Dieses Bild zeigt die Vektorgrafik eines Puzzles.
Vektorgrafik eines Puzzles, Quelle: Colourbox

Laufende Projekte

DFG-Projekte


Das Selbsteinsichtsmotiv beschreibt das dispositionelle Streben nach akkuratem Selbstwissen. Im Rahmen des geplanten Forschungsvorhabens werden interindividuelle Unterschiede bezüglich dieses Motivs erstmals umfassend und systematisch untersucht. Basierend auf einer eigens entwickelten Skala wird zunächst das nomologische Netz des Motivs (Beziehungen zu Persönlichkeits- und anderen Selbstkonzeptvariablen) analysiert. Anschließend werden seine entwicklungsbedingten Antezedenzien und kognitiv-behavioralen Konsequenzen untersucht. Bezüglich der Antezedenzien wird die Hypothese getestet, dass spezifische Personenfaktoren (hohe epistemische Neugier, starkes Bedürfnis nach Selbstverbesserung) sowie bestimmte Umweltfaktoren (instabile Lebensumstände, individualistischer Kulturkreis) zu einem hoch ausgeprägten Selbsteinsichtsmotiv führen. Bezüglich der Konsequenzen wird die Hypothese getestet, dass das Selbsteinsichtsmotiv eine verstärkte Selbstbeobachtung sowie das aktive Aufsuchen von Feedback fördert, was dann wiederum dazu führt, dass Menschen mit einem hoch ausgeprägtem Selbsteinsichtsmotiv eine akkuratere Selbstsicht haben als Menschen mit einem gering ausgeprägten Selbsteinsichtsmotiv. Das Forschungsprogramm gründet auf einem multimethodalen Ansatz: In sieben empirischen Studien werden Daten basierend auf Selbstberichten, Fremdberichten, Leistungstests und ambulatorischen Assessments gewonnen. Es kommen korrelative, längsschnittliche, experimentelle und interkulturelle Designs zum Einsatz.


Narzissmus ist ein Persönlichkeitsmerkmal mit vielfältigen und potenziell negativen Folgen für Interaktionspartner:innen und Gesellschaft. Dieses Forschungsprogramm zielt auf ein besseres Verständnis dieser Konsequenzen ab. Wir berücksichtigen, dass die sozialen Folgen von Narzissmus von moderierenden Faktoren abhängen können. Wir betrachten zwei Klassen solcher moderierender Faktoren, die objektiven Eigenschaften von Narzisst:innen (Teilprojekt I) und situative Faktoren (Teilprojekt II). In Teilprojekt I testen wir die Hypothese, dass der Erfolg von Narzisst:innen beim Erreichen gewünschter sozialer Ergebnisse davon abhängt, ob sie objektive Eigenschaften besitzen, die für das Erreichen dieser Ergebnisse förderlich sind oder nicht. Insbesondere untersuchen wir, ob es Narzisst:innen gelingt, Reichtum zu erlangen, wenn sie intelligent sind, ob es ihnen gelingt, sozialen Einfluss zu erlangen, wenn sie über sozio-emotionale Fähigkeiten verfügen und ob es ihnen gelingt, Partner:innen anzuziehen, wenn sie körperlich attraktiv sind. Zu diesem Zweck werden wir im Labor eine Round-Robin-Studie und eine Speed-Dating-Studie durchführen. Außerdem werden wir vorhandene Daten aus einem großen, für die deutsche Bevölkerung repräsentativen Längsschnitt-Panel-Datensatz (N > 1500) analysieren. In Teilprojekt II, das sich mit der moderierenden Rolle von situativen Faktoren beschäftigt, werden zwei Forschungsfragen adressiert. Erstens untersuchen wir kompetitive Intergruppensituationen und testen, ob Narzisst:innen von Mitgliedern ihrer In-Group positiver bewertet werden als von Mitgliedern einer Out-Group. Dieser Frage gehen wir in zwei Round-Robin-Studien und einer Feldstudie nach. Dazu gehört auch eine interkulturelle Studie, in der getestet wird, ob die Bewertung von deutschen im Gegensatz zu polnischen Narzisst:innen von der Nationalität des Bewerters (deutsch vs. polnisch) abhängt. Zweitens untersuchen wir situative Einflüsse auf die Prosozialität von Narzisst:innen. Wir erwarten, dass Narzisst:innen mehr prosoziales Verhalten zeigen, wenn dieses Verhalten sozial belohnt wird, als wenn es nicht sozial belohnt wird, während wir erwarten, dass sie unsensibel gegenüber den Bedürfnissen der Empfänger:innen bleiben. Wir gehen diesen Fragen in drei experimentellen Studien nach. Die Ergebnisse des Forschungsprogramms werden ein neues Licht auf den Narzissmus und seine Auswirkungen auf soziale Ergebnisse werfen. Darüber hinaus werden sie ganz allgemein zu einem besseren Verständnis darüber führen, wie soziale Ergebnisse durch das Zusammenspiel von Motivation, objektiven Eigenschaften und situativen Faktoren geprägt werden.

