In der Rubrik Pflanze des Monats stellen wir in den Vegetationsmonaten von März bis Oktober interessante Pflanzen und Pflanzenarten aus unserem Garten vor. Jede Pflanze kann im Botanischen Garten Leipzig vor Ort aufgesucht und ihre Besonderheit entdeckt werden.

2021

Pflanze des Monats September: die Schwarzen Tollkirsche (Atropa belladonna) mit ihren schwarzen Früchten
Früchte der Tollkirsche (Atropa belladonna)

Die Tollkirsche (Atropa bella-donna)

Die Tollkirsche, ist einer der Klassiker unter den Giftpflanzen. Das nach ihr benannte Alkaloide Atropin wirkt pupillenerweiternd. Es wird zwar heute noch in der Augenheilkunde genutzt, allerdings aufgrund seiner lang andauernden Giftigkeit nicht in der Diagnostik. In der Renaissance träufelten sich Frauen den Saft der Tollkirsche in die Augen, denn die größeren Pupillen sollten die Augen insgesamt größer erscheinen lassen und die Frauen somit attraktiver.
Von solchen Praktiken ist allerdings dringendst abzuraten. Die Giftigkeit der Pflanzen und ihrer Beeren schwankt stark und es kann leicht zu starken Vergiftungserscheinungen kommen.

 

Pflanze des Monats September 2021: die Tollkirsche (Atropa belladonna), W. Teschner
Pflanze des Monats September 2021: die Tollkirsche (Atropa belladonna)

Eine der giftigsten Pflanze Deutschlands

In der Tat zählt die Tollkirsche zu den giftigsten Pflanzen Deutschlands überhaupt, denn Vergiftungen sind gar nicht so selten. Normalerweise schmecken giftige Pflanzen ekelig, denn sie wollen ja nicht gefressen werden. Etwas an einer Pflanze geknabbert und schon spuckt man das Kaugut wieder aus. Nicht so bei der Tollkirsche: ihre Früchte schmecken angenehm süßlich, also schluckt man das gekaute und fr(isst) weiter. Doch dann kommt meist jede Hilfe zu spät. Gerade Kinder sind besonders gefährdet und sollten dementsprechend früh aufgeklärt werden. Vögeln macht das Gift nichts aus und sind die legitimen Ausbreiter.

 

Die braunen glockenförmigen Blüten der Tollkirsche (Atropa belladonna)
Blüten der Tollkirsche (Atropa belladonna)

Die Blüten

Die Tollkirsche produziert glockenförmige Blüten in der Farbe braun – nur ganze wenige Pflanzen in Deutschland tun dies. Bestäubt wird sie von Bienen und Hummeln. Im Botanischen Garten steht sie in der Systematischen Abteilung mit den ihr verwandten Solanaceae im Zentrum des Systems nahe der Kornelkirsche. Die Tollkirsche wächst besonders gerne auf kalkhaltigen Böden und ist dieses Jahr das erste mal richtig prächtig gewachsen.

Mais (Zea mays)

Ein ausgewachsener Maiskolben, umschlossen von Blättern, direkt an der Pflanze
Maiskolben (Zea mays); Foto: Wolfgang Teschner

So wie wir ihn kennen, ist der Mais (Zea mays) eine äußerst ungewöhnliche Pflanze, denn er kommt in der Natur gar nicht vor. Stattdessen handelt es sich um eine Kulturpflanze par excellence, denn nur der Mensch garantiert sein Überleben. Im Zweig der Biologie, in der es um die verschiedensten Ausbreitungsstrategien der Pflanzen geht, spricht man auch von Anthropochorie, der Ausbreitung durch den Menschen. Aber warum kommt der Mais nicht in der Natur vor? Haben Sie sich kurz vor der Erntezeit einmal einen Maiskolben näher angeschaut? Die dicke Spindel, auf der fest eingebettet die einzelnen Maiskörner sitzen, ist von großen Hüllblättern oder Lieschblättern umgeben. Würde der Mais nicht vom Menschen geerntet, so würde der Kolben mit seinen Samen auf dem Ackerboden einfach verfaulen – die Lieschblätter verhindern ein selbständiges Loslösen der Samen ebenso wie der feste Sitz auf dem Kolben. Der Mensch hat diese Eigenschaften durch seine jahrtausendealten Züchtungsbemühungen erreicht, denn so lassen sich die einzelnen Kolben mit den anhaftenden Körnern sehr einfach ernten und bis zur Weiterverarbeitung lagern.

Ein junger Maiskolben sprießt zwischen Blatt und Stengel hervor.
Junger Maiskolben (Teosinthe zea mexicana); Foto: Wolfgang Teschner

Bereits vor über 9000 Jahren haben die Einwohner des nördlichen Mittelamerikas begonnen, aus der Naturform des Mais (Teosinte oder Zea mexicana) die heutige Kulturform zu züchten. Mittlerweile existieren unzählige Züchtungsformen und Sorten, wobei die an der Spitze der Pflanzen befindlichen männlichen Blüten der „Urform“ noch recht ähnlich sehen. Große Unterschiede gibt es v.a. bei den weiblichen Blüten und den sich daraus entwickelnden Früchten, die von gelb bis fast schwarz sehr viele Farbvarianten aufweisen, manchmal sogar innerhalb eines einzelnen Kolbens.

Die männliche Blüte einer Maispflanze
Männliche Blüten des Mais (Zea mays); Foto: Wolfgang Teschner

In Lateinamerika ist Mais eines der Hauptnahrungsmittel und entspricht in Form von Tortillas unserem Brot. Die Sorten des Mais auf unseren Äckern eignen sich aufgrund des ungünstigen Klimas hingegen kaum für den menschlichen Verzehr. Er wird entweder als komplette Pflanze mit Milchsäurebakterien versetzt und silagiert dann dem Nutzvieh verfüttert, oder als Biomasse zu Bioethanol vergoren und landet dann im Tank der Automobile. Die zu „Cornflakes“ umgewandelten Maiskörner enthalten keinerlei Ballaststoffe, Vitamine, Mineralien oder irgendetwas anderes Wichtiges für die Ernährung außer Kohlenhydrate (Zucker). Hingegen sind sie extrem billig herzustellen und führen bei übermäßigem oder gar ausschließlichem Genuß zu Mangelerscheinungen. Dazu hat man in großem Stil die nordamerikanischen Ureinwohner gezwungen, um ihre Dezimierung weiter voranzutreiben.

