Center of Neural and Behavioural Sciences  


Mission

Das fakultäre Zentrum für  Neuro- und Verhaltenswissenschaften untersucht menschliches Erleben und Verhalten anhand neurobiologischer, experimentalpsychologischer und sozialwissenschaftlicher Methoden. Schwerpunkte sind selektive, kommunikative und evaluative Aspekte der Informationsverarbeitung im Gehirn von Menschen und von Modellorganismen wie nicht-menschlichen Primaten und Mäusen. Außerdem untersuchen die beteiligten Forscher grundlegende zelluläre und molekulare Mechanismen des Verhaltens an Invertebraten.

Forschungsumgebung und Vernetzung

Das Zentrum für Neuro- und Verhaltenswissenschaften gehört zum Forschungsprofil „Mensch und Gehirn“ der Universität Leipzig.  Forschungskooperationen bestehen mit der Medizinischen Fakultät, und dort mit dem Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung, dem Carl-Ludwig-Institut für Physiologie, den Kliniken für Neurologie und der Neurochirurgie und Psychiatrie. Weitere Partner sind die Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie (Zentrum für Quantitative Empirische Sozialforschung, Institut für Soziologie), die Erziehungswissenschaftliche Fakultät  mit ihrem Forschungszentrum für frühkindliche Entwicklung, sowie die Theologischen Fakultät mit dem Kompetenzzentrum für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung. Außeruniversitäre Kooperationspartner in Leipzig sind verschiedene Abteilungen der Max-Planck-Institute für Kognitions- und Neurowissenschaften, für evolutionäre Anthropologie sowie für Mathematik in den Naturwissenschaften. Weitere außeruniversitäre Kooperationen befinden sich bereits im Aufbau.

Fokusthemen

Veränderung, Entwicklung, Plastizität

Entwicklung und Veränderbarkeit sind zentrale Charakteristika unseres Erlebens und Verhaltens, auch bei unseren nächsten Verwandten, den Primaten. In unserer Forschung betrachten wir die gesamte Lebensspanne von der frühen Kindheit bis ins hohe Alter, berücksichtigen dabei gleichermaßen Möglichkeiten und Grenzen von Entwicklung und verknüpfen dabei die Heterogenität von Entwicklungsverläufen mit einem Verständnis der regelhaften und normativen Entwicklung.

Die Erforschung der Plastizität menschlichen Verhaltens und Erlebens ist ein zentraler Bestandteil unserer Arbeiten. Diese enorme Plastizität zeigt sich im Kontext von Interventionsstudien und wenn man Entwicklungsverläufe in verschiedenen zeitlichen und sozialen Kontexten betrachtet. Wir betrachen eine Reihe von Funktionen anhand eines reichhaltigen Methodenarsenals, dazu gehören unter anderem Biosignale, Verhaltensbeobachtung, Erfassung subjektiven Erlebens des Menschen, ebenso Longitudinaldaten von nicht-menschlichen Primaten aus dem Freiland. Darin sind perzeptive, (sozial-) kognitive und emotionale Prozesse eingeschlossen.


Situativer und sozialer Kontext

Situative (physikalisch-räumliche) und soziale Kontexte bestimmen unser menschliches Erleben und Verhalten ganz entscheidend. Um diese Kontexte unter Einbeziehung der Interaktion psychischer Systeme zu betrachten, ist eine sozialwissenschaftliche Perspektive erforderlich. Wir entwickeln diesen Kernbereich dahingehend weiter, dass wir soziale Prozesse, beispielsweise soziale Interaktionen und sprachliche Kommunikation, und ihre Kontexte (interpersonale Beziehungen, soziale Gruppen, Organisationen) untersuchen, die menschliches Verhalten als biopsychosoziales Phänomen bedingen. Hierzu zählt auch die Weiterentwicklung quantitativer sozialwissenschaftlicher Methoden in den Verhaltenswissenschaften.