Doktorandenförderplatz

Der Einfluss des Alters und besonderer Lebensereignisse auf Veränderung und Stabilität der Persönlichkeit


Zentraler Gegenstand der Persönlichkeitspsychologie ist die Untersuchung der Aspekte, die eine einzelne Person als solche ausmachen. Darunter fällt auch, wie sich eben diese Aspekte verändern. Wie sich die menschlichen Persönlichkeiten nachhaltig prägen können, wird in diesem Forschungsprojekt anhand großer und repräsentativer Panel-Studien untersucht.

Weitere Projekte


In diesem Projekt arbeiten wir an der Evaluierung einer neuen Übersetzung von einigen Items des Persönlichkeitstests „Big Five Inventory 2“ (BFI-2) von Soto und John (2017). Daten für dieses Projekt erheben in einer Studie, in der wir Teilnehmer:innen die Möglichkeit geben, diesen Fragebogen auszufüllen und Rückmeldung zu ihrer Persönlichkeit zu erhalten. Hier geht es zu dieser Studie.

Das PsyWeb ist ein Online-Panel, das im Jahr 2010 in Kooperation von drei Arbeitseinheiten an der Universität Münster ins Leben gerufen wurde. Im Laufe der Zeit ist PsyWeb stetig gewachsen und heute sind acht Forscher:innen (und zugehörige Teams) an diesem Gemeinschaftsprojekt der Universitäten Münster, München und Leipzig sowie der Hochschule Osnabrück beteiligt. Hier geht es zu PsyWeb.

Abgeschlossene Projekte

DFG-Projekte

  • Förderung durch die DFG 2017 – 2019 (KR 4702/2-1).
  • Antragsteller: Dr. Sascha Krause
  • Projektmitarbeiterin: Lucie Nikoleizig


Bewertungen des gegenseitigen Mögens der Mitglieder von Kleingruppen (sogenannte interpersonelle Attraktion; IPA) bestimmen auch die Leistungsfähigkeit dieser Gruppe. In den vergangenen zwei Jahrzehnten konnte mittels verschiedenen Metanalysen wiederholt gezeigt werden, dass Kleingruppen mit höherem Niveau gegenseitigen Mögens im Durchschnitt bessere Leistungen erzielen als Gruppen mit niedrigerem Niveau gegenseitigen Mögens.

Bei der psychologischen Messung von IPA-Bewertungen werden vorrangig Methoden der direkten Befragung der Gruppenmitglieder eingesetzt. Obschon diese Fragebogentechniken die Gruppenleistung signifikant positiv prädizieren, haben sie einige bedeutsame Limitierungen (u.a., Selbst- und Fremdtäuschung; limitierte Selbstreflexionsfähigkeit). Darüber hinaus ist der Selbstbericht nicht in der Lage, die implizite (automatisch aktivierte) Bewertung eines Gruppenmitglieds zu erfassen. In einem eigenen veröffentlichten Artikel (Krause, Back, Egloff & Schmukle, 2014) konnte erstmalig gezeigt werden, dass mittels einer affektiven Priming-Aufgabe (Kleingruppen-APA) die impliziten IPA-Bewertungen anderer Gruppenmitglieder reliabel und valide erfasst werden können.