Die männliche Blüte des Mais an einer Maispflanze
Männliche Blüten des Mais (Teosinthe zea mexicana); Foto: Wolfgang Teschner

Mais ist übrigens eine Pflanze mit C4 Photosyntheseweg, der bei ausreichender Energieversorgung (Sonnenschein) und genug Wasser besonders effektiv ist. Während der Sonnenschein in unseren Breiten im Sommer oft ausreicht, hapert es mit der Wasserversorgung, so dass in Dürrejahren wie 2020 der Maisanbau ohne künstliche Bewässerung eigentlich keinen Sinn macht.

Zwei Maiskolben, links mit Hüllblättern und rechts ohne Hüllblätter
Maiskolben (Teosinthe) mit und ohne Hüllblätter; Foto: Wolfgang Teschner

Die Pflanzen finden Sie in der systematischen Abteilung bei den Gräsern.

Zwei Maiskolben, links mit heruntergrollten Hülblättern und recht ohne Hülblättern
Maiskolben (Tesinthe) ohne Hüllblätter und mit entfernten Hüllblättern; Foto: Wolfgang Teschner

Distel (Carduus spp.)

Kleiner Kohlweißling auf der Blüte einer Distel
Kleiner Kohlweißling (Pieris rapae) auf einer Distel, Foto: Gabriel Flöter

Disteln sind so gut wie komplett aus unserer Umwelt verbannt worden. Durch ihr riesiges Potenzial, sich vegetativ über Wurzelrhizome zu vermehren, sind sie gerade in der Landwirtschaft alles andere als beliebt. Zurückdrängen durch Unterpflügen geht nicht – da werden sie nur noch zahlreicher. Da hilft nur die chemische Keule. Auch auf den noch verbliebenen Viehweiden sind sie nicht gerne gesehen, denn eine weiche Rinderschnauze frisst nicht freiwillig unsere reichlich bestachelten Disteln. Und selbst die Garteninhaber tun alles, um Disteln loszuwerden.

Streng genommen handelt es sich bei Disteln nur um Verteter der Gattung Carduus. Umgangssprachlich werden aber auch andere  Verwandschaftskreise als Disteln bezeichnet. So beispielsweise die Verteter der Kratzdisteln (Gattung Cirsium). Daneben gibt es bei uns noch weitere Verwandtschaftsgruppen wie die zum Beispiel die Silber- und Golddisteln (Carlina spp.), die Kugeldisteln (Echinops spp.) oder die Eselsdistel (Onopordum acanthium).

Aber Disteln sind eine der wenigen Nahrungsquellen für unsere Tagfalter. Gerade die nach ihrer Wanderung aus Südeuropa zu uns kommenden Wanderfalter wie der Distelfalter dürstet es nach Nektar. Da wären die Disteln genau das Richtige: von den Farben sehr attraktiv (rot, violett, magenta) locken sie schon von weitem die Falter an. Der winzige Zugang zu ihrem Nektar ist für die Falter gut erreichbar – und wenige andere Insekten sind da Konkurrenz.

Lassen Sie ein paar heimische Disteln in ihren Gärten stehen! Mit Wurzelschranken lässt sich das unkontrollierbare Ausbreiten in Grenzen halten. Überzeugen Sie auch ihre Nachbarn. Gemeinsam kann man am besten gegen Vorurteile vorgehen. Die erschöpften Tagfalter werden es Ihnen danken!

Der Wildkohl (Brassica oleracea var. oleracea)

Blüten des Wildkohls (Brassica oleracea var. oleracea)
Wildkohl (Brassica oleracea var. oleracea), Foto: Wolfgang Teschner

Der Wildkohl (Brassica oleracea var. oleracea) ist die Stammform sämtlicher Kohlsorten – also von Kohlrabi, Wirsing, Weißkohl, Broccoli, Rosenkohl, Rotkohl, Romanesco etc. Einige dieser Zuchtformen sind noch recht jung, andere waren den Römern bereits bekannt. Und hier liegt auch die Heimat des Wildkohls, denn er kommt entlang der Mittelmeerküsten vor. Der Kohl gehört zu den Kohlgewächsen (Brassicaceae), zu denen etwa auch der Meerrettich, das Radieschen, der Senf oder der Raps gehören. Sie alle zeichnen sich durch eine gewisse Schärfe aus, die von den Inhaltsstoffen der Senfölglycoside herrührt. Diese sind schwefelhaltig und zersetzen sich im Darm letztlich zu Schwefelwasserstoff (H2S), einem der geruchintensivsten Stoffe überhaupt. H2S ist extrem giftig, so dass diesem Stoff gegenüber eine angeborene Sensitivität besteht, die auch nach längerer Exposition nicht vergeht.

Blätter des Wildkohls (Brassica oleracea var. oleracea)
Wildkohl (Brassica oleracea var. oleracea), Foto: Wolfgang Teschner

Die Kohlgewächse werden manchmal auch als Kreuzblütler bezeichnet. Dieser Name bezieht sich auf die senkrecht kreuzweise angeordneten Blütenblätter. Oftmals spiegelt sich die Anzahl der Blütenblätter in der Anzahl der Staubblätter wider. Nicht so bei den Kreuzblütlern: sie besitzen 6 davon. Schaut man noch genauer hin – dazu sollte man eine Lupe hinzuziehen – dann stellt man fest, dass die 6 Staubblätter in 2 Kreisen angeordnet sind. Einem inneren aus 4 und einem äußeren aus 2 Staubblättern.  Schaut man noch genauer hin und entfernt dazu die Kelch- und Kronblättern, so entdeckt man an der Basis zwischen den beiden äußeren Staubblättern 2 winzig kleine Pünktchen. Dabei handelt es sich um Nektardrüsen zur Ernährung der Bestäuber. Evolutiv betrachtet sind diese beiden Drüsen aus den ursprünglich an diesen Stellen einmal vorhandenen Staubblättern hervorgegangen. Damit stimmt auch das Weltbild wieder: eigentlich besitzen die Kohlgewächse 8 Staubblätter – von denen 2 nicht mehr offensichtlich als solche erkennbar sind. Dank an dieser Stelle an unser Freundeskreismitglied Wolfgang Teschner, der mit viel Aufwand dieses oftmals übersehene Detail mit seiner Kamera liebevoll dokumentiert hat!