Informationsverarbeitung

Psychische Funktionen wie etwa Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Emotion und Sprache betrachten wir als Ergebnis mentaler Prozesse, in denen Information aufgenommen, strukturiert, verändert und weitergegeben wird. Dabei sind sogenannte mentale Repräsentationen von zentraler Bedeutung. Beispielsweise werden in der Sprachdomäne phonologische, syntaktische, semantische und artikulatorische Kodes als mentale Repräsentationen angenommen, die dem Verstehen und der Produktion von Sprache zugrunde liegen. Dabei wenden wir Methoden an wie Vielkanalelektroenzephalographie (EEG), funktionelle Magnetoresonanztomographie (fMRT), magnetische und elektrische Stimulation und Blockade von bestimmten Gehirnarealen (TMS, tACS, tDCS) sowie Messung von Augenbewegungen, mentale Chronometrie und Psychophysik. Die Kombination von Messmethoden und die integrative Datenanalyse stehen im Mittelpunkt unserer zukünftigen Forschung. Damit möchten wir ein umfassenderes Abbild von perzeptiven, emotionalen und kognitiven Prozessen gewinnen.


Zelluläre und molekulare Mechanismen

Neurobiologische Untersuchungen an Tiermodellen liefern grundlegende Ergebnisse zu neuronalen Mechanismen von einzelnen Zellen bis zur höheren Kognition, die am Menschen technisch und ethisch nicht erzielt werden können. Sie tragen aber wesentlich zum Verständnis der Unterschiede in Hirnfunktion und Verhaltenssteuerung zwischen Tiergruppen bei. Das Cluster arbeitet unter anderem mit Mäusen, Grillen und Fruchtfliegen auf molekularem, zellulärem und systemischem Niveau. Schwerpunkt der Forschung an Tiermodellen ist zum einen die Rolle neuronaler Botenstoffe, vor allem biogener Amine, zur Kontrolle sozialer Interaktionen (Modell-Organismus Grille), Mechanismen der Reizverarbeitung, Gedächtnisbildung und des Lernens (Modell-Organismus Fruchtfliege) und zum anderen die kortikale Enkodierung sensorischer Information, Hirnplastizität und individuelle Unterschiede in Hirnstruktur und Funktion (Modell-Organismus Maus). Dabei setzen die Forscherinnen und Forscher unter anderem genetische und optogenetische Methoden, elektrophysiologische Mehr- und Einzelzellableitungen, pharmakologische Manipulation, histologische und immunzytochemische Methoden, sowie Verhaltenstraining und -analyse ein.

Forschungsperspektiven

Durch die Neubesetzung einer Reihe von Professuren am Psychologischen und Biologischen Institut ergeben sich zukünftig neue Forschungskooperationsmöglichkeiten, z.B. mit dem UFZ, und Verbindungen zur Wirtschaft und Industrie. Neue Forschungskooperationen ergeben sich auch mit dem MPI für evolutionäre Anthropologie, mit einem Schwerpunkt zu Fragen des Verhaltens, der Ökologie und der Kultur am Menschen. Der Aufbau des interdisziplinären Zentrums für frühkindliche Entwicklung ist eine weitere wichtige Aufgabe. Weiterhin soll nach Ablauf des DFG-Graduiertenkollegs „Funktion von Aufmerksamkeit bei kognitiven Prozessen“ mindestens ein neues DFG-Verbundprojekt eingeworben werden. Zudem wird sich das C-NBS am Aufbau einer Graduiertenschule auf dem Gebiet des Forschungsfeldes „Nachhaltige Grundlagen für Leben und Gesundheit“ gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät beteiligen.


letzte Änderung: 19.11.2020 

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Kommissarischer Vorstand

Professor Matthias Müller
Institut für Psychologie
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Professor Immo Fritsche
Institut für Psychologie
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Professor Marc Schönwiesner
Institut für Biologie
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