Sozialpsychologie  

 

http://www.biphaps.uni-leipzig.de/fileadmin/user_upload/ag-sozpsy/Bilder/tu%CC%88rkiser_schwungpfeil.png Forschungsschwerpunkte der AG Sozialpsychologie

http://www.biphaps.uni-leipzig.de/fileadmin/user_upload/ag-sozpsy/Bilder/tu%CC%88rkiser_schwungpfeil.png Aktuelle Forschungsprojekte

http://www.biphaps.uni-leipzig.de/fileadmin/user_upload/ag-sozpsy/Bilder/tu%CC%88rkiser_schwungpfeil.png Forschungsverbünde

http://www.biphaps.uni-leipzig.de/fileadmin/user_upload/ag-sozpsy/Bilder/tu%CC%88rkiser_schwungpfeil.png Vergangene Forschungsprojekte

http://www.biphaps.uni-leipzig.de/fileadmin/user_upload/ag-sozpsy/Bilder/tu%CC%88rkiser_schwungpfeil.png Quellen

Forschungsschwerpunkte der AG Sozialpsychologie

 

  • Gruppenprozesse
    z.B. soziale Identität, sozialer Einfluss, kollektives Handeln, Konflikte und Kooperation zwischen Gruppen, soziale Ungleichheit
  • Motivierte soziale Kognition
    z.B. psychische Grundbedürfnisse, Auswirkungen von Bedrohung
  • Sozialpsychologie von Umweltkrisen
    z.B. umweltfreundliches Handeln, Akzeptanz umweltfreundlicher Innovationen, Naturschutz

Aktuelle Forschungsprojekte



Wahrgenommene kollektive Handlungsfähigkeit als Treibmittel populistischer Bewegungen in bedrohlichen Zeiten (Projekt am Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt, FGZ, Bundesministerium für Bildung und Forschung; Fritsche & Hoppe)

http://www.biphaps.uni-leipzig.de/fileadmin/user_upload/ag-sozpsy/Bilder/tu%CC%88rkiser_schwungpfeil.png https://cas.sozphil.uni-leipzig.de/research/forschungsinstitut-gesellschaftlicher-zusammenhalt/

Was macht populistische Bewegungen am politischen Rand attraktiv? Und können demokratische Mehrheitsgruppen aus diesen Prozessen lernen? Diesen Fragen geht das Projekt aus Perspektive der sozialpsychologischen Forschung zu motivierter sozialer Kognition und Gruppenprozessen / sozialer Identität nach. Wir nehmen an, dass Menschen in Situationen wahrgenommener persönlicher Hilflosigkeit Gefühle von Kontrolle und Handlungsfähigkeit dadurch wiederherstellen können, dass sie sich mit handlungsfähigen Gruppen identifizieren und als Gruppenmitglied (nicht als Individuum) handeln. Populistisch-extremistische Gruppierungen fokussieren auf ein kollektives Wir (zum Beispiel das ethnisch definierte „Volk“) und gesellschaftliche Veränderung durch kollektives Handeln (zum Beispiel „Durchsetzung des Volkswillens gegen die Eliten“), was kollektive Handlungsfähigkeit kommuniziert. Die Mitgliedschaft in einer solchen Bewegung (oder auch nur in der adressierten Kategorie) sollte daher für Menschen insbesondere dann attraktiv werden, wenn sie selbst persönlichen Kontrollverlust (zum Beispiel in gesellschaftlichen Krisensituationen) erleben. Diese und weitere Annahmen (z.B. zur Förderung der wahrgenommenen Handlungsfähigkeit demokratischer Mehrheitsgruppen) werden in vorwiegend experimentellen Studien über einen Zeitraum von vier Jahren untersucht.

 
Kollektivgeist oder Falsches Bewusstsein unter Bedingungen ökonomischer Bedrohung? Testung eines Integrierten Stufenmodells Erweiterter und Sekundärer Kontrolle (DFG-Projekt; Fritsche & Lautenbacher)