Detailaufnahme einer Blüte des Wildkohls (Brassica oleracea var. oleracea)
Wildkohl (Brassica oleracea var. oleracea), Foto: Wolfgang Teschner
Detailaufnahme der Staubblätter des Wildkohls (Brassica oleracea var. oleracea)
Staubblätter des Wildkohls (Brassica oleracea var. oleracea), Foto: Wolfgang Teschner

Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera)

Mehrere Exemplare des Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera)
Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera), Foto: Wolfgang Teschner

Orchideen waren und sind noch immer eine der ästhetisch besonders ansprechenden Pflanzen.  Gerade im Winter zieren sie viele unserer Wohnzimmer-Fensterbänke. Doch bei diesen Orchideen handelt es sich fast ausschließlich um Exoten aus den tropischen Regenwäldern. Aber wussten Sie, dass auch etwa 80 Orchideenarten in Deutschland heimisch sind? Sie haben ganz spezielle Ansprüche an ihren Wuchsort, sind allesamt selten und vom Aussterben bedroht und streng geschützt. Die Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) und die Insekten-Ragwurz (Ophrys insectifera), besser bekannt und dem Namen Fliegen-Ragwurz, gehören dazu und stehen schon in den Startlöchern zum Beginn ihrer Blüte – zumindest in den Toten Tälern bei Freyburg.

Blüte des Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera)
Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera), Foto: Wolfgang Teschner

Auch der Botanische Garten Leipzig würde gerne mit ein paar Exemplaren aufwarten, denn sie sind Teil des Beziehungspfades und wären an Position 12 zu finden – doch bisher schlug ihre Kultivierung trotz aufopferungsvoller Geduld, Wissen und viel Liebe unserer Gärtner fehl.  Trotzdem: Ragwurzen gehören – nach meiner eigenen Statistik von über 12 Millionen gesammelten Fotos von fast 2000 Fotografen – zu den am häufigsten abgelichteten Pflanzen überhaupt. Der Laie jedoch mag enttäuscht sein: die wundervollen und oft formatfüllenden Bilder täuschen über die Größe der einzelnen Blüten hinweg. Eine einzelne Blüte ist selten größer als einen halben Zentimeter im Durchmesser! Geduld, genaues Hinsehen und auch ein bisschen Glück gehören zum Auffinden der Blüten dazu.

Großaufnahme einer Blüte des Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera)
Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera), Foto: Wolfgang Teschner

Das Glück lässt sich manchmal ein wenig überrumpeln, wenn man eine vorbeifliegende Biene verfolgen kann, die zu einer Blüte unterwegs ist und einen quasi unfreiwillig hinführt. Übrigens sind es in der Regel Männchen, die die Bestäubung durchführen, da sie sich vom Aussehen und dem Duft der Ragwurzenblüten haben täuschen lassen: Denn die Blüten duften nach Weibchen, sehen ihnen recht ähnlich – und auch die Behaarung fühlt sich für sie an wie die vermeintlichen Weibchen.

Schachbrettblume (Fritillaria michailovskyi)

Mehrere Blüten von Michailovsykyi’s Schachblume (Fritillaria michailovskyi)
Michailovsykyi’s Schachblume (Fritillaria michailovskyi), Foto: Wolfgang Teschner

Die Schachbrettblumen der Gattung Fritillaria der Familie der Liliengewächse gehört zu den komplexesten und größten Gattungen der Familie überhaupt. Sie sind relativ nahe mit den Tulpen (Tulipa) verwandt, unterscheiden sich von diesen aber durch meist hängende statt aufrechte Blüten. Die meisten Arten sind in den Gebirgen zwischen der Türkei und dem Iran beheimatet. Da sie damit auch einer kalten Winterjahreszeit ausgesetzt sind, können viele Fritillarien auch bei uns problemlos im Freien überwintern.

Einzelnes Exemplar der Michailovsykyi’s Schachblume (Fritillaria michailovskyi)
Michailovsykyi’s Schachblume (Fritillaria michailovskyi), Foto: Wolfgang Teschner

Neben der eigentlichen Schachbrettblume (Fritillaria meleagris, von lat. fritillo=Schachbrett), dem Namengeber der Gattung wegen der Musterung der Blütenblätter, sind in unseren Gärten auch häufig die imposanten Kaiserkronen in allen möglichen Farbvarianten zu finden.

Frühlingslichtblume (Colchium bulbocodium)

Blüte der Frühlingslichtblume
Blüte der Frühlingslichtblume (Colchium bulbocodium), Foto: Wolfgang Teschner

Im Vorfrühling blühen nicht nur Schneeglöckchen, Märzenbecher, Narzissen und Krokusse! Darunter mischt sich auch ein Pflanze, deren bekanntester Verwandter die Herbstzeitlose ist – die Frühlingslichtblume. Sie ist weit weniger bekannt, aber genauso giftig – wie übrigens die meisten Zwiebelblumen. Schließlich müssen sie ja die wertvollen Reservestoffe in ihren Zwiebeln verteidigen.

Blüte der Frühlingslichtblume
Blüte der Frühlingslichtblume (Colchium bulbocodium), Foto: Wolfgang Teschner

Die Frühlingslichtblume ähnelt einem großen Krokus. Der Krokus gehört jedoch in die Familie der Schwertliliengewächse, die stets nur 3 Staubblätter besitzen, während Colchicum aus der Familie der Zeitlosengewächse (Colchicaceae) 6 Staubblätter ausbildet. Heimisch ist die Frühlingslichtblume bei uns übrigens nicht. Die nicht sehr häufige Pflanze wächst in größeren Beständen nur noch in der Schweiz und einigen Gebieten der Karpaten. Die Zwiebeln sind bei uns aber in gut sortierten Gärtnereien zu kaufen und können besondere Akzente gerade auch in Steingärten setzen.

