Der pathogene Chytridpilz Batrachochytrium salamandrivorans (kurz Bsal) breitet sich seit einigen Jahren innerhalb Mitteleuropas aus und führte bereits bei der Amphibienart Feuersalamander (Salamandra salamandra) zu drastischen Populationsdezimierungen und lokalen Aussterbeereignissen.

Feuersalamander im Harz
Feuersalamander, Foto: Kathleen Preißler

Derzeit ist Deutschland der Hotspot des invasiven Verbreitungsgebietes von Bsal, daher werden Vorkommen des Feuersalamanders auf Infektionen mittels Hautabstrichen und nachfolgender quantitativer Echtzeit-PCR untersucht. Zum Verständnis der Pathogenität, Ökologie und Persistenz des Erregers Bsal im Freiland, werden zudem Fang-Wiederfang-Studien durchgeführt, in denen Feuersalamander durch die fotografische Erfassung der individuellen Rückenmusterung über einen längeren Zeitraum verfolgt werden.

Feuersalamander beim Swabbing der Bauchseite
Swabbing, Foto: Kathleen Preißler

Darüber hinaus fordert die schnelle Ausbreitung Bsals, sowie seine hohe Pathogenität gegenüber Feuersalamandern, ein detailliertes in situ und ex situ Artenschutzkonzept. Unter Nutzung von molekularen populationsgenetischen sowie -genomischen Konzepten, wurde mit diesem Projekt bereits eine Grundlage zur Priorisierung von evolutionär wichtigen Populationsverbünden (Conservation Units) geschaffen. Diese sollen zukünftig im Fokus von in situ und ex situ  Artenschutzprojekten stehen, um einen Großteil der genetischen Diversität des Feuersalamanders zu bewahren. Die genetische Zusammensetzung wird hierbei anhand von mitochondrialen Genen, Mikrosatelliten und ddRAD-Sequenzierung bestimmt. Diese Marker werden ebenfalls zur Untersuchung möglicher Auswirkungen der Salamanderpest auf Freilandpopulationen, wie etwa genetischer Verarmung (genetischer Flaschenhals, Gendrift, etc.) verwendet.

Infizierter Feuersalamander, BSal, Salamanderfresser
Infizierter Feuersalamander, Foto: Miquel Vences

Publikationen

  • Batrachochytrium salamandrivorans in the Ruhr District, Germany: history, distribution, decline dynamics and disease symptoms of the salamander plague
    Schulz V, Schulz A, Klamke M, Preißler K, Sabino-Pinto J, Müsken M, Schlüpmann M, Heldt L, Kamprad F, Enss J, Schweinsberg M, Virgo J, Rau H, Veith M, Lötters S, Wagner N, Steinfartz S, Vences M
    Salamandra. 2020 Aug;56(3):189-214.
    DOI: 10.3390/genes11040399
  • The amphibian pathogen Batrachochytrium salamandrivorans in the hotspot of its European invasive range: past–present–future
    Lötters S, Wagner W, Albaladejo G, Boening P, Dalbeck L, Düssel H, Feldmeier S, Guschal M, Kirst K, Ohlhoff D, Preissler K, Reinhardt T, Schlüpmann M, Schulte U, Schulz V, Steinfartz S, Twietmeyer S, Veith M, Vences M, Wegge J
    Salamandra. 2020 Aug;56:173-188.
  • First report of host co-infection of parasitic amphibian chytrid fungi
    Lötters S, Wagner N, Kerres A, Vences M, Steinfartz S, Sabino-Pinto J, Seufer L, Preissler K, Schulz V, Veith M
    Salamandra. 2018 Oct;54(4):287-290.

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