Im Rahmen dieses DFG-Antrags sollen erstmalig die Konsequenzen impliziter IPA-Bewertungen (im Vergleich zu expliziten IPA-Bewertungen) für die Gruppenleistung untersucht werden. Darüber hinaus wird entsprechend eines selbstentwickelten Rahmenmodells überprüft, welche zwischenmenschlichen Verhaltensweisen den IPA-Performanz Zusammenhang vermitteln. Dies stellt selbst für die etablierte Kleingruppenforschung Neuland dar, da es bisher an empirischen Studien mangelt, die den Einfluss tatsächlichen zwischenmenschlichen Verhaltens auf die Gruppenleistung untersuchen. Im Einklang mit Annahmen dualer Prozessmodelle wird sich durch die Hinzunahme der Kleingruppen-APA eine verbesserte (d.h. inkrementelle) Prädiktion zwischenmenschlicher Verhaltensweisen versprochen.

Ein drittes Ziel dieses Forschungsvorhabens ist die Untersuchung der reziproken Beziehungen zwischen IPA-Bewertungen der Gruppenmitglieder und der Gruppenleistung (Wirkt sich gegenseitiges Mögen stärker auf die Gruppenleistung aus? Oder beeinflusst die Gruppenleistung stärker das gegenseitige Mögen der Gruppenmitglieder?). Zur Beantwortung dieser Frage ist eine Längsschnittstudie mit drei Messzeitpunkten von gegenseitigem Mögen der Gruppenmitglieder und Gruppenleistungen geplant. Die Ergebnisse sind zum einen für die etablierte explizite IPA-Performanz Forschung relevant, da bisherige Studien zur Reziprozität nicht spezifisch IPA-Bewertungen einbezogen (es gibt nur Untersuchungen zum übergeordneten Kohäsionskonstrukt). Zum anderen würde man auch erstmals die Frage beantworten können, wie die reziproken Beziehungen zwischen impliziten IPA-Bewertungen und Gruppenleistung gestaltet sind.


Bisherige Publikationen zu diesem Projekt:


In diesem Projekt werden die psychometrischen Eigenschaften verschiedener auf Reaktionszeiten basierender indirekter Verfahren zur Messung des Selbstwerts untersucht. Nach einer im bisherigen Projektverlauf vorgenommenen Optimierung der Darbietungs- und Auswertungsprozeduren liegt die Reliabilität für einen Großteil der Verfahren nun in einem zumindest zufriedenstellenden Bereich. Trotz der gegebenen Reliabilität fanden sich jedoch nahezu keine konsistenten Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Gruppen indirekter Verfahren. Als Erklärung für dieses Befundmuster nehmen wir an, dass strukturell unterschiedliche indirekte Verfahrensgruppen unterschiedliche Aspekte des Selbstwerts erfassen. Im weiteren Projektverlauf sollen nun die differentiellen Validitäten von Verfahren zur Messung von propositionalen Repräsentationen (Selbstwertfragebögen), zur Erfassung von semantisch-assoziativen Repräsentationen (Impliziter Assoziationstest; Extrinsischer Affektiver Simon Task) und zur Messung von affektiven Repräsentationen des Selbstwerts (Priming-Verfahren) näher untersucht werden. Als Kriterien werden das verbale und non-verbale Verhalten in einer selbstwertrelevanten Interviewsituation sowie Reaktionen nach negativer Rückmeldung in einer Leistungssituation und nach sozialem Ausschluss erhoben. Zudem wird die Perspektive von der indirekten Erfassung des Selbstwerts auf die indirekte Erfassung interpersoneller Attraktion erweitert.


Bisherige Publikationen zu diesem Projekt:

  • Krause, S., Back, M. D., Egloff, B. & Schmukle, S. C. (2014). Implicit interpersonal attraction in small groups: Automatically activated evaluations predict actual behavior toward social partners. Social Psychological and Personality Science, 5, 671-679.
  • Krause, S., Back, M. D., Egloff, B. & Schmukle, S. C. (2012). A new reliable and valid tool for measuring implicit self-esteem: The response-window affective priming task. European Journal of Psychological Assessment28, 87-94.
  • Krause, S., Back, M. D., Egloff, B. & Schmukle, S. C. (2011). Reliability of implicit self-esteem measures revisited. European Journal of Personality, 25, 239-251.
  • Back, M. D., Krause, S. Hirschmüller, S., Stopfer, J. M., Egloff, B. & Schmukle, S. C. (2009). Unraveling the three faces of self-esteem: A new information-processing sociometer perspective. Journal of Research in Personality, 43, 933-937.