Archiv der letzten Jahre

Sie haben eine Pflanze des Monats verpasst? Oder möchten sich noch einmal über besonders spannende Pflanzen der vergangenen Monate informieren? Hier finden sie noch einmal unsere Schätze im Archiv:

2020

Eine Gruppe violetter Alpenveilchen
Alpenveilchen (Cyclamen coum var. coum); Foto: Wolfgang Teschner

Alpenveilchen (Cyclamen spp.)

In der Pflanzenwelt unserer Heimat gibt es eine Menge Frühjahrsboten. Die bekanntesten dürften das Schneeglöckchen, der Märzenbecher oder die Krokusse sein.

Viele violette Alpenveilchen, gruppiert um den Stamm der Kornelle
Alpenveilchen (Cyclamen coum var. coum); Foto: Wolfgang Teschner

Nicht weniger spannend und mit besonders knackigen Farben gibt es jedoch noch einen weiteren: das Alpenveilchen. Die leuchtend magenta-farbigen Blüten ziehen jeden Besucher in seinen Bann. Kaum jemand geht im Februar und März an ihnen einfach so vorbei. Allerdings ist Alpenveilchen nicht gleich Alpenveilchen. Wir kultivieren 2 ähnliche Arten, die sich aber in zwei Dingen deutlich unterscheiden: Im Frühjahr blüht Cyclamen coum, und zwar zusammen mit Laub. Im Herbst hingegen blüht Cyclamen hederifolium – nachdem sein Laub am Ende des Hochsommers bereits verschwunden ist.

Eine Gruppe zartrosa Alpenveilchen am Stamm der Schwarznuss
Alpenveilchen (Cyclamen hederifolium); Foto: Wolfgang Teschner

Die Blütezeit der Alpenveilchen liegt genau dann, wenn sonst wenig blüht. Auch Bestäuber sind dann eher selten – gerade auch an ihren natürlichen, felsigen Standorten in den Alpen. Umso mehr bemühen sich die Alpenveilchen um ihre Nachkommen: Nach erfolgreicher Bestäubung und Befruchtung wachsen die Blütenstiele mit der Frucht aktiv in den Boden ein, sie pflanzen sich quasi selbst und sind so hervorragend vor Wind und Wetter geschützt.

Alpenveilchen sprießen gerade frisch aus der Erde
Alpenveilchen (Cyclamen hederifolium); Foto: Wolfgang Teschner
Eine Gruppe weißer Buschwindröschen
Buschwindröschen (Anemone sylvestris); Foto: Wolfgang Teschner

Buschwindröschen (Anemone nemorosa)

Von etwa Mitte März bis April blüht in ausgedehnten Beständen des Leipziger Auwaldes das Buschwindröschen (Anemone nemorosa).  Weit weniger bekannt und sehr viel seltener ist das Wald- oder Große Windröschen (Anemone sylvestris). Es blüht etwas später, oft sogar bis in den Mai hinein, wird um einiges höher und wächst nicht in so dichten Beständen. Das Große Windröschen ist auch insgesamt stark behaart und seine Blüten werden doppelt so groß wie die des Buschwindröschens, sind aber genauso weiss. Auch in den Früchten gibt es deutliche Unterschiede. Beide Arten produzieren zwar kleine Nüsschen, während die des Buschwindröschens aber nur kleine hakige Griffelreste zum Festhalten im Fell von Tieren ausbilden,  so produziert das Große zudem wollige Haare. So können die Früchte auch durch Wind verdriftet werden. Im Zustand der Fruchtreife sieht man auch deutlich die nahe Verwandtschaft zu den Kuhschellen (Pulsatilla). Von manchen Wissenschaftlern werden die Kuhschellen sogar mit den Anemonen in einer Gattung vereinigt.

Eine Gruppe weißer Buschwindröschen
Buschwindröschen (Anemone sylvestris); Foto: Wolfgang Teschner

Das Wald- oder Große Windröschen wächst bevorzugt auf kalkreichen Böden und meidet – anders als es der Name „Wald“ suggeriert – sogar eher die tiefschattigen Standorte des Waldes.  Am ehesten ist es auf ungedüngtem, trockenen Magerrasen zu finden. Im Norden Deutschland und insbesondere im Tiefland fehlt es ganz und ist in ganz Europa mittlerweile gefährdet.

Eine Großaufnahme einer einzelenen weißen Blüte des Buschwindröchens
Buschwindröschen (Anemone sylvestris); Foto: Wolfgang Teschner

Im Botanischen Garten Leipzig finden sie einen kleineren Bestand im Mitteleuropäischen Revier gegenüber des Moores bzw. des Teiches zwischen Weg und Mauer. Hier finden sich auch weitere Arten, die mit dem Großen Windröschen oft zusammenwachsen, wie der Diptam, die Weinraute oder der Blutrote Storchschnabel.

Pflanze mit lila-farbener Blüte
Die Rocky Mountain Ackelei (Aquilegia saximontana), Foto: Wolfgang Teschner

Die Niedrige Akelei (Aquilegia saximontana)

Die Heimat der Niedrigen Akelei (Aquilegia saximontana) liegt in den Rocky Mountains Nordamerika über der Baumgrenze, oberhalb von ca. 3000m üNN. Sie gehört mit etwa 70 weiteren Arten in die Gattung Akelei, die in Nordamerika, Europa und Asien vorwiegend in den Gebirgen vorkommt. In unseren Wäldern ist ab und zu eine ebenfalls blaublütige Art, Aquilegia vulgaris, zu finden, die allerdings bis zu 1,5m hoch wird. Die Niedrige Akelei hingegen bleibt recht klein und bewohnt typischerweise Felsschutthänge. Dort schmiegt sie sich in den Windschatten der Felsen und wartet zur Blütezeit ab Juni (im Botanischen Garten Leipzig ab Mai) auf langrüsselige Bestäuber wie Hummeln, die sich an ihrem reichlich vorhandenen Nektar laben. Der sammelt sich in Aussackungen besonders groß ausgebildeter und ebenfalls blau gefärbter Honigblätter, die oft auch als Sporn bezeichnet werden. Die sind in der seitlichen Ansicht besonders gut zu sehen.

