LIFENET ist ein Projekt der Psychotherapeutischen Hochschulambulanz für Kinder und Jugendliche der Universität Leipzig, dessen Schwerpunkt auf der Förderung, Erhaltung und Wiederherstellung der psychischen Gesundheit von Nachwuchs-Leistungssportlerinnen und -Leistungssportlern liegt.

Dabei ist der Name gleichzeitig Programm: Mit LIFENET, was im Englischen so viel wie „Sprungtuch“ bedeutet, sollen psychisch belastete Nachwuchsathletinnen und -athleten rechtzeitig aufgefangen und unterstützt werden, sodass psychische Beanspruchungen verringert werden können und Leistungssport weiterhin auf höchstem Niveau betrieben werden kann. Das multimodale Angebot soll von niederschwelligen Beratungen über Psychodiagnostik und präventiven Gruppenprogrammen bis hin zu tiefergehenden Einzelbehandlungen reichen. Unsere Zielgruppe umfasst sowohl aktive Athlet:innen eines Leistungskaders als auch Sportler:innen, die aus ihrem Leistungskader ausgesondert wurden. Zudem wollen wir auch Angebote für Sporteltern und Trainer:innen verfügbar machen.

Wir stehen aktuell noch ganz am Anfang. Für das Jahr 2022 sind erste Datenerhebungen geplant, um eine wissenschaftliche Fundierung des Projekts zu gewährleisten und die Angebote bestmöglich an die Bedürfnisse der jungen Sportler:innen anzupassen.

Bereits jetzt können wir individuelle Beratungen im Rahmen unserer Spezialsprechstunde für derzeit aktive sowie ehemalige Leistungssportler:innen anbieten. Sobald weitere LIFENET-Angebote verfügbar gemacht werden können, finden Sie hier alle nötigen Informationen.

Unabhängig von unserem Forschungsprojekt können sich psychisch belastete Leistungssportler:innen bereits jetzt in der Psychotherapeutischen Hochschulambulanz für Kinder und Jugendliche für eine ambulante Therapie melden.

Ausgangspunkt: Lange Zeit galt vielerorts die Annahme, Leistungssportler:innen seien mental und körperlich so stark, dass sie unmöglich an psychischen Erkrankungen leiden können. Auch in Deutschland wird den psychischen Belastungen und Beanspruchungsreaktionen von Leistungssportler:innen erst seit gut zehn Jahren zunehmend Beachtung in der wissenschaftlichen Forschung geschenkt. Die aktuelle Datenlage lässt darauf schließen, dass psychische Störungen im Leistungssport keineswegs seltener vorkommen als in der Allgemeinbevölkerung. Einige Störungsbilder scheinen im Leistungssport sogar eine deutlich erhöhte Prävalenz aufzuweisen. Dennoch existieren bislang kaum spezifische Angebote im Bereich der Prävention und der klinischen Psychologie und Psychotherapie, die sich an psychisch belastete Leistungssportler:innen richten. Das betrifft insbesondere den Nachwuchsbereich. Obwohl verschiedene Studien belegen, dass sich bei einem frühen Krankheitsbeginn häufiger eine erhöhte Wiedererkrankungsrate sowie ein schwererer Verlauf der psychischen Störung zeigen können, mangelt es sowohl an empirischer Evidenz als auch an entsprechenden Versorgungsmöglichkeiten und Anlaufstellen.

Unser Ziel: Wir wollen psychisch belasteten Leistungssportler:innen die Möglichkeit bieten, sich psychologisch beraten und bei Bedarf psychotherapeutisch behandeln zu lassen. Dazu gehört, über die Thematik der psychischen Gesundheit im Leistungssport zu informieren und einen Beitrag zu dessen Enttabuisierung zu leisten. Während die sehr starken körperlichen Belastungen im Leistungssport wie selbstverständlich berücksichtigt und behandelt werden, ist das Bewusstsein für die mit dem Leistungssport einhergehenden seelischen Belastungen längst nicht ausreichend vorhanden. Psychische Beschwerden werden oftmals so lange verdrängt und verheimlicht, bis ein massiver Schaden eingetreten ist. Dieser Entwicklung wollen wir entgegenwirken und sowohl präventive als auch therapeutische Maßnahmen niederschwellig verfügbar machen.

Zielgruppe: Unsere Angebote richten sich an Leistungssportler:innen im Alter von 10 bis 21 Jahren. Hierbei ist nicht entscheidend, ob ein Kaderstatus vorliegt. Auch Sportler:innen, die aus ihrem Leistungskader ausgesondert wurden, sollen bei uns Anbindung finden und professionelle Unterstützung erfahren. Darüber hinaus wollen wir auch für Eltern und Trainer:innen Informations- und Beratungsangebote bereitstellen.

Angebote für (ausgesonderte) Leistungssportler:innen: Unser Angebot soll multimodal sein und folgende Schwerpunkte umfassen:

  • Informationsveranstaltungen (z.B. in Sportvereinen und Sportschulen)
  • Erstberatungen (niederschwellige psychologische Beratungen)
  • Psychodiagnostik
  • Psychoedukation
  • Gruppenbehandlungen (z.B. präventive Gruppentrainings zur Erweiterung persönlicher Handlungskompetenzen und zur Erlernung von Self-Care-Techniken)
  • Einzelbehandlungen durch approbierte Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut:innen

Angebote für Eltern und Trainer:innen: Eltern wie auch Trainer:innen können eine bedeutende Ressource im Umgang mit Belastungen darstellen. Gleichzeitig ist nicht selten zu beobachten, dass Athlet:innen ihre Eltern oder Trainer:innen selbst als starken Belastungsfaktor wahrnehmen. Dementsprechend erscheint es uns fundamental, auch Eltern und Trainer:innen über die psychischen Beanspruchungen von Leistungssportler:innen aufzuklären. Dies könnte in Form von Informationsveranstaltungen, Workshops oder Trainings stattfinden.

Wir sind stets bemüht, uns interdisziplinär zu vernetzen, um ein noch breiteres Angebot für unsere Zielgruppe zu schaffen. So kann sich individuell für das bestmögliche Angebot bei der vorliegenden Bedürfnis- und Problemlage entschieden werden.

Bereits jetzt können wir auf die sportpsychologische Betreuung der Universität Leipzig verweisen.

Da wir als psychotherapeutische Hochschulambulanz für Kinder und Jugendliche ausschließlich Angebote für Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 0 und 21 Jahren bereitstellen können, wollen wir innerhalb unseres Netzwerks auch Anlaufstellen für erwachsene Leistungssportlerinnen und Leistungssportler schaffen.

Aktuell können wir auf den DGPPN-Experten für Sportpsychiatrie und -psychotherapie Dr. med. Daniel Fischer verweisen. Dr. Fischer ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie ärztlicher Psychotherapeut und besucht jährliche Weiterbildungen der DGPPN zum Thema Sportpsychiatrie und -psychotherapie.

Adresse: Kochstraße 117, 04277 Leipzig
Telefon: +49 341 248 02206
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Team

Prof. Dr. Julian Schmitz

Prof. Dr. Julian Schmitz

Klinische Kinder- und Jugendpsychologie
Städt. Kaufhaus
Neumarkt 9, Raum Z 018
04109 Leipzig

Telefon: +49 341 97-35951

 Johanna Kaiser

Johanna Kaiser

Wiss. Mitarbeiterin

Klinische Kinder- und Jugendpsychologie
Städt. Kaufhaus
Neumarkt 9, Raum Z 020, Aufgang E, ZG
04109 Leipzig

Telefon: +49 341 97-35997

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