Menschen bedürfen des Gefühls eigener Autonomie und Kontrolle über wichtige Aspekte ihres Lebens. Ökonomische Ungleichheit kann Kontrolle für jene bedrohen, die sich am unteren Ende der Skala befinden oder persönlichen Abstieg fürchten. Welche psychologischen Coping-Strategien Menschen unter ökonomischer Bedrohung daher nutzen, hat Implikationen für den Erhalt oder die Veränderung ökonomischer Hierarchien. Zwei bislang unabhängige Forschungslinien sagen sehr unterschiedliche Reaktionen auf Kontrollbedrohung  vorher. Das Modell kompensatorischer Kontrolle nimmt an, dass persönliche Hilflosigkeit die Überzeugung erschüttert, in einer geordneten und vorhersagbaren Welt zu leben, was zur Unterstützung bestehender Ordnungssysteme oder starker externer Akteure führt. Marxistische Denker haben dies „Falsches Bewusstsein“ genannt, da die Benachteiligten solche Systeme und mächtigen Fremdgruppen zu unterstützen scheinen, die ihre Benachteiligung erst hervorbringen. Das Modell gruppenbasierter Kontrolle postuliert einen gegenteiligen Mechanismus. Bei persönlichem Kontrollmangel können Menschen wahrgenommene Kontrolle demnach wiederherstellen, indem sie ihr Selbst als „Wir“ (statt „Ich“) definieren und dadurch Teil kollektiven Handelns werden. Dies sollte zu erhöhtem Handeln im Sinne der eigenen Gruppe (z.B. gegen illegitime Ungleichheit) und somit kollektiver Ermächtigung führen.

Erstmalig werden in diesem Projekt beide Perspektiven integriert. Wir postulieren, dass wahrgenommene persönliche Hilflosigkeit zunächst zu Versuchen führt, Kontrolle durch das kollektive Selbst wiederherzustellen. Erst wenn dies aussichtslos erscheint, sollten Menschen sich auf kompensatorische Kontrolle zurückziehen, was zu einer Stützung bestehender Systeme und mächtiger Fremdgruppen (z.B. Eliten) führen sollte. Im gegenwärtigen dreijährigen Forschungsprojekt testen wir dieses Modell empirisch. Das Projekt hilft zu verstehen, wie sich Coping mit ökonomischer Ungleichheit auf Ungleichheitsbewertung und soziale Reaktionen auf Ungleichheit auswirken.

 
ExpoAware - Environmental volunteered geographic information for personal exposure awareness and healthy mobility behaviour (DFG 424979005; Masson)

http://www.biphaps.uni-leipzig.de/fileadmin/user_upload/ag-sozpsy/Bilder/tu%CC%88rkiser_schwungpfeil.png https://www.vgiscience.org/projects/expoaware.html

Städtische Räume sind Hotspots von Umweltbelastungen wie Lärm, Luftverschmutzung und Hitze. Diese Stressoren wirken sich auf unsere Gesundheit aus und sind in hohem Maße kontextspezifisch in Raum und Zeit verteilt. Tragbare Sensoren haben die Messung dieser Stressoren vorangebracht und ermöglichen mobile Expositionsmessungen. Smartphone-Erfassungsverfahren bieten zusätzlich aktive Erfassungsoptionen, um die Wahrnehmungen und Meinungen der Benutzer über die Exposition zu erfassen (sog. Volunteered Geographic Information, VGI). Die Kombination aus subjektivem und objektivem VGI ist ein umfangreicher Datenpool, der es nicht nur ermöglicht die Exposition, sondern auch das Verhalten und die Entscheidungsmotive von Individuen während der Alltagsmobilität auszuwerten. In diesem Projekt arbeiten wir daher an drei Hauptzielen: 1) Wie können mit Smartphones erzeugte umweltbezogene VGI verwendet werden, um räumlich-zeitliche Bewegungsmuster und Expositionen zu extrahieren? 2) Wie können wir subjektive Daten erheben und Verhaltensänderungen analysieren, wenn Personen mit Expositionsdaten konfrontiert werden? 3) Wie können umweltbezogene VGI zur Verbesserung von Mobilitäts- und Expositionsmodellen verwendet werden?

 
Mitglied im Wissenschaftlichen DFG-Netzwerk "Social Identity in Agent-based Models; SIAM" (Fritsche & Masson)

The maturing social simulation community is facing the challenge of developing standards and methods for model development, including how to pick and implement behavioural theories when modelling human behaviour. One particular need and challenge is formalising human behaviour and decision making in its social context – representing how people might decide what to do within a specific context and social-physical situation. Part of the reason for the difficulty here is that this depends upon the complex relationship between the individual’s identity and the social situation they inhabit. The purpose of SIAM is to contribute towards formalising a widely-applicable social-psychological theory incorporating social context – the social identity approach – for the use in agent-based models (ABMs).