In diesem Netzwerk haben sich verschiedene Wissenschaftler:innen zusammengeschlossen, die sich mit dem Zusammenspiel von Persönlichkeit und sozialen Beziehungen beschäftigen. In realen Untersuchungskontexten lassen sich die meisten sozialen Phänomene nicht ohne den Einfluss der Persönlichkeit der beteiligten Personen verstehen. Auf der anderen Seite kann sich Persönlichkeit erst in sozialen Interaktionen ausgestalten und durch diese entwickeln. Auf der Basis eines eigenen Rahmenmodells, welches sich eignet a) die Wirkung von Persönlichkeit auf soziale Phänomene und b) die Wirkung sozialer Phänomene auf die Persönlichkeit zu beschreiben, sollen im Rahmen dieses wissenschaftlichen Netzwerks der Stand der bisherigen Forschung, offene Fragen und Forschungsprobleme sowie antizipierte zukünftige Entwicklungen bearbeitet werden.

Weitere Informationen finden sich auf der Homepage dieses Netzwerks unter www.persoc.net.


Publikationen zu diesem Projekt:

  • Back, M. D., Baumert, A., Denissen, J. J. A., Hartung, F.-M., Penke, L., Schmukle, S. C., Schönbrodt, F. D., Schröder-Abé, M., Vollmann, M., Wagner, J., & Wrzus, C. (2011). PERSOC: A unified framework for understanding the dynamic interplay of personality and social relationships. European Journal of Personality, 25, 90-107.
  • Back, M. D., Penke, L., Schmukle, S. C., & Asendorpf, J. B. (2011). Knowing your own mate value: Sex-specific personality effects on the accuracy of expected mate choices. Psychological Science22, 984-989.
  • Back, M. D., Penke, L., Schmukle, S. C., Sachse, K., Borkenau, P. & Asendorpf, J. B. (2011). Why mate choices are not as reciprocal as we assume: The role of personality, flirting, and physical attractiveness. European Journal of Personality, 25, 120-132.
  • Schönbrodt, F. D., Back, M. D., & Schmukle, S. C. (2012). TripleR: An R package for social relations analyses based on round robin designs. Behavior Research Methods, 44455-470.


Die Qualität sozialer Beziehungen hat bedeutsame positive Effekte auf Wohlbefinden, Lebenszufriedenheit und Gesundheit. Dementsprechend kommt einer Analyse der psychologischen Prozesse des Kennenlernens und der Formung neuer Beziehungen große Bedeutung zu. Eindrücke gegenüber fremden Personen vollziehen sich automatisch, schnell und auf der Basis minimaler Informationen. Sie stellen zugleich die zentrale Basis für unsere sozialen Entscheidungen dar, also dafür, wie wir auf andere im Allgemeinen reagieren, mit wem wir interagieren und mit wem wir kurz- und langfristige Beziehungen eingehen.

Einen ersten Schwerpunkt des Projekts bildet die Untersuchung der Determinanten des ersten Eindrucks von fremden Personen – spontaner interpersoneller Attraktion. In jedem Attraktionsurteil (z.B. Person A über Person B) lassen sich drei grundlegende Komponenten unterscheiden: der Perceiver-Effekt, d.h. die allgemeine Urteilstendenz des Beurteilers (wie sehr mag A andere Menschen im Allgemeinen), der Target-Effekt, d.h. die Tendenz des Beurteilten im Allgemeinen positiv oder negativ beurteilt zu werden (wie sehr wird B im Allgemeinen gemocht) und der Relationship-Effekt, d.h. die von diesen generellen Tendenzen unabhängige spezifische Beurteilung (wie sehr mag A speziell B). Diese Komponenten lassen sich nun mit Persönlichkeitseigenschaften in Verbindung bringen. Es werden dementsprechend drei Fragenkomplexe untersucht: Wer mag spontan fremde Personen? Wer wird spontan von fremden Personen gemocht? Wer mag speziell wen bei ersten Begegnungen? Mittels einer Verbindung von Social Relations Model (Kenny, 1994) und Linsenmodell (Brunswik, 1956) wird außerdem analysiert, über welche Mediatoren – wahrnehmbare Äußerlichkeiten und Verhaltensweisen – die Zusammenhänge zwischen Persönlichkeit und Attraktionskomponenten vermittelt werden (Back, Schmukle & Egloff, in press).