Die blau-violetten Blüten der Rocky Mountain Ackelei
Die blau-violetten Blüten der Rocky Mountain Ackelei (Aquilegia saximontana), Foto: Wolfgang Teschner

Die Niedrige Akelei ist sehr nah mit der Rocky-Mountain Akelei verwandt, mit der sie gemeinsam vorkommt. Beide lassen sich gut durch die Sporenlänge unterscheiden: bei der niedrigen Akelei sind diese ungefähr einen Zentimeter lang, während der der Rocky-Mountain Akelei ungefähr 3 bis viermal so lang werden kann.

Großaufnahme einer Blüte der Rocky Mountain Ackelei
Die Blüte der Rocky Mountain Ackelei (Aquilegia saximontana), Foto: Wolfgang Teschner

Unser Exemplar hat sein Quartier ebenfalls in den Rocky Mountains, einem erst kürzlich hinzugekommenen neuen Beetbereich im Alpinum nahe des Mitteleuropäischen Teiches.

Gesamtaufnahme des Steinbeetes nahe des Inspektorenhauses
Steinbeet nahe des Inspektorenhauses; Foto: Wolfgang Teschner

Steinbrechgewächse (Saxifragaceae) und Dickblattgewächse (Crassulaceae)

Nach neueren Erkenntnissen sind Steinbrechgewächse (Saxifragaceae) und Dickblattgewächse (Crassulaceae) näher miteinander verwandt als bisher geglaubt. Dem Rechnung tragend haben wir in der Systematischen Abteilung ein neues Beet für diese Familien nahe des Inspektorenhauses angelegt.

Prometheum pilosum mit kräftig pinken Blüten
Prometheum pilosum, Foto: Wolfgang Teschner

In beiden Familien sind viele Felsspaltenbewohner zu finden. Bei den Steinbrechgewächsen kommen die allermeisten Arten in Höhen über der Baumgrenze vor, also z.B. in den Alpen. Zu den Crassulaceen gehören viele dickfleischige Arten die mit hohen Temperaturen und wenig Wasser noch gut zurecht kommen. Dementsprechend sind besonders viele Arten in den Halbwüsten Südafrikas zu finden, aber die Hauswurzen (Sempervivum) und die Mauerpfeffer (Sedum) wachsen auch bei uns – z.B. in Mauerritzen oder auf besonders steinigem Untergrund.

Großaufnahme eines sedum palmeri mit gelben Blüten
Sedum palmeri, Foto: Wolfgang Teschner

Vertreter beiden Familien eignen sich vorzüglich für Steingärten, aber auch für die extensive Begrünung von Flachdächern. Die Vertreter beider Familien werden vorwiegend von Bienen bestäubt und bieten diesen auch reichlich Nektar.

Anders als es der Namen vielleicht suggeriert, brechen die Steinbreche nicht den Stein. Sie siedeln vielmehr in bereits vorhandenen Ritzen im Fels. Im Gegenteil: Ihr Wurzelsystem vermag lockeren Schotter zu stabilisieren.

Die abgebildeten Pflanzen sind aus der Familie der Dickblattgewächse, die Steinbreche wachsen sehr langsam - wir erwarten die ersten Blüten frühestens nächstes Jahr.

Umbilicus rupestris mit Blütenknospen
Umbilicus rupestris; Foto: Wolfgang Teschner
Leuchtend pinke Nelken im Topf
Nelke (Dianthus caryophyllus); Foto: Wolfgang Teschner

Die Nelken (Dianthus spp.)

Die Nelken (Gattung Dianthus) gehören in den Garten jedes Schmetterlingsfreundes. Die Blüten bilden eine sogenannte Stieltellerblume, bei der dem Tagschmetterling eine große Landeplattform angeboten wird. Der Nektar ist unter einem winzigen Zugang versteckt, aber gut für den dünnen Rüssel eines Schmetterlings erreichbar. Konkurrenten wie Fliegen oder Hummeln können den Netar nicht erreichen. Zudem ist die Farbe rot für Tagschmetterlinge besonders attraktiv.

einzelne Blüten einer leuchten pinken Nelkenart
Nelke (Dianthus seguieri); Foto: Wolfgang Teschner

Aber Vorsicht: Die „Standardnelke“, die oft auch als Schnittblume verkauft wird, ist für den heimischen Garten nicht geeignet: Die Staubgefäße sind zu weiteren Blütenblättern umgezüchtet, Nektar fehlt – Qualzüchtungen gibt es also nicht nur bei Hund und Katze!

einzelne Blüte einer leuchtend pinken Nelkenart im Profil
Nelke (Dianthus seguieri); Foto: Wolfgang Teschner

Abgebildet ist die heimische Dianthus seguieri, die im System des Botanischen Gartrens zu finden ist.

Große Gruppe des Großen Flohkrauts mit gelben Blüten
Großes Flohkraut (Pulicaria dysenterica); Foto: Wolfgang Teschner

Große Flohkraut (Pulicaria dysenterica)

Erst im Hochsommer offenbart sich die große Vielfalt der Asterngewächse bzw. Korbblütler in unserer Flora. Viele andere Wiesenpflanzen tragen schon längst Früchte oder sind oberirdisch kaum mehr erkennbar. In der systematischen Abteilung des Botanischen Gartens wird dies auch sehr deutlich. Das Große Flohkraut (Pulicaria dysenterica) mag es allerdings viel feuchter als es unser System bieten kann. Es wächst entlang des Mitteleuropäischen Teiches und in den benachbarten Waldabschnitten.

Zwei gelbe Blüten des Großen Flohkrauts im Profil
Großes Flohkraut (Pulicaria dysenterica); Foto: Wolfgang Teschner

Grob werden die Asterngewächse in zwei Gruppen eingeteilt: diejenigen mit Milchssaft und entweder nur Röhren- oder nur Zungenblüten (Unterfamilie Lactucoideae) oder diejenigen mit sowohl Röhren- als auch Zungenblüten (Unterfamilie Asteroideae). Letztere haben nie Milchsaft, dafür aber eine Vielzahl an ätherischen Ölen. Am bekanntesten dürfte hier die Arnika sein. Auch das Flohkraut gehört in diese Gruppe – das manchmal sogar mit der Arnika verwechselt wird, aber viel kleinere Blütenköpfchen besitzt.