SPARCS: Sustainable energy Positive & zero cARbon CommunitieS (Grant agreement ID: 864242; Fritsche & Masson)

http://www.biphaps.uni-leipzig.de/fileadmin/user_upload/ag-sozpsy/Bilder/tu%CC%88rkiser_schwungpfeil.png https://www.sparcs.info/

Erneuerbare Technologien, die Städte in nachhaltige „intelligente Städte“ verwandeln sollen, gibt es bereits. Der Erfolg solcher Technologien hängt allerdings auch von deren allgemeiner Akzeptanz bei Bürgerinnen und Bürgern, den lokalen Gemeinden, den Industrien und den Behörden ab. Das EU-finanzierte Projekt SPARCs ermutigt zur Partizipation von Häuserblöcken und Bezirken auf dem Energiemarkt, um urbane Gebiete in Energieprosumenten zu verwandeln. In SPARCS untersuchen wir, welche Rolle soziale Identität (Identifikation mit Kollektiven, wahrgenommene Normen und die Wirksamkeit der eigenen Gruppe; Fritsche, Barth, Jugert, Masson & Reese, 2018) für die Akzeptanz und die Nutzung erneuerbarer Technologien spielt.


Kontrollrestauration und die moderierende Rolle von Gruppen-zugehörigkeit auf Well-Being-Effekte bei bedrohlichen Gesundheits-zuständen (Doktorandenförderplatz der Universität Leipzig; Relke)

Die Identifikation mit einer relevanten Eigengruppe fördert das subjektive Wohlbefinden (Social-Cure-Effekte) und restauriert unter Bedrohung die wahrgenommene Kontrolle auf einer kollektiven Ebene (Gruppenbasierte Kontrolle; Fritsche et al., 2013). Im Rahmen eines Promotionsprojekts werden diese positiven Effekte von Gruppenzugehörigkeit speziell im Gesundheitskontext untersucht und insbesondere der Beitrag von Kontrolle gegenüber anderen zugrundeliegenden motivationalen Prozessen herausgestellt.

Forschungsverbünde

 
 

Vergangene Forschungsprojekte


 

Threat to Control and Social Norms: Conformity, Change, or Formation - TCSN (DFG, FR 2067 8-1 & JU 2902 4-1; Jugert, Fritsche & Czepluch)

Wahrnehmungen bedrohter persönlicher Kontrolle führen häufig dazu, dass Personen Kontrolle auf der Ebene kollektiver Identitäten bzw. durch Gruppenzugehörigkeit wiederzuerlangen versuchen (Fritsche et al., 2013; Stollberg, Fritsche & Jonas, 2017). Gemeinsam mit der Universität Krakau untersuchen wir unbewusste Prozesse der Normvigilanz und motivierter Normbildung, welche die Wiederherstellung von Kontrolle als Gruppenmitglied ermöglichen und vorbereiten.

 
Motivated History: Representations of Groups' History as a Function of Current Motivations - MoHi (DFG, BA 5572 1-1 & FR 2067 7-1; Barth & Fritsche)

Wir untersuchen, wie aktuelle persönliche Motivationen, wie die Bedürfnisse nach Kontrolle und moralischer Akzeptanz, die subjective Konstruktion und Akzeptanz nationaler Geschichte beeinflussen (z.B. als Täter-, Opfer-, oder „By-Stander“-Nation). In Kooperation mit der Universität Warschau untersuchen wir diese Fragen in experimentellen Studien im deutschen wie im polnischen Kontext.

 
ECHOES: Energy Choices Supporting the Energy Union and the Set-Plan (European Commission, Horizon 2020, # 727470; Fritsche & Masson)

http://www.biphaps.uni-leipzig.de/fileadmin/user_upload/ag-sozpsy/Bilder/tu%CC%88rkiser_schwungpfeil.png http://echoes-project.eu/
Nachhaltige Energienutzung sowie die Akzeptanz einer Europäischen Energiewende durch Einzelpersonen und Organisationen hängt stark von kollektiven Faktoren ab. In Kooperation mit zahlreichen europäischen Partnern (z.B. an der Universität Trondheim und der Universität Roma Tre) untersuchen wir, wie persönliche energiebezogene Einstellungen und Verhaltensweisen durch die soziale Identität von Personen beeinflusst wird (Identifikation mit Kollektiven, wahrgenommene Normen und die Wirksamkeit der eigenen Gruppe; Fritsche, Barth, Jugert, Masson & Reese, 2018).