Einen zweiten Schwerpunkt des Projekts stellt die Untersuchung der Stabilitäten und Veränderungen in interpersoneller Attraktion dar, welche sich im Verlauf des Kennenlernens ergeben. Diese Fragestellungen werden mittels längsschnittlicher Studien analysiert, in denen neben spontanen Urteilen auch die sich entwickelnden Beziehungen zwischen realen Personen betrachtet werden. Zum ersten geht es darum, die Stabilität der Komponenten interpersoneller Attraktion zu analysieren (z.B. inwieweit spontan populäre Personen auch bei Langzeitbekanntschaft populärer sind). Zum zweiten soll analysiert werden, wie sich die Interkorrelationen der Komponenten interpersoneller Attraktion und Metawahrnehmungen über die Zeit verändern. Hierbei geht es um Fragen der Gegenseitigkeit (Reziprozität) und angenommenen Gegenseitigkeit (angenommene Reziprozität) der Attraktion und um die Genauigkeit, mit der Personen ihre Beliebtheit einschätzen können (Meta-Genauigkeit). In einer ersten Studie konnte die Bedeutsamkeit von situativen Faktoren der ersten Begegnung auf die Freundschaftsentwicklung nachgewiesen werden (Back, Schmukle & Egloff, 2008).

 

Publikationen aus dem Projekt:

  • Back, M. D., Schmukle, S. C. & Egloff, B. (2008). Becoming friends by chance. Psychological Science, 19, 439-440.
  • Back, M. D., Schmukle, S. C. & Egloff, B. (2010). Why are narcissists so charming at first sight? Decoding the narcissism-popularity link at zero acquaintance. Journal of Personality and Social Psychology, 98, 132-145.
  • Back, M. D., Schmukle, S. C. & Egloff, B. (2011). A closer look at first sight: Social relations lens model analysis of personality and interpersonal attraction at zero acquaintance. European Journal of Personality, 25, 225-238.


Soziale Verhaltensweisen in realen Lebenssituationen werden sowohl durch kontrollierte als auch impulsive Prozesse beeinflusst (Strack & Deutsch, 2004). Das typische Wirken kontrollierter Prozesse sollte sich in expliziten Repräsentationen des Selbst niederschlagen, welche mittels direkter Persönlichkeitstests (Fragebogen) erfassbar sind. Dahingegen sollte sich das typische Wirken impulsiver Prozesse in impliziten Repräsentationen des Selbst abbilden, welche mittels indirekter Verfahren gemessen werden können. Mit der Entwicklung indirekter Persönlichkeitstests zur Messung impliziter Repräsentationen des Selbst ist daher die Hoffnung verbunden, die Vorhersage relevanten Verhaltens zu verbessern.

Im Projekt wurde ein Impliziter Assoziationstest (IAT; Greenwald, McGhee & Schwartz, 1998) zur Messung von fünf zentralen Persönlichkeitsdimensionen (Neurotizismus, Extraversion, Offenheit, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit) entwickelt. In einer ersten Projektphase wurden die psychometrischen Voraussetzungen und die Eigenständigkeit dieses Big Five-IATs überprüft. Folgende zentralen Ergebnisse wurden erzielt: (1) die für den Bereich direkter Persönlichkeitstests etablierte Fünf-Faktoren-Struktur ließ sich auch für implizite Repräsentationen des Selbstbildes bestätigen. (2) Der von uns entwickelte Big Five-IAT zeigte für alle Dimensionen eine gute interne Konsistenz. Zwei verschiedene Adaptationen des Extrinsic Affective Simon Tasks wiesen hingegen nur maximal moderate interne Konsistenzen auf. (3) Trotz ähnlicher Interkorrelationen der fünf Dimensionen erwiesen sich die indirekten Maße als weitestgehend unabhängig von expliziten Verfahren.