Einzelne gelbe Blüte des Großen Flohkrauts, darauf sitzt ein Insekt
Großes Flohkraut (Pulicaria dysenterica); Foto: Wolfgang Teschner

Die Inhaltsstoffe des Flohkrautes scheinen eine gewisse Wirkung gegen die Amöbenruhr zu haben, woher auch ihr weiterer Name „Ruhrkraut“ abzuleiten ist.

Aufrecht stehende Blütenrispe einer Dichorisandra reginae. Die Blüten sind violett bis lilafarben.
Blüte der Dichorisandra reginae, Foto: Wolfgang Teschner

"Blauer Ingwer" (Dichorisandra thyrsiflora)

"Blauer Ingwer" (Dichorisandra thyrsiflora) nennt man im Deutschen eine Pflanze, die allerdings mit Ingwer nichts zu tun hat, denn sie gehört zur Familie der Tagblumengewächse (Commelinaceae). Sie ist damit eher verwandt mit den Dreimasterblumen, den Tradeskantien, die viele Gartenliebhaber in ihren Staudenbeeten kultivieren oder als Ampelpflanze in Wohnzimmer und Wintergarten pflegen.

In der Mitte von fünf sternförmig angeordnete Blättern, ist die Blütenknospe zu finden.
Blüte der Dichorisandra reginae, Foto: Wolfgang Teschner

Die Gattung Dichorisandra ist mit ihren etwa 38 Arten vom südlichen Nordamerika über das gesamte tropische Südamerika verbreitet. 

Dichorisandra thyrsiflora, der »Blaue Ingwer«, der seine ursprüngliche Heimat in Brasilien hat, besticht durch seine langen, dem Ingwer ähnlichen Blätter, vor allem aber mit seinem attraktiven Blütenstand mit vielen blauvioletten Blüten, die über einen langen Zeitraum von unten nach oben aufblühen. Als Kübelpflanze ist sie für den Wintergarten geeignet. Sie liebt es hell ohne direkte Sonneneinstrahlung in einem feuchtwarmen Klima.

Detail einer Blüte der Dichorisandra reginae, Foto: Wolfgang Teschner
Detail einer Blüte der Dichorisandra reginae, Foto: Wolfgang Teschner

In unserem Gewächshaus »Regenwälder der Neuen Welt« haben wir zwei eng verwandte Arten des »Blauen Ingwers«, die jetzt im September, wenn auf der Südhalbkugel der Frühling beginnt, in Blüte stehen: Dichorisandra reginae und Dichorisandra mosaica.

Dichorisandra reginae, Ursprungsheimat ist Peru, hat einen etwas gedrungeneren, aber nicht minder attraktiven Blütenstand, wie auf den Fotos zu sehen ist. Auch sie ist für die Zimmerhaltung gut geeignet. Steht sie allerdings zu dunkel, dann verlieren die Blätter ihre schöne Färbung.

Blüte der Dichorisandra mosaica
Blüte der Dichorisandra mosaica, Foto: Wolfgang Teschner

Auch Dichorisandra mosaica ist sowohl in Brasilien als auch in Peru zu Hause und steht bei uns normalerweise in den Sondersammlungen, ist aber jetzt zur Blütezeit im Schaugewächshaus der Neotropis zu bewundern.

Blätter der Dichorisandra mosaica
Blätter der Dichorisandra mosaica; Foto: Wolfgang Teschner
Gruppe der Fackellilien mit aufrecht stehenden rot-gelben Blüten
Fackellilien (Kniphofia caulescens); Foto: Wolfgang Teschner

Fackellilien (Kniphofia spp.)

Die spektakulären Blütenstände der Fackellilien (Kniphofia spp.) leuchten schon von weitem in ihrer Heimat, dem Fynbos Südafrikas. Sie locken damit Nektarvögel an, die sich prima an den robusten Stielen festhalten können, um dann mit ihren langen Schnäbeln den reichlich vorhandenen Nektar aus den Blüten zu schlürfen.

Drei aufrecht stehende, rot-gelbe Blüten der Fackellilien
Fackellilien (Kniphofia caulescens); Foto: Wolfgang Teschner

Fackellilien sind bei uns einigermaßen winterhart, mögen es aber am liebsten warm und sonnig. Und sie blühen jetzt – zu Beginn des Herbstes. Auch in Südafrika blühen sie gerade jetzt – von Oktober bis Dezember.  Allerdings fängt in Südafrika gerade der Frühling an! Wie können die Pflanzen nur wissen, dass sie in ihrer Heimat jetzt blühen müßten – wo sie doch in Deutschland stehen? Einer der unzähligen Mysterien in der Biologie. Es mag aber einfach damit zusammenhängen, dass sie zum Beginn der Regenzeit blühen – und die setzt in Deutschland nach einer ausführlichen Trockenzeit gerade ein.

Aufrecht stehende, rot-gelbe Blüte der Fackellilie
Blüte der Fackellilien (Kniphofia uvaria oder caulescens); Foto: Wolfgang Teschner

Im Botanischen Garten Leipzig können die Fackellilien in der Systematischen Abteilung der Einkeimblättrigen südlich des Inspektorenhauses bewundert werden.

2019

Drei weiße Blüten des Chinesischen Limonenbaumes
Cinesischer Limonenbaum (Schisandra chinensis); Foto: Wolfgang Teschner

In den ursprünglichen bedecktsamigen Samenpflanzen finden sich ungewöhnlich viele aromatisch duftende und schmeckende Vertreter, wie zum Beispiel die Muskatnuß, der Lorbeer oder Ylang-Ylang – Hauptbestandteil der Parfüms Chanel No. 5. Etwas weniger bekannt sein dürfte Wu Wei Zi aus China sein, ein bei uns winterharter, kleiner Kletterer, der mittlerweile auch einen deutschen Namen bekommen hat – zum Beispiel bezugnehmend auf seinen Duft „Chinesischer Limonenbaum“. Limonenliane wäre allerdings passender, denn die Pflanze benötigt Rankhilfen zum Klettern, ähnlich der ebenfalls auch China stammenden Kiwifrucht.