 
Constructing Active Citizenship with European Youth: Policies, Practices, Challenges and Solutions (European Commission, Horizon 2020, #649538; Jugert)

http://www.biphaps.uni-leipzig.de/fileadmin/user_upload/ag-sozpsy/Bilder/tu%CC%88rkiser_schwungpfeil.png http://www.catcheyou.eu/
Das Projekt versucht, die Faktoren zu identifizieren, die auf verschiedenen Ebenen unterschiedliche Formen von jugendlichem Engagement in Europa erklären. Unser Team konzentriert sich auf die Re-Analyse von existierenden Datensätzen, um zu verstehen, wie individuelle und kontextuelle Faktoren aktive Bürgerschaft beeinflussen; Šerek & Jugert, 2017.

 
Naturbewusstsein in Deutschland (Bundesamt für Naturschutz; FKZ 351681020A; Fritsche, Hoppe & Chokrai)

Seit 2009 untersucht das Bundesamt für Naturschutz alle zwei Jahre Einstellungen der Deutschen gegenüber der Natur und dem Naturschutz in repräsentativen Bevölkerungsbefragungen http://www.biphaps.uni-leipzig.de/fileadmin/user_upload/ag-sozpsy/Bilder/tu%CC%88rkiser_schwungpfeil.png https://www.bfn.de/0309_naturbewusstsein.html. In vertiefenden Analysen der Naturbewusstsseinsstudie 2017 sowie der vorangegangenen Studien untersuchen wir die psychologischen Determinanten (insbesondere jene sozialer Identität; Fritsche, Barth, Jugert, Masson & Reese, in press), welche Naturschutzeinstellungen und -verhaltensweisen bestimmen.

 
Mitglied im Wissenschaftlichen DFG-Netzwerk “Within and Between Group Processes in the Context of Social Inequality” (DFG RO 4826/1; Jugert, Fritsche & Barth)

http://www.biphaps.uni-leipzig.de/fileadmin/user_upload/ag-sozpsy/Bilder/tu%CC%88rkiser_schwungpfeil.png http://www.soziale-ungleichheit.psychologie.uni-wuerzburg.de/
Ökonomische Ungleichheit und ökonomische Bedrohung haben negative Effekte auf betroffene Personen und Gesellschaften (z.B. Gesundheitsprobleme, soziale Konflikte; Fritsche & Jugert, 2017; Wilkinson & Pickett, 2009). Im DFG-Netzwerk erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus zehn Universitäten gemeinsam die sozialpsychologischen Prozesse, welche die Wahrnehmung von und die Reaktionen auf ökonomische Ungleichheit steuern.


Förderung von Pro-Umweltverhalten durch internationale Kontakte (Promotionsstipendium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt; Römpke)

Zur Lösung globaler Probleme wie z.B. dem Klimawandel, ist Kooperation und prosoziales Handeln gegenüber Menschen auf dem ganzen Globus nötig. Internationaler Kontakt führt zu verringerten Vorurteilen gegenüber Fremdgruppen. Wir untersuchen, ob internationaler Kontakt darüberhinausgehend eine übergeordnete Identifikation mit der Menschheit fördern kann und Menschen dadurch in die Lage versetzt, sich für die Lösung global relevanter Probleme einzusetzen.

 

Quellen

 
 

Fritsche, I., Barth, M., Jugert, P., Masson, T., & Reese, G. (2018). A social identity model of pro-environmental action (SIMPEA). Psychological Review, 125, 245-269.

Fritsche, I., Jonas, E., Ablasser, C., Beyer, M., Kuban, J., Manger, A. M., & Schultz, M. (2013). The power of we: Evidence for group-based control. Journal of Experimental Social Psychology, 49, 19-32.

Fritsche, I., & Jugert, P. (2017). The consequences of economic threat for motivated social cognition and action. Current Opinion in Psychology, 18, 31-36.

Stollberg, J., Fritsche, I., & Jonas, E. (2017). The groupy shift: Conformity to liberal ingroup norms as a group-based response to threatened personal control. Social Cognition, 35, 374-394.


letzte Änderung: 01.04.2021 

Kontakt

Institut für Psychologie der Universität Leipzig

 

Professur für Sozialpsychologie
Neumarkt 9-19
D-04109 Leipzig

(Innenhof Städtisches Kaufhaus
Treppenhaus A, 2. OG)

Sekretariat:
Frau Ines Braun
Raum: 3012
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ibraun(at)rz.uni-leipzig.de