Eine zweite Projektphase zielte auf die Validierung des neuen Verfahrens. Insbesondere sollte überprüft werden, inwiefern der Big Five-IAT zusätzlich zu direkten Verfahren Varianz in relevanten Verhaltenskriterien vorhersagen kann. Hierzu wurden zunächst selbstberichtete Alltagsverhaltensweisen erhoben. Es wurde dann eine umfangreiche Verhaltensstudie durchgeführt, in deren Rahmen eine Reihe realer und a priori den einzelnen Big Five Dimensionen zugeordneter Verhaltensweisen erfasst und zu relevanten Verhaltenskriterien aggregiert wurden. Diese Validierungsstudien erbrachten folgende weitere Ergebnisse: (4) Direkte Verfahren sagten die aggregierten Verhaltenskriterien für jede der Big Five Dimensionen vorher. (5) Indirekte Verfahren zur Messung von Neurotizismus und Extraversion prädizierten die Verhaltenskriterien ebenfalls. (6) Die prädiktive Validität dieser indirekten Verfahren blieb auch bei Kontrolle der direkten Verfahren bestehen, erwies sich also als inkrementell.

Die Ergebnisse sind in Einklang mit einer eigenen persönlichkeitsorientierten Weiterentwicklung von Zweiprozessmodellen der sozialen Kognition und des sozialen Verhaltens und zeigen, dass implizite Persönlichkeitsmaße die Vorhersage relevanten Sozialverhaltens substantiell verbessern können.


Publikationen aus diesem Projekt:

  • Back, M. D., Schmukle, S. C. & Egloff, B. (2009). Predicting actual behavior from the explicit and implicit self-concept of personality. Journal of Personality and Social Psychology, 97, 533-548.
  • Schmukle, S. C., Back, M. D. & Egloff, B. (2008). Validity of the five-factor model for the implicit self-concept of personality. European Journal of Psychological Assessment, 24, 263-272.
  • Schmukle, S. C. & Egloff, B. (2006). Assessing anxiety with Extrinsic Simon Tasks. Experimental Psychology, 53, 149-160.


Fragebogenverfahren, die sich als direkter Zugang zur Erfassung von Persönlichkeitsmerkmalen großer Beliebtheit erfreuen, sind einigen Fehlerfaktoren (absichtliche Verstellung, Antwortstile) unterworfen, die ihre Brauchbarkeit in manchen Kontexten einschränken können. Zudem spricht für die Ergänzung von expliziten Selbstauskünften durch sog. implizite Messverfahren, dass die menschliche Informationsverarbeitung nicht nur explizite (bewusste) Prozesse, sondern auch implizite (automatische) Prozesse umfasst, von denen angenommen wird, dass sie eine Reihe von insbesondere spontanen Verhaltensweisen determinieren. Mit dem Impliziten Assoziationstest (IAT; Greenwald, McGhee & Schwartz, 1998) wurde ein reaktionszeitbasiertes Verfahren zur impliziten Messung von Eigenschaften vorgestellt, das Potential für die Persönlichkeitspsychologie und die Psychologische Diagnostik verspricht.