Zwei sich gerade öffnende Blüten des Chinesischen Limonenbaumes
Cinesischer Limonenbaum (Schisandra chinensis); Foto: Wolfgang Teschner

In China werden die Früchte wie auch andere Teile der Pflanze schon seit Jahrhunderten in der Pharmazie genutzt. Ihr werden alle möglichen Heilwirkungen nachgesagt, von Schlaflosigkeit bis zu Hepatitis, Diabetes und vorzeitigem Samenerguß. Während die physiologische Wirkung noch längst nicht aufgeklärt ist, können aus den Beeren der Pflanze – Reife im Spätsommer – für unseren Gaumen ungewöhnliche schmeckende Marmeladen hergestellt werden. Das Bouquet einer solchen umfaßt nahezu alles, von salzig und süß bis scharf und bitter, und ist kaum mit anderen Marmeladen vergleichbar.

Unreife Früchte des Chinesischen Limonenbaums
Cinesischer Limonenbaum (Schisandra chinensis); Foto: Wolfgang Teschner

Wer den „Limonenbaum“ in seinem Garten ranken lassen möchte, um auch die Früchte zu ernten, sollte daran denken, sowohl männliche als auch weibliche Exemplare zu pflanzen, sonst gibt es keine Früchte. Die abgebildeten Blüten sind männlich, gut daran zu erkennen, dass es nur Staubbeutel, aber keinen Fruchtknoten in der Blüte gibt. Im Botanischen Garten Leipzig sind die Pflanzen unweit der Linnéstatue im System gepflanzt.

Eine Gruppe weiß blühender Immergrüner Schleidenblumen am Boden
Immergrüne Schleifenblume (Iberis sempervirens); Foto: Wolfgang Teschner

Die Immergrüne Schleifenblume (Iberis sempervirens) verholzt an der Basis leicht und behält ihre Blätter den Winter über (=immergrün). Diese und ihre Blühfreude im Frühling machen sie zu einer beliebten und recht dekorativen Gartenpflanze. Sie kommt in den südlichen, mediterranen Ländern vor, ist aber dennoch frostunempfindlich. Einige Exemplare sind in unserem Garten sowohl in der Systematischen Abteilung als auch im Alpinum zu finden. Durch ihre ausdauernde Wuchsweise werden die einzelnen Triebe im Laufe der Jahre immer länger. Da diese zumeist herabliegen eignen sich die Pflanzen gut zum Begrünen von Mauern.

Weiße Blüten der Immergrünen Schleifenblume
Immergrüne Schleifenblume (Iberis sempervirens); Foto: Wolfgang Teschner

Die Schleifenblume gehört in die Familie der Kohlgewächse (Brassicaceae), die in der Regel ziemlich kleine Blüten haben. Die Schleifenblume hat jedoch recht große Blüten, so dass ein typisches Merkmal der Familie an ihr besonders gut zu erkennen ist: Sie hat zwar 4 Kelch- und 4 Blütenblätter, aber 6 Staubblätter! Normalerweise haben Blüten genauso viele Blüten wie Staubblätter, ein vielfaches davon oder sehr viel mehr. Tatsächlich haben die Kohlgewächse eigentlich 8 Staubblätter, was dann wieder in dieses Schema passte, jedoch sind 2 des äußeren Kreises im Laufe der Evolution zu Nektardrüsen umgewandelt. Deshalb sind nur 6 sichtbar. Schaut man tiefer in die Blüte hinein, so wird man die 2 Nektardrüsen gerade so mit bloßem Auge erkennen.

Nahaufnahme in die Blüte der Immergrünen Schleifenblume, in der Mitte sind die gelben Staubblätter gut zu erkennen
Immergrüne Schleifenblume (Iberis sempervirens); Foto: Wolfgang Teschner

Die Früchte der Brassicaceae sind trockene Öffnungsfrüchte bestehend aus 2 Fruchtblättern und einer falschen Scheidewand. Ist eine solche Frucht weniger als dreimal so lang wie breit, dann spricht man von einem Schötchen, wie bei der Schleifenblume. Ist sie mehr als dreimal so lang wie breit, so handelt es sich um eine Schote. Übrigens: die Paprikafrucht ist eine Beere (denn sie ist eine fleischige Schließfrucht und gehört zudem zum Obst, nicht zum Gemüse), die Vanillefrucht ist eine Kapsel (denn sie hat 3 Fruchtblätter).

Blätter der Immergrünen Schleifenblume
Immergrüne Schleifenblume (Iberis sempervirens); Foto: Wolfgang Teschner
Eine ganze Gruppe der violett blühenden Rehmannia im Beet.
Rehmannia elata; Foto: Wolfgang Teschner

Rehmannias Verwandtschaft ist recht klein. Die Gattung besteht aus nur 6 Arten und kommt in der Natur ausschließlich in China vor. Obwohl die Gattung außerordentlich farbenprächtige und große Blüten bildet ist selbst ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Pflanzenfamilie nicht ganz gesichert. Mit der Auflösung der Braunwurzgewächse oder Rachenblütler (Scrophulariaceae) in mehrere weitere Familien blieb Rehmannia noch bis zum Schluß übrig und wurde mal zu den Usambaraveilchengewächsen (Gesneriaceae) gestellt, mal zu den Sommerwurzgewächsen (Orobanchaceae). In letzteres wäre Rehmannia allerdings dann ein nicht-parasitischer Vertreter in einer ansonsten rein (hemi-) parasitischen Familie. Da sie aber auch nicht das familientypische Merkmal der postgenital verwachsenen Antheren der Gesneriaceae zeigt, und zudem gefiederte Blätter hat, ist es unserer Meinung nach gerechtfertigt, Rehmannia in eine eigene Familie, die Rehmanniaceae, zu stellen.

Eine einzlene, violette Blüte der Rehmannia
Rehmannia elata; Foto: Wolfgang Teschner

Die großen kräftig pink oder violett gefärbten Blüten sind hummelbestäubt und reflektieren bzw. absorbieren sicher im Ultravioletten. Die an sich mehrjährigen Stauden sind bei uns nicht winterhart und werden jedes Jahr aufs Neue aus Samen gezogen. Im Botanischen Garten stehen sie im System innerhalb der Ordnung der Plantaginales, grob ca. 30m nordöstlich des Blauglockenbaumes.

