vinca minor) aus derselben Familie. Das hat zwar tiefblaue Blüten, aber ebenso Milchsaft und ist wie eigentlich alle Hundsgiftgewächse giftig.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Fünf einzelne blaue Blüten der Blauen Seidenblume
Blaue Seidenblume (Tweedia caerulea); Foto: Wolfgang Teschner

Oxypetalum caeruleum steht im Botanischen Garten Leipzig im System zwischen der Rhododendronsammlung und den Tabakgewächsen.

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