Im Projekt wurde ein zur Erfassung von Ängstlichkeit adaptierter IAT entwickelt und evaluiert. Folgende zentrale Ergebnisse wurden erzielt: (1) Der IAT-Ängstlichkeit weist eine hohe interne Konsistenz und eine moderate zeitliche Stabilität (längstes untersuchtes Zeitintervall: 1 Jahr) auf. (2) Diese Diskrepanz zwischen interner Konsistenz und Stabilität kann nicht durch Variationen in Zustandsangst erklärt werden. (3) Der IAT-Ängstlichkeit weist eine deutlich geringere Verfälschbarkeit als Fragebogenverfahren auf. Allerdings kann nicht auf eine generelle Unverfälschbarkeit des IAT geschlossen werden. (4) Der IAT prädiziert spontane Verhaltensweisen sowohl während einer Redesituation als auch nach einer negativen Rückmeldung, die von Fragebogenverfahren nicht vorhergesagt werden können. Diese Befunde stehen in Einklang mit Zweiprozessmodellen der sozialen Kognition. Insgesamt gesehen stellt der IAT ein sehr interessantes und viel versprechendes indirektes Verfahren zur Erfassung von Persönlichkeitsmerkmalen dar, das allerdings noch nicht in der Individualdiagnostik eingesetzt werden sollte.


Publikationen zu diesem Projekt:

  • Egloff, B. & Schmukle, S. C. (2002). Predictive validity of an Implicit Association Test for assessing anxiety. Journal of Personality and Social Psychology, 83, 1441-1455.
  • Egloff, B., Schwerdtfeger, A. & Schmukle, S. C. (2005). Temporal stability of the Implicit Association Test-Anxiety. Journal of Personality Assessment, 84, 82-88.
  • Gamer, J., Schmukle, S. C., Luka-Krausgrill, U. & Egloff, B. (2008). Examining the dynamics of the implicit and the explicit self-concept in social anxiety: Changes in the Implicit Association Test-Anxiety and the Social Phobia Anxiety Inventory following treatment. Journal of Personality Assessment, 90, 476-480.
  • Schmukle, S. C. & Egloff, B. (2004). Does the Implicit Association Test for assessing anxiety measure trait and state variance? European Journal of Personality, 18, 483-494.
  • Schmukle, S. C. & Egloff, B. (2005). A latent state-trait analysis of implicit and explicit personality measures. European Journal of Psychological Assessment, 21, 100-107.

Weitere Projekte


In diesem Projekt untersuchten wir in mehreren Studien mit Daten aus verschiedenen Ländern die Frage, ob die Geschwisterposition die Persönlichkeit beeinflusst. Dabei konnten wir in unseren Studien keine Evidenz für einen solchen Effekt finden.


Publikationen:

  • Rohrer, J. M., Egloff, B. & Schmukle, S. C. (2017). Probing birth-order effects on narrow traits using specification curve analysis. Psychological Science, 28, 1821–1832.
  • Rohrer, J. M., Egloff, B. & Schmukle, S. C. (2015). Examining the effects of birth order on personality. Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), 112, 14224–14229 Commentary on this article by Damian, R. I. & Roberts, B. W. (2015). Settling the debate on birth order and personality. Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), 112, 14119–14120.
  • Botzet, L. J., Rohrer, J. M., & Arslan, R. C. (2020). Analysing Effects of Birth Order on Intelligence, Educational Attainment, Big Five, and Risk Aversion in an Indonesian Sample. European Journal of Personality. 


In diesem Projekt untersuchten wir die von Piff und Keltner in verschiedenen Publikationen berichteten negativen Effekte höherer sozialer Klassen und/oder höheren Einkommens auf prosoziales Verhalten (siehe z.B. Piff, P.K., Kraus, M.W., Côté, S., Cheng, B.H., & Keltner, D., 2010: Having less, giving more: The influence ofsocial class on prosocial behavior. J Pers Soc Psychol, 99, 771–784). Wir konnten in einer Vielzahl von Analysen diesen Effekt nicht replizieren. Dies gilt auch für den später von Cote et al. postulierte Modifikation dieses Effekts, dass dieser nur in Staaten mit hoher ökonomischer Ungleichheit auftritt (siehe Côté, S., House, J., & Willer, R., 2015: High economic inequality leads higher-income individuals to be less generous. Proc Natl Acad Sci USA 112:15838–15843). Auch diesen Moderationseffekt konnten wir in mehreren Analysen nicht replizieren.