Eine einzelne Rehmannia mit drei violetten Blüten
Rehmannia piasezkii; Foto: Wolfgang Teschner
Große Kapuzinerkresse im Beet mit vielen orangefarbenen Blüten
Große Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus); Foto: Wolfgang Teschner

Die Große Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) ist eine von vielen Vertretern der Kapuzinerkressengewächsen, die ursprünglich hauptsächlich in den Anden Mittel- und Südamerikas verbreitet war. Ihre großen, auffälligen Blüten haben aber v.a. die große Kapuzinerkresse schon sehr bald nach Entdeckung Amerikas zu einer weltweit beliebten Zierpflanze gemacht. Sie wird von Hummeln und Bienen bestäubt, auch in unserer Heimat, obwohl unsere Hummeln die Pflanze ja eigentlich gar nicht kennen können. Der große Nektarsporn ist jedenfalls immer reichlich gefüllt. Dieser zusammen mit der ganzen Blüte stand auch Pate für den Namen der Pflanze, denn sie erinnern an die Kapuzen von Mönchskutten.

Detailaufnahme von Blättern und einer orangefarbenen Blüte der Großen Kapuzinerkresse
Große Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus); Foto: Wolfgang Teschner

Die Kapuzinerkresse ist aber nicht nur schön anzuschauen, sondern kann auch gegessen werden. Die Blätter und Blüten enthalten eine Menge Senfölglycoside, die ihr ein scharfes, senfähnliches Aroma verleihen. Allerdings sind in den Blättern auch einige Bitterstoffe enthalten, weswegen man in Salaten vorwiegend die Blüten verwendet. Dieses Aroma zeichnet aller Vertreter der Kohlartigen aus, zu denen neben Kohl auch die Kapern oder die Papaya gehören. Im Botanischen Garten steht sie dementsprechend auch im System der Karpernartigen, nicht unweit des Einganges zu den Gewächshäusern.

Die Pflanze ist nicht winterhart und wird bei uns jedes Jahr aufs neue ausgesät, in Ecuador oder Peru kann die Pflanze auch mehrjährig gehalten werden. Kapuzinerkresse kann gut klettern und eignet sich besonders zur sommerlichen Verschönerung von Balkonen und ihrer Geländer.
Die Kapuzinerkresse zeigt übrigens auch den von der Lotosblume bekannten Lotoseffekt: Die Blätter sind mit Wasser praktisch nicht benetzbar, es zieht sich sofort zu Kugeln zusammen und perlt ab!

Drei blaue, kugelförmige Blüten der Kugeldistel
Kugeldistel (Echinops humilis); Foto: Wolfgang Teschner

Innerhalb der an sich recht einheitlich blühenden Korbblütler (Asteraceae) bilden die Kugeldisteln (Echinops) eine Ausnahme: statt einen verbreiterten Blütenstandsboden auszubilden, auf dem eng an eng viele kleine Blüten wie in einem Körbchen sitzen, produzieren die Kugeldisteln nur eine einzige Blüte pro Körbchen. Diese einfachen Körbchen sind aber wiederum rings um eine kleine Kugel angeordnet, so dass der Blütenstand an sich ebenfalls kugelig wirkt – und Ähnlichkeiten mit Igeln (Erinaceus) erkennen läßt.

Blau blühende Kugeldisteln in der Steppe
Kugeldistel (Echinops humilis); Foto: Wolfgang Teschner

Es gibt etliche Arten an Kugeldisteln, die meisten kommen im mediterranen Klima und Zentralsien vor. Bei uns besonders häufig sind die ruthenische Kugeldistel aus Südosteuropa (Echinops ritro) und die niedrige Kugeldistel (Echinops humilis) aus Zentralasien. Beide wurden schon vor langer Zeit ihres Zierwertes wegen in Mitteleuropa eingeführt. Die großen stahlblauen Blumenköpfe ziehen Hummeln und Bienen magisch an, gerade auch am Ende des Hochsommers, wenn die Hochzeit der Blüten bereits überschritten ist.

Blaue, kugelförmige Blüte der Kugeldistel in Nahaufnahme
Kugeldistel (Echinops humilis); Foto: Wolfgang Teschner

Als ausdauernde und nur ganz langsam sich ausbreitende Staude sind sie ein ungewöhnlicher Schmuck in jedem Garten, im BGL zu finden im Systematischen Beet der Korbblütler, aber auch in der Asiatischen Steppenanlage. Ihre weißfilzige Blattunterseite macht sie auch im nicht-blühenden Zustand zu einem Hingucker.

Eine Einzelne Blaue Seidenblume mit blauen Blüten
Blaue Seidenblume (Tweedia caerulea); Foto: Wolfgang Teschner

Nahezu alle Vertreter der Unterfamilie der Schwalbenwurzgewächse (Asclepioideae) innerhalb der Familie Hundsgiftgewächse (Apocynaceae) besitzen Milchsaft. Eine kleine Verletzung der Pflanzen reicht aus und schon schießt der Milchsaft aus der Wunde. Es dickt mit der Zeit ein und verschließt die Wunde auf die gleiche Weise wie bei uns Säugetieren rotes Blut. Auf Kleidung ist dieser Milchsaft kaum wieder herauszuwaschen, also Vorsicht bei der Gartenarbeit.

Weißer Milchsaft tritt an einer Rissstelle am Blatt der Blauen Seidenblume aus
Milchsaft der Blauen Seidenblume (Tweedia caerulea); Foto: Wolfgang Teschner

Viele Vertreter der Familie haben ausgesprochen hübsche Blüten, werden gerne kultiviert und bieten den Insekten reichlich Nektar. Am bekanntesten dürfte der aus dem Mittelmeer stammende Oleander sein. Oxypetalum caeruleum (ehemals Tweedia caerulea) aus dem Süden Amerikas besitzt ungewöhnlich blau gefärbte Blüten mit einem Stich ins türkis. Sie erinnert damit auch an das bei uns heimische Kleine Immergrün (Vinca minor) aus derselben Familie. Das hat zwar tiefblaue Blüten, aber ebenso Milchsaft und ist wie eigentlich alle Hundsgiftgewächse giftig.

Fünf einzelne blaue Blüten der Blauen Seidenblume
Blaue Seidenblume (Tweedia caerulea); Foto: Wolfgang Teschner

Oxypetalum caeruleum steht im Botanischen Garten Leipzig im System zwischen der Rhododendronsammlung und den Tabakgewächsen.

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