Publikationen:

  • Korndörfer, M., Egloff, B. & Schmukle, S. C. (2015). A large scale test of the effect of social class on prosocial behavior. PLOS ONE, 10, e0133193.
  • Schmukle S. C., Korndörfer, M., & Egloff, B. (2019). No evidence that economic inequality moderates the effect of income on generosity. Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), 116, 9790-9795.
  • Schmukle S. C. & Egloff, B. (2020). New replication attempts provide no evidence that inequality moderates the effect of income on generosity. Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), 117(16), 8698-8699. doi:10.1073/pnas.2000311117.
  • In Kooperation mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)
  • Gefördert durch ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes von 11/2010 bis 09/2011
  • Stipendiatin: Prof. Dr. Jule Specht

 

Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist eine vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) durchgeführte seit 1984 laufende jährliche Wiederholungsbefragung privater Haushalte in Deutschland. Die Stichprobe umfasst ca. 11.000 repräsentativ ausgewählte Haushalte mit mehr als 20.000 Personen. Themenschwerpunkte sind unter anderem Haushaltszusammensetzung, Erwerbs- und Familienbiographie, Erwerbsbeteiligung und berufliche Mobilität, Einkommensverläufe, Gesundheit und Lebenszufriedenheit. In den Jahren 2005 und 2009 wurden zudem die Big Five-Persönlichkeitsdimensionen erhoben. Auf Basis der Daten dieses Panels untersuchen wir Entwicklungsverläufe der Persönlichkeit.


Bisherige Publikationen zu diesem Projekt:

  • Specht, J., Egloff, B., & Schmukle, S. C. (2013). Everything under control? The effects of age, gender, and education on trajectories of perceived control in a nationally representative German sample. Developmental Psychology, 49, 353-364.
  • Specht, J., Egloff, B., & Schmukle, S. C. (2013). Examining mechanisms of personality maturation: The impact of life satisfaction on the development of the Big Five personality traits. Social Psychological and Personality Science, 4, 181-189
  • Specht, J., Egloff, B., & Schmukle, S. C. (2011). Stability and change of personality across the life course: The impact of age and major life events on mean-level and rank-order stability of the Big Five. Journal of Personality and Social Psychology, 101, 862-882.
  • Specht, J., Egloff, B., & Schmukle, S. C. (2011). The benefits of believing in chance or fate: External locus of control as a protective factor for coping with the death of a spouse. Social Psychological and Personality Science, 2, 132-137.


In diesem Projekt werden Statistik-Software-Pakete für Analysen basierend auf dem Social Relations Model (Kenny, 1994) entwickelt. Dieses Modell ermöglicht die Trennung von interpersonellen Variablen (wie z. B. Sympathieurteilen) in Actor- bzw. Perceiver-Effekte (wie sehr mag A andere Menschen im Allgemeinen), in Partner- bzw. Target-Effekte (wie sehr wird B im Allgemeinen gemocht) und in Relationship-Effekte (wie sehr mag A speziell B). Basierend auf dieser Trennung werden die Varianzanteile der verschiedenen Effekte berechnet. Zudem lassen sich univariate und bivariate Assoziationen zwischen den verschiedenen Effekten berechnen.

Für zwei verschiedene grundlegende Designs werden Software-Pakete für das Statistikprogramm R entwickelt: Im Round-Robin-Design interagiert jede Person mit jeder anderen Person (z. B. gibt ein Sympathieurteil über jede andere Person der Gruppe ab und wird von jeder anderen Person der Gruppe bezüglich Sympathie eingeschätzt), während im Full-Block-Design die Personen einer Gruppe mit jedem Mitglied einer anderen Gruppe interagieren (z. B. ein Sympathieurteil abgeben und erhalten). Angewendet werden diese Software-Entwicklungen beispielhaft für die Analyse von Einschätzungen interpersoneller Attraktion (Round-Robin-Design) und für die Analyse von Speed-Dating-Daten (Block Design).


Publikationen aus dem Projekt:

  • Schoenbrodt, F.D. & Back, M.D. & Schmukle, S.C. (2013). Triple R: A package for round robin analyses using R (Version 1.2.1). Freely available via http://www.persoc.net and http://www.r-project.org.
  • Schönbrodt, F. D., Back, M. D., & Schmukle, S. C. (2012). TripleR: An R package for social relations analyses based on round robin designs. Behavior Research Methods, 44455-470.

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